Spirituosen Zwischen Genuss und Gesundheit

Der Absatz von Spirituosen ist rückläufig. Auch deswegen kommen viele Neuprodukte auf den Markt. Grundsätzlich aber sieht die Mehrheit hier zu Lande die Alkoholkultur positiv.

Samstag, 19. Juli 2025, 21:17 Uhr
Artikelbild Zwischen Genuss und Gesundheit
Bildquelle: Brown Foreman

Wie eine Vielzahl anderer Lebensmittel auch, die vermeintlich beispielsweise zu viel Fett oder Zucker enthalten, steht die Kategorie der Spirituosen vor vielen aktuellen Herausforderungen. So gibt es auf der einen Seite eine zunehmende Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten und Konsumentinnen, auf der anderen Seite steigende Kosten, die es der Spirituosenindustrie nicht einfach machen, Wachstum zu generieren. Dies wird auch im Bereich der Innovationen sichtbar. Gerade deshalb steigt der Druck für die Unternehmen, sich im Markt zu präsentieren, was zu einem spürbaren Schub an Neuprodukten führt. Dabei spielen vermehrt auch alkoholreduzierte und alkoholfreie Produkte eine Rolle, wenngleich sich diese Neuheitengruppe derzeit noch auf verhältnismäßig niedrigem Niveau befindet. Entsprechende Innovationen treffen den aktuellen Zeitgeist, verbunden mit dem Wunsch, gerade jüngerer Verbraucherinnen und Verbraucher, weniger und bewusster Spirituosen zu konsumieren.

Mediale Debatte um Gesundheit

Gerade auf diese Aspekt geht eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Marktforschers Civey unter anderem im Auftrag des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International, BWSI, ein. Sie thematisiert die medialen Debatte um gesundheitsverträglichen Konsum alkoholischer Getränke und fragt die Menschen, wie sie selbst über dieses Thema denken.

Eine Mehrheit der Menschen in Deutschland sieht in Sekt, Wein und Spirituosen sowie deren Herstellung ein deutsches Kulturgut, so die Studie. Die Zustimmung zu dieser Aussage sei über die Altersgruppen und Geschlechter gleichmäßig hoch. Die Wahrnehmung in der deutschen Bevölkerung deckt sich bei dieser Einschätzung mit der Bewertung der UNESCO-Kommission: Nachdem die deutsche Weinkultur – als „offene, lebendige und wandlungsfähige Tradition, die gesellschaftlich stark verankert ist“ – bereits zum immateriellen UNESCO-Kulturerbe gehört, wurde dieser Status in diesem Jahr auch der handwerklichen Kunst der Destillation zuerkannt.

Darüber hinaus sehen die meisten Befragten alkoholische Getränke zugleich als Genussgut und als bereichernden Teil ihrer persönlichen, geselligen Genusskultur: 60 Prozent stoßen bei Feiern und Festen mit ihnen an, jeder zweite beim gemeinsamen Genuss mit Freunden und Familie und immerhin mehr als 40 Prozent schätzen sie als Begleitung zum Essen. Zudem ist das gastronomische Angebot an alkoholischen Getränken für diejenigen, die sie konsumieren, ein wichtiger Teil des Erlebnisses. Jeder Dritte genießt alkoholische Getränke am liebsten beim Ausgehen in Clubs und Bars. Bemerkenswert ist hierbei, dass dieser Verzehrkontext in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren deutlich am stärksten genannt wird – die jüngste Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren liegt hingegen im Durchschnitt.

Ein Zehntel will Konsumverzicht

Im Spannungsfeld zwischen Genuss, Gesundheitsbewusstsein und gesellschaftlichen Trends sprechen sich fast 70 Prozent der Befragten insgesamt für einen verantwortungsvollen und dosierten Genuss von Spirituosen und anderen alkoholischen Getränken aus. 42 Prozent finden, dass diese „in Maßen konsumiert“ werden sollten. Jedoch nur zehn Prozent der Befragten befürworten einen grundsätzlichen Konsumverzicht. Dieser Anteil bestätigt sich auch, so die Autoren der Studie, selbst wenn man diejenigen einschließt, die ganz auf alkoholische Getränke verzichten.

Für eine Mehrheit der Menschen, die alkoholische Getränke konsumieren, etwa 60 Prozent, ist es laut Umfrage inzwischen selbstverständlich, aus gesundheitlichen Gründen beim Genuss von alkoholischen Getränken verstärkt auf eine moderate Menge zu achten. Für viele Verbraucher und Verbraucherinnen sind laut Befragung in gewissen Situationen Nüchternheit und alkoholfreie oder alkoholreduzierte Getränkealternativen bereits fester Bestandteil ihrer Konsumgewohnheiten. Dabei sehen sich fast zwei Drittel der Konsumenten alkoholischer Getränke in ihrem Konsumverhalten selbstbestimmt und nicht von Trends beeinflusst.

Pro-Kopf-Verbrauch geht leicht zurück

Die Zurückhaltung beim Genuss alkoholische Getränke spiegelt sich ebenfalls in der Entwicklung des Spirituosen-Marktes im vergangenen Jahr, auch wenn dieser kein einheitliches Bild ergibt. Es zeigte sich ein mengenmäßiger Rückgang im gesamten Handel, der nach Angaben des Marktforschers Nielsen IQ bei rund 2,4 Prozent lag. Dieser Verlust war verbunden mit einem Umsatzminus von 1,3 Prozent. Auch andere Distributionskanäle wie die Gastronomie zeigten sich 2024 leicht rückläufig. Der Pro-Kopf-Konsum von Spirituosen ging um 0,1 Liter beziehungsweise um zwei Prozent auf fünf Liter zurück. 63 Prozent aller Haushalte hier zu Lande kaufte mindestens einmal im Jahr Spirituosen.