Wenn in diesem Jahr bei der Tagung „Handel und Wandel in Tankstellen“ davon die Rede war, dass Foodservice in Tankstellen das neue Fuel ist und man daher sogar die DNA der Shops ändern müsse, dann macht dies deutlich, dass die Convenience-Branche hier zu Lande die Gastro-Herausforderung wirklich annehmen will. Der Vorteil ist, dass dies wohl weltweit in der C-Branche der Fall ist, sodass es auch global sehr viele Benchmarking-Möglichkeiten gibt.
Zugute kommt den internationalen Convenience Stores aller Arten, dass laut dem Marktforscher Circana die traditionellen Grenzen zwischen Gastronomie und Einzelhandel zunehmend verschwimmen. Das hatte die Convenience-Branche auch hier zu Lande schon vor drei Jahrzehnten erwartet und prognostiziert. Aber jetzt wird daraus langsam Gewissheit. Denn laut Circana zeigt die „Forschung, basierend auf umfassenden CREST-Daten, dass europäische Verbraucher im vergangenen Jahr 888 Milliarden Euro für Lebensmittel und Getränke ausgegeben haben, wobei 37 Prozent davon für ‚sofortige Verzehr‘-Optionen in den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie aufgewendet wurden“.
Das erstaunte auch die Forscher von Circana, die hervorhoben, dass eben nicht die bisherigen Foodservice-Profis, sondern andere innerhalb der Gastronomiebranche in dieser Kategorie Marktanteile gewännen und die Wettbewerbslandschaft veränderten, „da Verbraucher zunehmend auf Fertigprodukte jenseits traditioneller Gastronomieangebote umschwenken“. Und diese Entwicklung beschränkt sich nicht auf Deutschland, sondern ist in anderen europäischen Ländern wohl noch eindeutiger. So zeigte sich laut Erhebungen des Unternehmens in Großbritannien, dass dort die Foodservice-Industrie im ersten Quartal 2025 besonders unter Druck stand, allerdings nicht der Bereich Snacking. Vor allem an Nachmittagen und an Abenden erreichte das Snacking dort nämlich zweistellige Wachstumsraten von 13 bis 14 Prozent, während traditionelle Essens-Angebote stagnierten.
Unter jungen Erwachsenen in Deutschland wuchs der Foodservice-Markt im Gesamtjahr 2024 laut Circana um zwei Prozent bei den Verbraucherausgaben. Allerdings habe es auch einen signifikanten Rückgang der Gästebesuche um zwei Prozent gegeben. Dieser sei hauptsächlich durch Preiserhöhungen aufgrund der Mehrwertsteuererhöhung im Januar 2024 verursacht worden. Daher seien aber in der Gesamtrechnung die Ausgaben pro Besuch um fünf Prozent gestiegen. „Mit Beginn des Jahres 2025 war dieser Effekt vorbei, und moderatere Preiserhöhungen führten zu einer stabileren Performance der deutschen Restaurantbranche“, kommentiert Jochen Pinsker, Senior Vice President und Industry Advisor Foodservice bei Cirnana, die Situation.
Frühstück bringt Wachstum
Hier zu Lande blieb im ersten Quartal laut Circana das Frühstück der Foodservice-Wachstumstreiber. Keine schlechte Voraussetzung beispielsweise für Tankstellen, die in Sachen Besucher dann auch oft einen Peak haben. Diese Tageszeit ermöglicht bereits 2,6 Milliarden gastronomische Gelegenheiten im Land. „Das ist nicht nur ein vorübergehender Trend“, sind die Marktforscher überzeugt, denn schon vor der Pandemie sei diese Tageszeit ein wichtiges Wachstumsfeld gewesen, „angetrieben durch soziale Veränderungen wie dem Anstieg von Ein-Personen-Haushalten und der zunehmenden Anzahl von Frauen in Vollzeitbeschäftigung“. Dabei sei allerdings ein Wandel bei Lebensmitteln und Getränken zu verzeichnen, die die Gäste wählten: „Die wichtigsten Produkte für das Frühstück außer Haus bleiben heiße Getränke und Sandwiches, obwohl beide im Rückgang sind. Diese werden durch alkoholfreie Getränke, Backwaren und gesunde Frühstücksoptionen ersetzt“, sagt Circana. In Bezug auf Getränke seien Energydrinks besonders bemerkenswert, weil sie, insbesondere bei Teenagern und jungen Erwachsenen, zunehmend Kaffeegetränke ersetzen. Ein weiteres Detail: im Segment der Backwaren verzeichnen Brezeln überdurchschnittliches Wachstum. „Müsli und Cerealien verzeichneten ein zweistelliges Wachstum, was die wachsende Vorliebe der Verbraucher für gesündere Optionen widerspiegelt“, sagt dazu Jochen Pinsker.
Chancen richtig nutzen
In Bezug auf den Europäischen Foodservice insgesamt ist der bei Circana auch für Europa zuständige Edurne Uranga, Vice President Foodservice, überzeugt: „Die Branche wird wettbewerbsfähiger. Es gibt jedoch gemeinsame Wachstumsfaktoren, die in Europa beobachtet werden und dazu beitragen, den Besucher-Engpass teilweise auszugleichen und künftige Wachstumschancen für diejenigen zu schaffen, die davon profitieren.“ Zu den Wachstumsbereichen gehören dabei Click & Collect sowie digital initiierte Food-Lieferservices, Essens-Anlässe am Abend, die den Markt übertrafen und europaweit um ein Prozent anstiegen sowie mit Promotion verbundene Essens-Anlässe, die 2024 in Europa bereits 42 Prozent aller Gastronomie-Besuche betrafen und um zwei Prozent wuchsen. Von der zunehmenden Rückkehr der Europäer in ihre Büros, die ebenfalls für ein leichtes Umsatz-Wachstum in Betriebskantinen und Schulkantinen sorgte, können natürlich nur Convenience Shops aller Art mit dazu passenden Standorten profitieren. Und der gesamte Foodservice-Trend bezieht sich nicht nur auf Europa. Convenience-Player, Fachzeitschriften und Online Portale berichten inzwischen weltweit über diese Transformation.
7-Eleven goes Gastro
Es ist wohl deshalb auch kein Zufall, dass Convenience-Riese 7-Eleven kürzlich gegenüber dem australische Fachmagazin „Inside FMCG“ mitteilte, man setze verstärkt auf ein neues Ladenkonzept mit einem erweiterten Gastronomieangebot. Und die gerade angekündigte Expansion des Unternehmens in den USA, die zur Eröffnung von etwa 1.300 neuen C-Stores der Marke führen soll, begründete, laut dem Fachmagazin, Stephen Hayes Dacus, CEO der 7&I Holdings, so: „In den USA müssen wir uns steigern, da viele unserer kleineren Wettbewerber sich verstärkt auf das Thema Gastronomie konzentrieren und dies erfolgreich umsetzen.“ Auch die Plattform C-Store Dive in den USA berichtete kürzlich, dass C-Store-Händler aller Größen 2024 ihre entsprechenden Programme für „Fresh-Food“ vorgestellt oder ausgebaut hätten, ob 7-Eleven, Circle K oder EG America und GPM Investments (Arco), die alle aktiv daran teilnehmen würden.
McLane ist aktiv geworden
Kein Wunder also, dass McLane Company, einer der größten Convenience-Großhändler in den USA im Juli 2025 die Einführung seines nationalen so genannten Kommissions-Programms bekannt gegeben hat, einer Erweiterung seiner McLane Fresh-Programme. Damit will man wohl sicherstellen, dass die Foodservice-Umsätze nicht nur an den entsprechenden Theken in den Shops gemacht werden, sondern auch der „Grab and go“-Bereich aus den Kühltheken und -Vitrinen in den C-Stores entsprechend profitiert.
Central Eats, ein Teil von McLane Fresh, bietet Einzelhändlern hochwertige, vorverpackte, zum Mitnehmen geeignete kalte Produkte wie Sandwiches, Slider, Salate und Obstbecher mit einer branchenführenden Haltbarkeit von sieben Tagen und ohne künstliche Zusätze an. Die Produkte werden über das landesweite Kommissar-Netzwerk zubereitet, das eine konsistente Qualität und eine sichere Lieferung über die firmeneigene Kältekettenlogistik von McLane gewährleisten soll. Das kommt bei den Mineralölgesellschaften offenbar gut an. „EG America erkennt an, dass die Erweiterung unseres Lebensmittelangebots eine Gelegenheit darstellt, mehr hochwertige To-go-Artikel anzubieten. Die Teilnahme am National Commissary-Programm von McLane hat uns genau das ermöglicht,“ sagte Brian Ferguson, Chief Marketing Officer und Senior Vice President von EG America, laut dem Großhändler. Dieser ist überzeugt: „Die frischen, nie gefrorenen Produkte und hochwertigen Zutaten von Central Eats passen perfekt zu unserem Engagement für Qualität und Bequemlichkeit. Dieses Programm hilft uns, unsere Foodservice-Strategie zu verbessern und das Wachstum in unseren Geschäften voranzutreiben.“ Diese Initiative für Foodservice-Angebote aus den Kühlregalen ist verständlich, denn im vergangenen Jahr haben zahlreiche Convenience-Stores neue QSR (Quick-Service-Restaurant)-Konzepte eröffnet, so beispielsweise Casey’s General Stores, Wawa, Sheetz, Onvo, und Schmitz Sunoco, um nur einige der relevanten Player zu nennen. Dabei ist es offenbar ein Trend, neben den bekannten Marken auch kleineren unbekannteren QSRs eine Chance zu geben, wohl um sich vom Wettbewerb abzuheben und seinen Kunden etwas Besonderes bieten zu können.
Gastro-Wachstum in den USA
Laut dem US Convenience-Verband NACS sagt der Branchenbericht 2025 von Marktforscher Datassential für die Foodservice-Branche in den USA für 2025 ein reales Wachstum von einem Prozent voraus. Betrachtet nach Segmenten, wird ein Großteil davon, 323,7 Milliarden US-Dollar, voraussichtlich im Fast-Food-Bereich ausgegeben. Datassential empfiehlt, dass Betreiber weiterhin „innovativ sein und Erfahrungen sowie einzigartige Angebote nutzen sollten, um die Gewinnspanne nicht zu verlieren und die Gäste weiterhin ins Haus zu bekommen“. Der Bericht stellte zudem fest, dass das Wachstum der Marken voraussichtlich ungleichmäßig sein werde, da „Kunden wählerischer denn je“ seien. Um mit den heutigen Verbrauchern in Kontakt zu treten, seien Betreiber gefordert, die ein starkes Bewusstsein für ihre eigene Identität haben, ihre Nische zu definieren und sich auf das zu konzentrieren, was sie am besten könnten, um Authentizität zu fördern. Das sind Forderungen, die auch für die C-Gastronomie in Deutschland Sinn machen.