Darauf, dass in gastronomischen Angeboten für die Convenience Stores ein wichtiges, wenn nicht sogar ein entscheidendes Stück Zukunft steckt, hat CS in seiner Gastro-Edition im September deutlich hingewiesen. Dass bei der Nutzung dieser Chance nicht nur die klassischen Wettbewerber als „Gegner“ im Ring stehen, sondern immer mehr auch die Retail-Kollegen aus dem umsatzstarken Lebensmittel-Einzelhandel, macht jetzt erneut eine Veröffentlichung des EHI Retail Institute in Köln deutlich. Diese fasst unter dem Titel „Die Zukunft der Handelsgastronomie – Landkarte denkbarer Handelsgastronomiewelten 2035+“ nicht nur die aktuelle Situation zusammen, sondern thematisiert auch denkbare Szenarien für die kommenden zehn Jahre und darüber hinaus in diesem Business.
Eine neutrale Plattform
Das EHI Retail Institute hat die Initiative Handelsgastronomie ins Leben gerufen, um dem deutschsprachigen Handel eine neutrale Plattform mit umfassenden Informationen zum Thema Handelsgastronomie bereitzustellen, was es jetzt erneut mit der Veröffentlichung unterstreicht. „Mit einem vielseitigen Angebot rücken in zunehmendem Maße gastronomische Offerten und Konzepte im Handel als Frequenz- und Umsatzbringer sowie als Profilierungsinstrument in den Fokus. Und dies mit Erfolg“, stellt die Studie fest. Im Jahr 2022 habe der Umsatz der Handelsgastronomie in Deutschland bei 10,09 Milliarden Euro und im Jahr 2023 bereits bei 11,7 Milliarden Euro gelegen. Und trotz des verhaltenen Konsumklimas in Deutschland bleibe die Handelsgastronomie weiter auf Wachstumskurs. Laut EHI-Befragung hätten die Händler ihren gastronomischen Umsatz im Jahr 2024 durchschnittlich um 6,1 Prozent gesteigert und der Gesamtumsatz damit die Rekordsumme von 12,41 Milliarden Euro erreicht. „Das EHI prognostiziert für das laufende Jahr 2025 auf Basis von Händlerangaben eine weitere Umsatzsteigerung von 4,1 Prozent. Dies entspräche einem Bruttoumsatz von rund 12,92 Milliarden Euro“, so die Aussicht.
Komplexes Thema
Da die Handelsgastronomie eng verbunden sowohl mit den Entwicklungen im Einzelhandel als auch mit den Entwicklungen in der Gastronomie sei, bewege sie sich aber in einem zunehmend komplexen und dynamischen Umfeld, welches durch eine Vielzahl herausfordernder Entwicklungen geprägt sei, die auf die Ziel-, Gestaltungs- und Entscheidungsspielräume der Handelsgastronomie einwirkten, erinnert das EHI. Dazu zählten: Konsumentenverhalten, Konjunktur, Preissensibilität, Lieferketten, Landwirtschaft, Biodiversität, Nachhaltigkeit, Gesundheit, Regionalität, Entwicklung der Städte, Onlinehandel, Entwicklungen in den Einzelhandelsbranchen, aber auch Trends in der Gastronomie, Personal, Energie- und Rohstoffpreise, globale Krisen und vieles mehr. Um die zukünftigen Möglichkeiten der Handelsgastronomie auszuleuchten, wurden von einem interdisziplinären Team aus Händlern, Gastronomie-Expertinnen und Experten sowie Partnern aus Dienstleistungs- und Industrieunternehmen in drei Workshops neun Szenarien entwickelt. Dabei soll es sich laut den Machern nicht um Prognosen handeln, „sondern um Eckpunkte eines Möglichkeitsraums“, weil die Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit nicht exakt einem dieser neun Szenarien entsprechen werde, sondern vielmehr dazwischen liege und Aspekte mehrerer Szenarien enthalte. Bereits in der heutigen Handelsgastronomie ließen sich viele Elemente der Zukunftsszenarien erkennen, ist das EHI überzeugt.
Ein vielseitiges Spektrum
Dieser Eindruck, dass hier schon einiges initiiert wurde, gelte vor allem für Zukunftsbilder mit moderater Automatisierung und Digitalisierung sowie starker Betonung traditioneller Essenszeiten. Dabei reiche das Spektrum von dem Szenarium „Tradition erfolgreich bewahren“ über „Lifestyle-To-go“ bis hin zu „Starker Auftritt vor Ort“. Am weitesten entfernt von der Gegenwart sind laut den Machern die Szenarien mit „Functional Technical Food“ sowie einer „vollständigen Automatisierung der Handelsgastronomie“. Sechs der neun Szenarien beschreiben Entwicklungen, die vom Szenario-Team als erwartbar eingeschätzt wurden und die laut EHI aktuell auf eine signifikante Ungewissheit im Handelsgastronomie-Geschäft hindeuten.
Die Szenarien „Innovation trifft Genuss für alle“, „Maßgeschneiderter Genuss“ und „Wachstum der neuen Mitte“ knüpfen in ihrer Ausrichtung alle an eine hohe Bedeutung sozialer Interaktion, Erlebnis, Lifestyle und Genuss, an starke Automatisierung und Digitalisierung mit Flexibilisierung der Essenszeiten und ein starkes Wachstum des Außer-Haus-Verzehrs mit einem hohen Preisniveau in der Gastronomielandschaft an. Sie sind laut EHI „meisterwartet“ und durchgängig Zukünfte mit einem Wachstum des Vor-Ort-Verzehrs. Dies deute auf eine insgesamt sehr positive Zukunft der Handelsgastronomie hin, so die Studie. Obwohl im Folus der Studie offensichtlich gastronomische Angebote des LEH stehen, lassen sich auch Zukunftserwartungen der C-Stores in Sachen Gastro-Geschäft anhand der Szenarien überprüfen. Dafür spricht auch, dass bei den Experten ebenfalls Fachleute dabei waren, denen das Gastro-Geschäft der Convenience-Shops zumindest nicht fremd ist, wie beispielsweise Olaf Homann selbst, aber auch Jörg Bleydorn, Leiter Convenience Retail Q1 Energie, oder der Berater Oliver Merches.