„Es war eine tolle Zeit, die ich sehr genossen habe.“ Mit diesen Worten blickt Patrick Steppe auf seine vergangenen Jahre als Lekkerland-CEO zurück. Er verabschiedet sich zum Jahresende aus dem Vorstand und wechselt in den Aufsichtsrat. Im Interview mit Convenience Shop schaut er auf die wichtigsten Ereignisse der zurückliegenden Jahre und wagt eine Prognose für die Zukunft. Seine Zeit will er ab dem kommenden Jahr vor allem mit der Familie verbringen und sein Golfspiel verbessern.
Angekündigt wurde der Führungswechsel schon Mitte des Jahres, nun wird er vollzogen und umgesetzt: Der bisherige Vorstandsvorsitzende des Großhändlers Lekkerland, Patrick Steppe, verlässt das Unternehmen zum Jahresende. Sein Nachfolger wird Anfang Januar 2026 der derzeitige Chief Operating Officer Hilmar Hübers. Steppe stand mehr als neun Jahre an der Spitze des Unternehmens, zu dessen Kunden führende Tankstellen-Gesellschaften, beispielsweise Aral, Esso und auch Shell, gehören, aber auch Travel Retailer und Kioske. Mit dem Führungswechsel stellt Lekkerland auch den Vorstand neu auf. Mit dem Beginn des neuen Jahres sind die Zuständigkeiten wie folgt aufgeteilt: Philipp Pauly übernimmt als Vertriebsvorstand und Chief Sales Officer die Verantwortung für den Verkauf. Dirk Klein-Hietpas wird als Logistikvorstand mit dem Titel Chief Supply Chain Officer für die Lieferkette zuständig. Nils Klüssendorf verantwortet als Finanzvorstand und Chief Financial Officer die Bereiche Finanzen und Recht und Ulf Adebahr steuert als Technologievorstand mit der Funktion eines Chief Information Officer die Bereiche IT und Digitalisierung. Der neue Vorstandschef Hübers arbeitet seit 2020 in der Unternehmensführung von Lekkerland. Zuvor war er seit 2011 in verschiedenen Funktionen für die Rewe Group tätig. Auch Vertriebsmanager und Senior Vice President National Sales Jürgen Stolz wird sich Mitte 2026 in den Ruhestand verabschieden. Seine Aufgaben übernimmt dann zusätzlich der neue Vertriebsvorstand Pauly.
Steppe wechselt Anfang kommenden Jahres in den Aufsichtsrat von Lekkerland. Während seiner Zeit als CEO wurde Lekkerland Teil der Rewe Group. Auch die schwierige Phase während der Covid-Pandemie mit mehreren Lockdowns und Kontaktbeschränkungen hatte er zu bewältigen. Lionel Souque, der Vorstandsvorsitzende der Rewe Group, würdigte Steppe als Macher. Er habe Lekkerland zu einem führender Player im Bereich Convenience und Unterwegskonsum gemacht. Convenience Shop stellte Steppe einige Fragen im Blick auf seine Zeit bei Lekkerland und seinen Zukunftspläne.
Convenience Shop: Herr Steppe, was hat Sie bewogen, zum Ende des Jahres als CEO bei Lekkerland auszuscheiden?
Patrick Steppe: Diese Entscheidung habe ich vor längerer Zeit getroffen. Ich mag meinen Job sehr, aber ich habe mein Familien- und Privatleben oft zurückstellen müssen. Mein Plan war es immer, die Position abzugeben, solange ich noch relativ jung und voller Energie bin. Ich möchte mehr Zeit für meine Familie und mich selbst haben, neue Dinge lernen, mehr Sport treiben und versuchen, ein ordentliches Golf-Handicap zu erreichen.
CS: Ist denn Ende des Jahres 2025 der richtige Zeitpunkt Lekkerland zu verlassen?
Steppe: Ja. Die Zukunftsaussichten von Lekkerland sind sehr gut. Nicht nur, weil wir Teil der Rewe Group sind, eines der größten Einzelhandelsunternehmen in Europa. Und damit einen Anteilseigner haben, der bereit ist, in Lekkerland zu investieren. Sondern auch, weil wir schon vor einiger Zeit begonnen haben, uns aktiv für die Zukunft aufzustellen und die Transformation unserer Branche mitzugestalten. Zum Beispiel mit dem Convenience-Format Rewe Express, das derzeit an Tankstellen der Marke Esso ausgerollt wird, und mit der kontinuierlichen Weiterentwicklung von ReweTo go an Aral Tankstellen. Wir bauen neue Logistikzentren und gestalten damit unser Netzwerk der Zukunft. Wir arbeiten eng mit unseren Kunden zusammen und investieren massiv darin, Tankstellen für Endverbraucher attraktiver zu machen. Zugleich haben wir in den vergangenen Jahren Verträge mit großen Kunden verlängert und neue Kunden gewonnen. Und nicht zuletzt stellen wir unser Geschäft breiter auf, etwa mit eigenen Rewe To go und Smart Stores.
CS: Sie wechseln zu Anfang des kommenden Jahres in den Aufsichtsrat. Wie schauen Sie auf Ihre Nachfolger im Vorstand?
Steppe: Ich wechsle mit einem guten Gefühl in den Aufsichtsrat, weil ich Lekkerland in guten Händen weiß. Die meisten der künftigen Vorstände sind seit sechs Jahren im Amt. Dazu gehören mein Nachfolger und heutiger Vorstandskollege Hilmar Hübers und der künftige Vertriebsvorstand Philipp Pauly. Mit beiden habe ich in den vergangenen Jahren eng zusammengearbeitet habe. Sie sind bereit, künftig noch mehr Verantwortung bei Lekkerland zu übernehmen.
CS: Vor über neun Jahren haben Sie die leitende Position bei Deutschlands führendem Convenience-Großhändler übernommen. Wie stellte sich Ihnen die Branchen-Situation damals dar?
Steppe: Damals hat ein Wandel begonnen, der die Branche bis heute beschäftigt. Durch die längeren Öffnungszeiten des Einzelhandels hatten Tankstellen und Kioske ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal verloren. Zu dieser Zeit begann die positive Entwicklung des Unterwegskonsums, aber er verlagerte sich zunehmend in andere Kanäle, wie Supermärkte, Discounter und Bäckereien. Gegen diese neuen Wettbewerber müssen sich Tankstelle, Kiosk und Co. auch heute behaupten. Und auch wir von Lekkerland sahen uns mit neuen Wettbewerbern konfrontiert. An einen von ihnen, Rewe, hatten wir kurz vor meinem Amtsantritt unseren Kunden Aral verloren. Das war für uns eine sehr herausfordernde Zeit.
CS: Innerhalb des vergangenen Jahrzehnts hat sich in der Convenience-Branche einiges bewegt. Was waren aus Ihrer Sicht die entscheidenden Veränderungen?
Steppe: Wir haben damals erkannt, dass ein entscheidender Erfolgsfaktor darin besteht, den Kunden und die Endverbraucher konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Genau diesen Weg haben wir bei Lekkerland damals eingeschlagen. Seither ist es unsere Vision, „Your most convenient partner“ zu sein – für unsere Kunden und für alle unterwegs. Wir wollen der beste Partner sein. Und wir unterstützen unsere Kunden dabei, bessere Einzelhändler zu sein. Der Zusammenschluss mit Rewe war für uns in diesem Zusammenhang enorm wichtig. Denn wir haben Einzelhandels-Knowhow hinzugewonnen, das uns heute an vielen Stellen hilft. Auch deshalb war die Übernahme durch Rewe das Beste, was uns passieren konnte. Zugleich hat sich unsere Unternehmenskultur in den vergangenen Jahren enorm verändert. Vor allem Kundenorientierung, aber auch Themen wie Agilität und Unternehmertum sind heute viel stärker ausgeprägt.
CS: Sie sprachen es an: ein bedeutender Einschnitt kam im Jahr 2019, als die Rewe Gruppe Lekkerland übernommen hat. Konnte Ihr Unternehmen seitdem neue Kundengruppen sowohl auf Herstellerseite als auch auf Händlerseite ansprechen und gewinnen, so wie es beabsichtigt war?
Steppe: Wir haben seither sowohl die bestehenden Säulen unseres Geschäfts gestärkt als auch neue auf- und ausgebaut. Zu ersterem gehört, dass Aral wieder unser Kunde ist und wir zudem weitere Tankstellenunternehmen von uns überzeugen konnten. Auch im Bereich der Systemgastronomie sind weitere Kunden hinzugekommen. Zu den neuen Standbeinen gehören Rewe To go Stores, die wir selbst betreiben, beispielsweise an Bahnhöfen. Auch unsere mehr als 20 Smart Stores bundesweit sind eine neue und wachsende Säule unseres Geschäfts
CS: Wie haben die Jahre während der Corona-Pandemie die Strukturen des Unternehmens verändert? Gab es überhaupt solche Veränderungen?
Steppe: Zunächst einmal war die Corona-Pandemie für uns eine enorme Herausforderung. Dass wir sie so gut gemeistert haben, ist der Flexibilität und dem Engagement unserer Mitarbeitenden zu verdanken – und ganz besonders allen Teams in den Logistikzentren, die weiterhin für unsere Kunden in den Lagern und Lkws gearbeitet haben.
CS: Was ist denn eigentlich geblieben von den Anpassungen im Unternehmen, die während der Covid-Pandemie auch für Lekkerland erforderlich wurden?
Steppe: Im Rückblick hat die Corona-Pandemie weniger die Strukturen des Unternehmens verändert, als unsere Arbeitsweise. Für uns ist es heute selbstverständlich, dass Meetings virtuell stattfinden – seien es unsere regelmäßigen Townhall Meetings oder Termine in kleinen Runden. Unsere Mitarbeitenden mit Büro-Arbeitsplatz arbeiten hybrid, zum Teil im Home Office und teilweise im Büro. Dabei stellen wir fest, dass das Arbeiten und der Austausch vor Ort in den Büros eine wichtige Rolle spielt bei der Weiterentwicklung unserer Unternehmenskultur.
CS: Auch die Mobilitätswende hin zu E-Autos wird das Convenience-Geschäft an Tankstellen verändern. Die Tankstellen-Standorte werden an Bedeutung verlieren. Wird das Convenience-Geschäft dort trotzdem überleben?
Steppe: Ja, wird es, davon bin ich absolut überzeugt. Und das vor allem aus drei Gründen: Erstens wird der Unterwegskonsum in Zukunft weiter wachsen, schon infolge demografischer Trends wie der wachsenden Zahl an Ein-Personen-Haushalten. Zweitens haben viele Tankstellen klare Standort-Vorteile, unter anderem mit Blick auf Parkplätze und Anbindung. Um zwei Zahlen zu nennen: Rund zehn Millionen Kunden betreten jeden Tag eine Tankstelle in Deutschland – und rund 80 Millionen Autos fahren täglich an einer Station vorbei. Das ist viel Potenzial!
CS: Was wird darüber hinaus das Überleben der Tankstellen-Standorte möglich machen?
Steppe: Drittens ist vielen Tankstellen-Betreibern bewusst, welche entscheidende Rolle ein attraktives Shopgeschäft für ihre Zukunftsperspektiven hat. An vielen Standorten von großen Konzernen wie von Mittelständlern und Einzelunternehmern sind daher heute bereits innovative und ansprechende Konzepte zu finden. Andere arbeiten daran.
CS: Nach vielen Jahren – auch in führender Position – in dieser Branche: Welches Fazit ziehen Sie für sich persönlich aus Ihrer führenden Tätigkeit bei und für Lekkerland. Und welche Zukunft sehen Sie für die Entwicklung des Convenience-Marktes in diesem Land?
Steppe: Es war eine tolle Zeit, die ich sehr genossen habe. Ich habe die Chance erhalten, diese extrem dynamische Branche mitzugestalten und Karriere zu machen. In den vergangenen Jahren habe ich viele interessante Menschen kennenlernen und mit tollen Kollegen zusammenarbeiten dürfen. All das hat mein Leben bereichert.
CS: Sie bleiben Mitglied des Lekkerland-Aufsichtsrates. Was sind darüber hinaus Ihre beruflichen Pläne?
Steppe: Zunächst einmal haben ab Januar meine privaten Pläne Vorrang. Ich möchte mehr Zeit für mich und meine Familie haben. Das Leben ist kurz und vergänglich. Ich werde den neuen CEO weiterhin unterstützen, wann immer er mich braucht. Aber ich habe nicht die Ambition, eine neue Position auf Vorstandsebene zu übernehmen.
CS: Gibt es jenseits von Lekkerland und Ihrer bisherigen Tätigkeit Angebote oder Projekte, wo sich aus Ihrer Sicht ein Engagement lohnt?
Steppe: Ich stehe für Projekte und interessante Herausforderungen zur Verfügung, bei denen ich einen wertvollen Beitrag leisten kann. Ich habe auch schon Anfragen erhalten, aber ich bin nicht aktiv auf der Suche nach vielen weiteren Mandaten. Ich werde CEO meiner eigenen Agenda sein und werde meine Freizeit genießen.