Im Lebensmittel-Einzelhandel sind sie mittlerweile unverzichtbar: die Eigenmarken der Handelsunternehmen. Laut dem Marktforscher YouGov liegt der Marktanteil dieser Produkte, die auch als Handelsmarken bezeichnet werden, im ersten Halbjahr des laufenden Jahres bei 46,7 Prozent. Die Tendenz ist steigend. Bald wird ihr Umsatzanteil wohl die 50-Prozent-Marke knacken. Verbraucherinnen oder Verbraucher geben ihnen den Vorzug, weil sie oft preisgünstiger sind, eine besondere Qualität bieten – etwa ein Bio Siegel – oder ein besonderes Produkt bieten. Im Convenience-Markt haben Eigenmarken bisher nicht diese deutliche Präsenz. Aber es gibt sie, und das immer öfter. So hat der Lieferdienst Knuspr, der vor kurzem dem Markant-Netzwerk beigetreten ist, sich dadurch den Zugriff auf die Produkte des Handelsmarken-Portfolios von Markant etwa auf die Marke „Jeden Tag“ gesichert.
Ziel sind 1.000 Produkte
Allerdings bietet Knuspr seinen Kunden auch eigene Handelsmarken: Sie werden zentral von der Muttergesellschaft Rohlik in Tschechien entwickelt und in allen Märkten, in denen der Lieferdienst aktiv ist, also in Deutschland, Österreich, Tschechien, Rumänien und Ungarn vermarktet. „Der Ausbau unseres Eigenmarkensortiments bleibt ein klarer Schwerpunkt“, sagt dazu Knuspr-Geschäftsführer Olin Novák gegenüber dieser Zeitung. Aktuell führt der E-Food-Händler rund 380 Produkte in zwölf Eigenmarken. Bis zum Jahr 2027 beabsichtigt die Gruppe, diese Zahl auf rund 1.000 Produkte zu erhöhen.
Auch in den Tankstellen-Shops hier zu Lande findet die Kundschaft zunehmende Eigenmarken. Diese Marken kommen entweder von den Mineralölgesellschaften selbst. Beispiele dafür sind der mittelständische Tankstellen-Betreiber Sprint Tank sowie der Energiekonzern Orlen. Oder die Handelsmarken sind von den einschlägigen Großhändlern entwickelt worden – so etwa vom Marktführer Lekkerland. Sprint bietet eine überschaubare Zahl von eigenen Produkten, zum Beispiel Chips unter dem Namen „Chip Tuning“, Energydrinks, die „Kraftstoff“ heißen, oder Mineralwasser, das unter der Bezeichnung „Wasserstoff“ läuft. Wettbewerber Orlen betreibt dieses Geschäft mit einer höheren Professionalisierung. Seit einigen Monaten erfolgt die Entwicklung und Vermarktung über das neue Kompetenzzentrum in Prag.
Preis und Differenzierung
Bedeutendster Anbieter von Handelsmarken in den C-Stores ist allerdings Großhändler Lekkerland. Lukas Ziegler, Director Buying & Category Management Eigenmarken & Newcomer, zeichnet bei der Rewe-Tochter verantwortlich für dieses Segment. „Eigenmarken im Out-of-Home-Bereich tragen maßgeblich zur Verbesserung der Preiswahrnehmung und Innovationskraft in unseren Kanälen bei“, sagt er in einem Interview. Betreiber von Tankstellen, Kiosken oder Travel-Retailer seien durch sie in der Lage, ihre eigene Markenwelt abzurunden, unabhängig von Preisentwicklungen bei Herstellermarken. „Auch dienen Sie zur Differenzierung“, meint Ziegler. Das Eigenmarken-Sortiment des Großhändlers umfasst derzeit fast 400 Artikel – vom Tiefkühl-Aufbackbrötchen bis zum Kaugummi. Es ist in 30 Kategorien unterteilt. Beispiele sind der Energydrinks Take Off, M‘Candy-Süßwaren oder die Sandwiches und Wraps der Marke Go Fresh. Die Produkte seien speziell für den Unterwegskonsum entwickelt.
Das Wichtigste sei vor allem die richtige Produktauswahl, sagt Ziegler. Neben dem Fokus auf der Impulswarengruppen sei die passende Packungsgröße und der Packungspreis für den Verkaufserfolg entscheidend.