Gen Z als Mitarbeitende Auf der Suche nach der Work-Life-Balance, Tei 4

Bisher hat sich unsere Serie vor allem mit den Mitgliedern der Generation Z als Kunden beschäftigt. Wichtig ist aber auch, was beim Thema Mitarbeitende aus der Gen Z zu beachten ist. Auch dazu sind in der letzten Zeit einige umfangreiche Studien erschienen.

Mittwoch, 29. Oktober 2025, 19:11 Uhr
Artikelbild Auf der Suche nach der Work-Life-Balance, Tei 4
Bildquelle: Bumble

Zu diesem Thema betont der  Mitte Juli 2025 vorgelegte „Deloitte Gen Z and Millennial Survey 2025“, dass die Generation Z (etwa zwischen 20 und 30 Jahren alt)  größeren Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance als auf das Erreichen von Führungspositionen lege. Nur sechs Prozent von ihnen gäben an, das Ziel einer Führungsposition zu verfolgen. Dennoch seien sie zielstrebig und legten Wert auf Arbeitsplätze, die Weiterentwicklung und berufliche Aufstiegsmöglichkeiten böten. Eine Mehrheit entwickele regelmäßig neue Fähigkeiten, wobei Soft Skills, Zeitmanagement und branchenspezifisches Wissen als besonders wichtig erachtet werden. Beide Generationen wünschen sich von ihren Führungskräften mehr Inspiration, Unterstützung und Mentoring. Darüber hinaus bewertet mehr als die Hälfte der Gen Z (54 Prozent ) die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit als sehr wichtig bei der Wahl eines Arbeitgebers.

Aktiv mit neuer Technik

Sehr aktiv sind die Angehörigen dieser Generation in Sachen neuer Technik . So nutzt die Mehrheit der Gen Z  (57 Prozent) die Generative KI (GenAI) bereits im Arbeitsalltag für Aufgaben wie Datenanalyse, kreative Arbeit, Projektmanagement und Strategieentwicklung. „Sie sehen die Technologie positiv, da sie die Arbeitsqualität verbessert, Zeit für strategische Aufgaben schafft und die Work-Life-Balance fördert“, sagt das Deloitte Survey.  Währenddessen hat Freshworks, Entwickler von digitalen Tools für Unternehmen, kürzlich daran erinnert, dass die Generation X, obwohl sie nicht als Digital Natives aufgewachsen ist, wie die Gen Z, beispielsweise in der KI-Adaption nicht nur auf Augenhöhe, sondern oft sogar einen Schritt voraus sei. Sie treibe die KI-Transformation sowohl in ihren Unternehmen als auch für ihre persönliche Karriere aktiv voran. Ein Bereich, in dem die Gen Z jedoch weiterhin führe, sei die Nutzung ihres KI-Wissens für Karrieresprünge: 35 Prozent der Gen Z-Mitarbeiter hätten dadurch eine Beförderung oder Gehaltserhöhung erhalten, während dies nur bei 31 Prozent der Gen X  der Fall sei. Unternehmen müssten diese Dynamik erkennen und verstärkt eine People-First-Strategie verfolgen, ist Freshworks überzeugt.

Jobverlust befürchtet

Befürchtungen in Sachen Arbeitsplatz  sieht der Deloitte Survey bei der Gen Z und einen erschwerten Einstieg für junge Menschen in den Arbeitsmarkt. Um vorbereitet zu sein, legten sie großen Wert auf Schulungen und die Entwicklung sowohl technischer als auch wichtiger Soft Skills wie Empathie und Führung. Den Zusammenhang zwischen Arbeitsplatz und Gesundheit stellt der „DAK-Gesundheitsreport 2025: Generation Z in der Arbeitswelt“ her. Die positive Botschaft des Reports: Die Befragung zeigte insgesamt eine hohe Zufriedenheit der Beschäftigten auch der Gen Z mit ihrem Arbeitsplatz. 84 Prozent der befragten Beschäftigten aus dieser Gruppe gaben an mit ihrer Arbeit „voll und ganz“ (26 Prozent) oder „eher“ (58 Prozent) zufrieden zu sein. Allerdings, so stellt die auch DAK fest, habe die Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der eigenen Tätigkeit in den vergangnen 14 Jahren bei den Beschäftigten unter 30 Jahren deutlich abgenommen. Allgemein sind die Unterschiede in den Bewertungen hinsichtlich verschiedener Tätigkeitsaspekte zwischen den Altersgruppen jedoch nur schwach ausgeprägt. Auf die Frage nach wichtigen Aspekten der Arbeit bewerten die jüngeren Beschäftigten unter 30 Jahren ein gutes Arbeitsklima am häufigsten als „sehr wichtig“, an zweiter Stelle folgt eine gute Bezahlung (62 Prozent „sehr wichtig“). Insgesamt zeigen die Befragungsergebnisse laut DAK, dass über alle Altersgruppen hinweg ein breiter Konsens über die Wichtigkeit bestimmter Arbeitsbedingungen bestehe.

Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben

Dies gelte auch für Aspekte, die man zunächst vor allem mit den Ansprüchen junger Beschäftigter an ihre Arbeit verbinde, wie beispielsweise die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Dieser Aspekt ist 61 Prozent der Beschäftigten unter 30 Jahren „sehr wichtig“, während 55 Prozent aller Beschäftigten diesen Aspekt als „sehr wichtig“ sehen. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes und eine unterstützende Führungskraft sind ebenfalls Aspekte, die bei Beschäftigten unter 30 Jahren zu den Top sechs Aspekten unter den als „sehr wichtig“ bewerteten Faktoren zählen. Im Zusammenhang mit Arbeitsplatz und Gesundheit fasst die DAK für die Gen Z zusammen: Die Beschäftigte der Generation Z  seien nach der Pandemie vorsichtiger im Umgang mit Infektionen und ließen sich bei Erkältungssymptomen eher krankschreiben. Die genannten Gründe für Krankmeldungen bestätigten diese Entwicklung hin zu einem sensibleren Umgang: Mehr Beschäftigte unter 30 Jahren meldeten sich krank, um zu verhindern, dass sich ihre Erkrankung verschlimmere. Es habe sich aber auch gezeigt, dass junge Beschäftigte jetzt mehr Angst vor Benachteiligung durch „zu häufiges Krankmelden” hätten.

Depressive Symptomatik

Eine depressive Symptomatik ist laut DAK-Gesundheitsreport 2025 bei den jüngeren Beschäftigten unter 30 verbreiteter als bei Beschäftigten ab 30 Jahre. Im Hinblick auf Belastungen während der Arbeit empfindet weniger als ein Fünftel der Beschäftigten bis 29 Jahren die Arbeit als sehr belastend. Mit zunehmendem Alter steigt die Arbeitsbelastung. Gegenüber 2010 nimmt der Anteil stark durch die Arbeit Belasteter im Alter zwischen 25- bis 29-Jahren ab. Beschäftigte unter 30 Jahren scheinen sich etwas häufiger ohne triftigen Grund krankzumelden als Beschäftigte ab 30 Jahre. Dabei korreliere dieser missbräuchliche Umgang mit Krankmeldungen und das Alter nur schwach miteinander und dieses Phänomen sei kein Massenphänomen bei Beschäftigten unter 30 Jahren, ist die DAK überzeugt. Hinsichtlich der Präferenzen im Job weisen die Ergebnisse laut DAK darauf hin, dass diese deutlich von den unterschiedlichen Lebensphasen geprägt seien. Insgesamt zeigten sich wohl nur geringe Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Generationenkonflikte seien insbesondere für Beschäftigte der Gen Z problematisch. In ihrer Altersgruppe seien diese am weitesten verbreitet und stellten eine hohe Belastung dar. Insgesamt bedürfe es daher einer kritischen betrieblichen Auseinandersetzung mit Stereotypen sowie individueller, innerbetrieblicher Konzepte für einen generationengerechten Umgang miteinander, meint die Krankenkasse.

Generationenbrücke notwendig

Der Vorstandsvorsitzender der DAK Andreas Storm sagt: „Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft, unsere Sozialsysteme und unsere Wirtschaft vor große Herausforderungen. Mit Blick auf die Zukunft dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass vor allem der jungen Generation momentan viel zugemutet wird. Der Generationenvertrag schien viele Jahre selbstverständlich zu sein, heute müssen wir ihn neu verhandeln und die Weichen stellen für eine echte Generationengerechtigkeit… Wir brauchen eine Generationenbrücke.“ Der Buchautor Felix Behm hat für Inhaber oder Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmens einige konkrete Hinweise, wie sie am besten mit GenZlern umgehen sollten. Wichtig sei beispielsweise oft ein positives Feedback zu geben, und zwar auch für Dinge, die aus ihrer Warte selbstverständlich seien, wie regelmäßig pünktlich zur Arbeit zu kommen oder die Bereitschaft zur Teamarbeit und zum Lernen. Zudem sollten Betriebe, die GenZler an sich binden möchten, ihnen  auch Gelegenheiten geben, offen ihre Meinungen, Bedürfnisse und Vorstellungen äußern können. Beziehungsfördernd seien auch Events. „Die Generation Z bietet Ihnen viele Möglichkeiten, Ihr Unternehmen zukunftsfit zu machen – sofern Sie ihr vorurteilsfrei begegnen und ihre Interessen ernst nehmen. Dies sollten Sie tun, denn: Die jungen Mitarbeiter sind die Zukunft Ihres Unternehmens – nicht nur aufgrund des akuten Fachkräftemangels“, betont Behm, der das Buch „Generation Z – Ganz anders als gedacht: Wie sie tickt, wie sie handelt und wie wir ihr Potenzial erschließen“ veröffentlichte.