Auch die Hoffnungen auf einen leichten Absatzimpuls durch die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 haben sich für die deutsche Brauwirtschaft nicht erfüllt. Mit dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bereits im Achtelfinale ist einer der wichtigsten kurzfristigen Konsumanlässe weggefallen. Denn je länger Deutschland im Turnier vertreten ist, desto mehr wird zuhause, in der Gastronomie und bei Public-Viewing-Veranstaltungen konsumiert. Nach dem frühen WM-Aus rechnen Branchenvertreter deshalb weiterhin mit stagnierenden oder sogar weiter rückläufigen Bierverkäufen in den kommenden Wochen. Dabei waren die Erwartungen ohnehin gedämpft. Bereits die Heim-Europameisterschaft 2024 hatte gezeigt, dass sportliche Großereignisse längst kein Selbstläufer mehr für die Branche sind. Der Deutsche Brauer-Bund sieht deshalb kaum Anlass für Optimismus. „2026 wird für uns ein sehr hartes Jahr werden, eine Entspannung ist nicht in Sicht“, sagt Hauptgeschäftsführer Holger Eichele. Die anhaltend schwache Konsumstimmung belaste sowohl den Handel als auch die Gastronomie und damit letztlich auch die Brauereien. Der Bierabsatz ist 2025 auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken und damit erstmals seit Beginn der Erhebung unter die Marke von acht Milliarden Litern gefallen. Gleichzeitig sank der Pro-Kopf-Konsum auf weniger als 90 Liter jährlich.
Hohe Nachhaltigkeitsleistung der Branche
Allein der Absatz alkoholhaltiger Biere ging im vergangenen Jahr um 5,8 Prozent zurück. Als Ursachen gelten vor allem die anhaltende Konsumzurückhaltung, der demografische Wandel sowie ein verändertes Gesundheitsbewusstsein vieler Verbraucher. Während der Konsum klassischer Biere weiter zurückgeht, wächst das Segment der alkoholfreien Biere kontinuierlich und erreicht inzwischen einen Anteil von rund elf Prozent am gesamten Bierkonsum in Deutschland. Viele Brauereien erweitern deshalb ihr Sortiment zusätzlich um alkoholfreie Varianten sowie Erfrischungsgetränke und Limonaden.
Parallel steigen für die Brauereien die Kosten. Energie, Rohstoffe, Logistik, Verpackungen und Personal haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verteuert. Viele Hersteller sehen sich deshalb gezwungen, ihre Verkaufspreise anzuheben. Im Handel wurden zuletzt Preiserhöhungen von einem bis eineinhalb Euro je Kasten angekündigt. Trotz der Lage verweist der Deutsche Brauer-Bund auf die hohe Nachhaltigkeitsleistung der Branche. Mit einer Mehrwegquote von knapp 80 Prozent erfüllen die Brauereien als einzige Getränkebranche die gesetzlichen Vorgaben
Vor allem mittelständische und regionale Brauereien stehen unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Nach Angaben des Verbands Private Brauereien Deutschland hat für rund 40 Prozent der Betriebe inzwischen das wirtschaftliche Überleben oberste Priorität. Rund 80 Prozent der privaten Brauereien investieren trotz des schwierigen Markts in Anlagen, Digitalisierung oder neue Produkte. Ziel sei es, sich durch höhere Effizienz und eine stärkere Differenzierung im Wettbewerb zu behaupten. Ein wesentlicher Wachstumstreiber bleibt alkoholfreies Bier.
Auch international setzt sich dieser Trend fort. Nach Angaben des Hopfenhändlers Barth Haas produzierten die 40 größten Brauereigruppen der Welt 2025 rund fünf Milliarden Liter Bier weniger als im Vorjahr. Der Ausstoß sank um 3,1 Prozent auf knapp 159 Milliarden Liter. Nur wenige Unternehmen konnten überhaupt wachsen. Gleichzeitig gewinnen auch weltweit alkoholfreie und alkoholreduzierte Produkte sowie weitere Getränkekategorien zunehmend an Bedeutung.
Brauereien protestieren gegen die Zuckersteuer
Vor diesem wirtschaftlichen Hintergrund wächst auch der politische Druck auf die Branche. Mehr als 300 Unternehmen der deutschen Getränkewirtschaft haben sich deshalb gemeinsam gegen die geplante Einführung einer Zuckersteuer beziehungsweise Zuckerabgabe auf Getränke ausgesprochen. Unterstützt wird der offene Brief unter anderem vom Deutschen Brauer-Bund, den Privaten Brauereien Deutschland, der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, dem Verband Deutscher Mineralbrunnen sowie dem Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie.Die Unterzeichner argumentieren, dass die Getränkewirtschaft überwiegend aus regional verwurzelten mittelständischen Familienunternehmen besteht, die bereits erheblich unter den gestiegenen Energie-, Verpackungs-, Logistik- und Personalkosten leiden. Hinzu komme die anhaltende Konsumzurückhaltung. Eine zusätzliche steuerliche Belastung würde die Situation vieler Betriebe weiter verschärfen. Zugleich warnen die Unternehmen vor höheren Preisen. Gerade einkommensschwächere Haushalte würden besonders belastet, obwohl Lebensmittel und Getränke bereits deutlich teurer geworden seien.