Die Diskussion um eine Erhöhung der Alkoholsteuer auf Spirituosen gewinnt an Fahrt. Sollte die von der Bundesregierung geplante Anhebung der Steuer um 20 Prozent zu Anfang Januar 2027 umgesetzt werden, würde sie nicht nur klassische Spirituosen treffen, sondern auch Ready-to-Drink-Produkte, die so genannten RTDs, Alkopops sowie bestimmte Schaum- und Likörweine. Für die Convenience Stores hätte das unmittelbare Auswirkungen auf Preise, Sortimente und Wettbewerbsstrukturen. Gleichzeitig entwickelt sich der RTD-Markt weiterhin dynamisch und bleibt einer der wichtigsten Wachstumstreiber im Spirituosensegment.
Aus Sicht des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International (BWSI) ist eine höhere Alkoholsteuer weder fiskalisch noch wirtschaftspolitisch überzeugend. Der Verband bezweifelt, dass der Staat langfristig tatsächlich höhere Einnahmen erzielen würde. Grund dafür sei das veränderte Konsumverhalten. Steigende Preise führten erfahrungsgemäß dazu, dass Verbraucher weniger kaufen oder auf andere Getränke ausweichen. Dadurch sinken die versteuerten Absatzmengen deutlich. „Eine Steuererhöhung auf Spirituosen ist kein verlässliches Instrument zur Haushaltskonsolidierung. Wer auf Mehreinnahmen setzt, muss auch berücksichtigen, dass sich Konsumverhalten anpasst. Das untergräbt die Kalkulation des Ministeriums und bringt negative Konsequenzen für die Wirtschaft mit sich“, sagt Dr. Alexander Tacer, Geschäftsführer des BWSI zu diesem Thema. Die Modellrechnung des Verbandes verdeutlicht diesen Effekt. Während die Einnahmen aus der Alkoholsteuer zunächst leicht steigen würden, gehen gleichzeitig die Mehrwertsteuer-Einnahmen aufgrund sinkender Absatzmengen zurück. Ab 2029 würden die gesamten Steuereinnahmen aus Alkoholsteuer und Mehrwertsteuer nach der Berechnung sogar wieder sinken. Demnach würde die versteuerte Menge von derzeit rund 149 Millionen Litern Reinalkohol bis 2029 auf etwa 80 Millionen Liter zurückgehen.
Gastronomie als zusätzlicher Verlierer
Besonders kritisch bewertet der Verband die Auswirkungen auf die getränkegeprägte Gastronomie. Bars, Clubs und Kneipen kämpften bereits seit Jahren mit steigenden Energie-, Personal- und Beschaffungskosten. Weitere Preissteigerungen könnten die Nachfrage zusätzlich dämpfen und Investitionen erschweren. Maren Meyer, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Barkeeper-Union, warnt: „Gerade jetzt braucht die Branche Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen. Zusätzliche steuerliche Belastungen treffen vor allem diejenigen Betriebe, die ohnehin unter hohem wirtschaftlichem Druck stehen." Nach Angaben des BWSI stehen rund 225.000 Arbeitsplätze und ein Jahresumsatz von knapp zehn Milliarden Euro in diesem Teil der Gastronomie auf dem Spiel.
Auch eine von EY-Parthenon für die „Cocktail.Kultur.Gesellschaft“ erstellte Studie weist darauf hin, dass Bars, Kneipen und Clubs weit mehr als reine Gastronomiebetriebe seien. Sie seien soziale Treffpunkte und wichtige Frequenzbringer für Innenstädte. Der BWSI sieht zudem einen politischen Widerspruch. Einerseits werde die Gastronomie durch steuerliche Maßnahmen entlastet, andererseits würden wichtige Produktgruppen künftig stärker belastet. Auch gesundheitspolitisch hält der Verband den Ansatz für wenig überzeugend. Der Alkoholkonsum sei seit Jahren rückläufig. Gleichzeitig hätten Präventionsmaßnahmen und Jugendschutz an Bedeutung gewonnen. „Wer verantwortungsvollen Konsum stärken will, sollte auf gezielte Prävention und Aufklärung setzen statt auf pauschale Steuererhöhungen, die weder differenzieren noch nachweislich wirksam sind“, betont der BSWI-Geschäftsführer.
RTDs gehören zu den Hauptbetroffenen
Für die meisten Convenience Stores ist besonders relevant, dass die geplante Steuererhöhung Spirituosen-RTDs überdurchschnittlich stark treffen. Eine typische 330-Milliliter-Dose mit zehn Volumenprozent Alkohol enthält rund 0,033 Liter Reinalkohol. Durch die geplante Anhebung der Alkoholsteuer würde die Steuerbelastung pro Dose um etwa acht bis neun Cent steigen. Einschließlich Mehrwertsteuer sowie möglicher Aufschläge entlang der Wertschöpfungskette, dürfte sich der wahrscheinliche Ladenpreis vieler Produkte um zehn bis zwanzig Cent erhöhen. Premiumprodukte könnten noch stärker betroffen sein. Damit verschieben sich auch die Wettbewerbsverhältnisse. Während Spirituosenmischgetränke wie Vodka Lemon, Gin Tonic, Whisky Cola oder Rum Cola teurer würden, blieben Biermischgetränke weitgehend unbeeinflusst. Auch weinbasierte Spritz-Produkte könnten preislich attraktiver werden.
Für Händler bedeutet das, Sortiment und Preisstrategie frühzeitig anzupassen. Gleichzeitig könnten Eigenmarken Marktanteile gewinnen, während Premiumprodukte aufgrund ihrer geringeren Preissensibilität stabiler bleiben dürften. Auch Hersteller werden voraussichtlich reagieren. Unterschiedliche Möglichkeiten stehen im Raum, etwa mit kleineren Gebinden, alkoholärmeren Rezepturen oder neuen Produktkonzepten.
Wachstum bleibt intakt
Trotz der politischen Diskussion bleibt der RTD-Markt einer der dynamischsten Bereiche innerhalb der Spirituosenkategorie. Nach Angaben von Hardenberg-Wilthen wächst das RTD-Segment aktuell um 7,1 Prozent und stellt mit rund 20 Prozent Marktanteil die absatzstärkste Kategorie im Spirituosenmarkt dar. Auch andere Hersteller sehen Innovationen als entscheidenden Wachstumstreiber. Brown-Forman verweist darauf, dass inzwischen mehr als zwei Drittel des Wachstums der Kategorie durch Produktneuheiten generiert werden. Besonders gefragt sind fruchtige Geschmacksprofile sowie sogenannte Non-Cola-RTDs.