Der legale Tabakmarkt in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren trotz sinkender Absatzmengen als vergleichsweise stabil erwiesen. Grundlage dafür war der bisherige Aufwuchspfad der Tabaksteuer, der nach Einschätzung der Branche für Planungssicherheit sorgte und gleichzeitig steigende Steuereinnahmen ermöglichte. Das macht Hersteller Reemtsma noch einmal deutlich.
Mit dem nun bekannt gewordenen Entwurf des Bundesfinanzministeriums könnte sich dies ändern, so die Hamburger. Vorgesehen sind deutliche Steuererhöhungen in mehreren Produktkategorien. Bis 2030 könnte der Preis einer Zigarettenschachtel mit 20 Stück um rund vier Euro auf bis zu zwölf Euro steigen. Ein 30-Gramm-Beutel Feinschnitt würde sich um rund 4,50 Euro auf mehr als elf Euro verteuern.
Nach Ansicht von Reemtsma bedeutet der Entwurf einen grundlegenden Kurswechsel. Das Unternehmen verweist darauf, dass der Koalitionsvertrag ursprünglich eine Fortsetzung des bisherigen, moderaten Steuermodells vorgesehen habe. Stattdessen seien nun überproportionale Steueraufschläge geplant.
„Was die Koalition da plant, setzt den bereits stark rückläufigen legalen Markt in Deutschland weiter erheblich unter Druck", sagt Christian Cordes (Foto), Director Corporate & Legal Affairs Cluster DACH bei Reemtsma. Gleichzeitig warnt er vor einer Verlagerung in den illegalen Handel: „Die legale Packung wird hierzulande deutlich teurer, während das Angebot an unversteuerter, illegaler Ware weiter wächst."
Besonders kritisch bewertet das Unternehmen die geplanten Änderungen im Feinschnittsegment. Die höhere Mindeststeuer könnte nach Einschätzung von Reemtsma den Preiswettbewerb deutlich einschränken und preissensible Verbraucher stärker belasten.
Auch die erwarteten Mehreinnahmen des Staates stellt der Hersteller infrage. Das BMF rechnet mit zusätzlichen Steuereinnahmen von mehr als acht Milliarden Euro bis 2030. Reemtsma hält diese Annahmen für unrealistisch und verweist auf ein alternatives Modell, das bei einer differenzierten Besteuerung stabile Marktentwicklungen und zusätzliche Steuereinnahmen von bis zu 2,5 Milliarden Euro bis 2031 ermöglichen soll.
„Wer Verhältnismäßigkeit und verlässliche Steuereinnahmen will, darf keine steuerpolitischen Schocks auslösen", so Cordes. Aus Sicht des Unternehmens müsse eine künftige Tabaksteuerpolitik fiskalische Ziele, Gesundheitsaspekte und die Realität des Marktes gleichermaßen berücksichtigen.