Gen Z als Gründerinnen und Gründer Die Generationen im Blick, Teil 5

Wir haben uns in unserer diesjährigen Serie zum Thema Gen Z bisher mit dieser Generation als Kundenzielgruppe und auch als Mitarbeitende beschäftigt. Zum Abschluss der Serie werfen wir einen Blick darauf, wie sich Gen-Z-ler derzeit als Unternehmende verhalten.

Montag, 08. Dezember 2025, 06:28 Uhr
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Dabei ist es verwunderlich, angesichts der offensichtlichen Bedeutung der Thematik, wie wenig handfeste Informationen es zu der Zahl der Gründer aus der Gen Z gibt. Das hatten kürzlich auch die „Startup Valley News“ betont:  „Auch in Deutschland fehlen belastbare Zahlen zur Gründungsaktivität von unter 25-Jährigen. Viele Studien erfassen nur Millennials oder aggregieren Altersgruppen“, beklagte die Fachzeitschrift. Jenseits von Social Media, so die Startup Valley News weiter, liege außerdem „das weltweite Durchschnittsalter von Gründer:innen laut Studien bei rund 50 Jahren. Erfolgsgeschichten à la Zuckerberg und Jobs sind beeindruckend, aber statistische Ausreißer. Fakt ist: Die Mehrheit der Gründer:innen ist deutlich älter als die Generation Z.“

Mehr Potenzial vorhanden

Und dennoch sollten all jene, die sich mit Gründern beschäftigen, die Gen Z nicht vernachlässigen, denn „in der jungen Generation steckt Potenzial für mehr Gründungsaktivität in Deutschland“, betont auch GenNow, eine Initiative der Bertelsmann Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat: „junge Menschen zwischen 16 und 30 Jahren zu empowern, sich aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft zu beteiligen“. Laut ihrer Studie „Global Entrepreneurship Monitor 2023“, auf Basis einer Umfrage von 14- bis 25-Jährigen, ist es für 40 Prozent der jungen Menschen in Deutschland vorstellbar, ein Unternehmen zu gründen. Während bereits elf Prozent eine Gründung schon fest einplanen, seien sich 29 Prozent noch nicht ganz sicher. Ein Drittel der Befragten könne sich eine Rolle als Gründer und Gründerin momentan zwar eher nicht vorstellen, schließe die Möglichkeit aber auch nicht aus. Rund ein Viertel habe angegeben, dass die Gründung eines Unternehmens für sie keine Option darstelle, so GenNow weiter.

Zutrauen in eigene Kompetenzen

Bei den Befragten, die sich nicht vorstellen können, zu gründen, begründete das laut Global Entrepreneurship Monitor 2023, „jeder Vierte mit fehlendem Zutrauen in die eigenen Kompetenzen und mit eigener Unsicherheit. Jeder Fünfte zweifelt daran, über das nötige Wissen zu verfügen. Etwa jeder Sechste sorgt sich darum, dem mit einer Gründung einhergehenden Stress nicht gewachsen zu sein. Mangelndes Kapital oder fehlende Geschäftspartner:innen sind für die Befragten allerdings weniger wichtig.“

Wie die Daten gezeigt hätten, sei die Gründungsbereitschaft je nach Geschlecht, Wohnort und Alter unterschiedlich ausgeprägt. Männliche Jugendliche planten den Weg als Unternehmer eher ein als weibliche Jugendliche (14 Prozent gegenüber neun Prozent). Bei Befragten aus Großstädten sei das Interesse an einer Gründung höher als bei denjenigen, die in Orten mit maximal 5.000 Einwohnern lebten. Ältere Befragte in diesem Panel schlössen allerdings eine Gründung häufiger aus als jüngere, so die Studienergebnisse weiter. Was daraus folgt, dass laut Global Entrepreneurship Monitor in Deutschland nur knapp jeder Sechste zwischen 18 und 24 Jahren ein Unternehmen gründet, ist für Tobias Bürger vom GenNow-Team, ganz klar: „Das Potenzial für junges Unternehmertum in Deutschland wird noch zu selten gehoben. Deswegen müssen wir die Hürden besser erkennen und abbauen, die junge Menschen am Gründen hindern.“

Weiterbildung und Netzwerken

Was also tun, um die Vertreter der Gen Z, deren gründungsrelevanten Eigenschaften oft als digital und technikaffin, sinngetrieben, unabhängig und flexibel, kollaborativ und vernetzt sowie risikobereit und pragmatisch beschrieben werden, richtig zu unterstützen? Im Grund konzentriert sich die Antwort der vielen Organisationen, die sich bundesweit inzwischen dafür engagieren, auf zwei Bereiche: Weiterbildung und Netzwerken. So betonen beispielsweise Die Jungen Unternehmen (BJU), die einen eigenen „Klub der Gründer“ haben:  „Wir vertreten unabhängig von Brancheninteressen die Interessen der jungen Unternehmergeneration und beziehen dabei klar Position. Unser Motto: #JungUndMutig. Unser Ziel: Bessere Rahmenbedingungen für junges, innovatives Unternehmertum“, und ergänzt: „Wer den Austausch zwischen Unternehmern sucht, ist bei uns goldrichtig. In unseren Regionalkreisen und Landesbereichen bringen wir Unternehmer zum Austausch, zu politischen Runden und Fachveranstaltungen zusammen.“

Unternehmen sind aktiv

Von der so genannten „Enkelfähigkeit-Akademie“, bei der es wohl mehr um das Thema Nachfolge geht, werden beispielsweise „Beratungsservices, ein Business Ecosystem mit regelmäßigen Events zum Austausch und Networking sowie White-Label-Lösungen“, mit denen (Familien-) Unternehmen und all deren Mitarbeitende, Führungskräfte, Managerinnen, Geschäftsführende, Gesellschafter, Gremienmitglieder, aber auch Beraterinnen, auf dem Weg zur Enkelfähigkeit  begleitet werden sollen, angeboten. Dabei sind hier beispielsweise auch Unternehmen wie Teekanne, Rügenwalder Mühle und Neumarkter Lammsbräu.

Für ein besseres Morgen

Bei Startups for Tomorrow  (SFT) sind Unternehmen vereint, die sich mit „innovativen Produkten oder umweltbewussten Alternativen für ein besseres Morgen“ einsetzen wollen. Sie veranstalten unter anderem Festivals und Roadshows. Hier sind beispielsweise Recup, Djon und Greenforce mit dabei und Unternehmen wie Gustavo Gusto, Viva con Aqua, Followfood und Mymüsli teilen bei Veranstaltungen ihre Erkenntnisse. Eine Übersicht aller möglichen Förderungs-Maßnahmen und Stellen gab bereits der „Young Founders Monitor 2024“ der Bertelsmann-Stiftung. So nannte dieser das „EXIST-Gründungsstipendium“, das Gründungsstipendium.NRW, den Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit, die Innovationsstarter Programme der Hansestadt Hamburg, den Gründungsbonus Berlin oder das Push-Stipendium in Hessen. Allerdings: „An Beispielen für spezifische finanzielle Unterstützungsmaßnahmen für junge Menschen mangelt es“, bedauert die Stiftung.

Förderung und Vernetzung

In Sachen Wagniskapital wurden hier, jenseits professioneller Investoren, genannt: der Zukunftsfonds des Bundes, das Programm INVEST – Zuschuss für Wagniskapital der „High-Tech-Gründerfonds (HTGF), und „KfW Capital“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Zur Förderung der Vernetzung und Weiterbildung von jungen Gründern nennt die Bertelsmann Stiftung schließlich beispielsweise das „Young Founders Network“ (YFN), Jugend Gründet und Startup Teens. Dazu kämen Förderprogramme wie das „German-Accelerator-Programm“, das „Körber-Start-Hub“, „Berlin Partner“, „Start-up BW“ oder die Förderprogramme von „IW Junior“. Außerdem  erwähnt werden Mentoringprogramme wie beispielsweise „EXIST Business Coaching“ die „Gründungswerkstatt Deutschland“, „Enpact“, „MentorMe“ und „Munich Startup“. All das zeigt natürlich auch: Unternehmertum ist gerade für die Gen Z eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die auch viele Aktivitäten weit jenseits des eigentlichen Unternehmensziel erfordert. Dafür ist vor allem auch gute Organisation und Durchhaltevermögen bei jungen Unternehmerinnen und Unternehmern notwendig.

Und natürlich ist es vor allem für die älteren Generationen  von besonderer Bedeutung, sich intensiv mit den von uns in fünf Teilen beschriebenen besonderen Haltungen und Herausforderungen der Gen Z zu beschäftigen. Und man kann nur hoffen, dass die Existenz dieser vielfältig fundierten Informationen dazu beiträgt, für die zahlreichen Probleme zwischen den Generationen, die es in dieser oder anderer Form wohl immer schon gegeben hat, sachgerechte Lösungen zu finden.