Dorfläden Kaufen im Ort

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Etwas anders seien die Gegebenheiten bei den bürgerschaftlich aufgestellten Läden, erklärt Günter Lühning, Vorsitzender Dorfladen Otersen w.V. und Sprecher des Dorfladen Netzwerks. „Hier ist Auskömmlichkeit das Geschäftsprinzip.“ Die Rendite stehe nicht im Vordergrund. Die sei in Otersen und den meisten anderen Bürgerläden nicht in Euro zu messen, sondern in Lebensqualität für die Menschen und die Zukunftsfähigkeit des Dorfes. In Otersen habe man bis zum sechsten Jahr mit leichtem Verlust und im siebten mit einem leichten Überschuss von rund 1 Prozent des Umsatzes abgeschlossen. Nach seinen Erfahrungen sollte im dritten, spätestens im vierten Jahr die schwarze Null erreicht werden.

Wesentlich ist für Jost die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Sehr hilfreich sei schon, wenn die Räumlichkeiten Eigentum und nicht angemietet seien. Unterstützung bei den Mietkosten bzw. durch Bereitstellung von Räumlichkeiten sollten daher unbedingt bei der Kommune nachgefragt werden. Ebenso essenziell sei die Unterstützung durch einen leistungsfähigen Großhandelspartner. Vor diesem Hintergrund seien auch mögliche Serviceleistungen zu bewerten. „Sobald für die Zusatzleitung mehr Personal eingestellt werden muss oder zusätzliche Räumlichkeiten angemietet werden müssen, steht die Wirtschaftlichkeit schnell in Frage – dies, da die Serviceleistungen häufig den Charakter eines Ergänzungsangebotes bzw. Frequenzbringers haben, ohne einen großen Beitrag zum Gesamtergebnis beizusteuern“, erklärt Jost. Andererseits könne die Identifikation mit der Verkaufsstelle sowie die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement Entlastung bei den Personalkosten bringe n.

Beim Dorfladen in Otersen bekommen nicht im Lebensmittel-Einzelhandel ausgebildete Kräfte einen Stundenlohn von 8 bis 9 Euro. Wie Mitarbeiterinnen aus eigener Erfahrung berichteten, sei das mehr als bei einigen Discountern. Bei gut 50 Stunden Öffnung werden 95 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit kalkuliert. Bei geringer Frequenz reicht eine Kraft, ansonsten seien zwei aktiv.

Im niedersächsischen Otersen kaufen überwiegend ältere Dorfbewohner ein, aber zunehmend auch Familien und junge Erwachsene. Sonst würde der Laden bei nur 500 Einwohnern keinen Jahresumsatz von 375.000 Euro schaffen und rund 35 Prozent der Kaufkraft für Lebensmittel binden. Ein Durchschnittsbon von 8,30 Euro zeige darüber hinaus, dass nicht der Vergesslichkeitseinkauf überwiege. Wichtige Parameter für den Erfolg sind: die Qualität der Dorfgemeinschaft, dass die Leute dem Leitsatz folgen „Wer weiter denkt, kauft näher ein“, ein attraktives Sortiment mit wahrnehmbarer Frischeorientierung, Service- und Dienstleistungen, Engagement und Herzlichkeit der Mitarbeiter. Auf rund 200 Standorte schätzt Lühning den Bestand der bürgerschaftlich organisierten Dorfläden. Die ersten ihrer Art (Dorfläden – von Bürgern für Bürger) wurden vor rund 20 Jahren vornehmlich in Bayern und Niedersachsen gegründet. Alternative Nahversorgungskonzepte finden sich heute v or allem in Bayern, Baden-Württemberg (etwa Um’s Eck) und Schleswig Holstein.

Fotos: Dorfladen-Netzwerk Stadler, Pütthoff