Veltins Performance weiterhin gut

Angesichts der Probleme im deutschen Biermarkt, sorgt das positive Abschneiden der Brauerei Veltins für Aufmerksamkeit. Die Sauerländer sehen sich praktisch und strategisch weiter auf dem richtigen Weg.

Montag, 03. August 2026, 06:51 Uhr
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Bildquelle: Hans Jürgen Krone

Die Rahmenbedingungen im Brauereigeschäft können wohl kaum dramatischer sein. Das jedenfalls legte der Bericht des Unternehmens zum Zustand der Branche nahe, der bei der diesjährigen Halbjahrespressekonferenz der Brauerei Veltins vorgestellt wurde: „Den Biermarkt haben tiefgreifende strukturelle Veränderungen erreicht und die Wettbewerbsintensität zwingt viele Anbieter, ihr Marktengagement zu überdenken“, sagte Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung von Veltins. Dabei seien insbesondere die kleinen und mittleren Unternehmen unter Druck, die wohl auch nicht darauf hoffen können, dass dies ein temporäres Tal sei. Der Markt durchlaufe jetzt eine „Phase der harten Selektion“, so Kuhl weiter. Vor dem Hintergrund, dass der „Biermarkt in Bewegung ist, wie selten zuvor“, sei es umso erstaunlicher, wie Fabian Veltins, Geschäftsführer Marketing, betonte, dass es dem Sauerländer Unternehmen offenbar ein Stück weit gelungen ist, sich von der negativen Marktentwicklung abzukoppeln. Kuhl: „Sie sehen uns in guter Stimmung und frohen Mutes.“ So konnte Veltins seinen Gesamtausstoß im ersten Halbjahr 2026 um 1,3 Prozent auf 1,8 Millionen Hektoliter steigern. An dieser Entwicklung machte auch Fabian Veltins seine Aussage fest, dies sei „ein klares Zeichen unternehmerischer Resilienz“.

Facettenreiches Markenportfolio

Dass in einem Markt, der allein in den ersten fünf Monaten 2026 fast vier Prozent an Menge verloren hat und in dem laut Vertriebsgeschäftsführer Rainer Emig, die „Katerstimmung“ anhält, eine solche positive Entwicklung möglich wurde, verdankt man laut Unternehmen dem „facettenreichen Markenportfolio“. Dieses sorge für Verbraucherattraktivität, sind die Grevensteiner überzeugt. Dabei haben laut Unternehmen insbesondere das Pülleken, Veltins Lager und Karamalz, das das Unternehmen seit Anfang des Jahres im Portfolio hat, „deutliche Wachstumsimpulse“ gesetzt. Stärkster Wachstumstreiber mit einem Plus von fast elf Prozent bleibt das Helle Pülleken, das auch von seinen Sortimentsergänzungen Zitrönken und Alkoholfrei profitieren konnte. Veltins Lager konnte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Absatzplus im Handel von 6,4 Prozent und mit 27.300 Hektolitern ein Ausstoßplus von 5,2 Prozent erreichen. Offensichtlich zufrieden ist das Unternehmen mit der neuen Marke Karamalz, die mit 64.500 Hektolitern einen „respektablen Beitrag zum Gesamtausstoß“ geleistet habe. Anfangserfolge gibt es auch mit dem Cola-Limo-Mix „Remix“ in der 0,33-Liter- Dose, dem Veltins durch „deutlich mehr Fruchtsaft zu einem neuen, fruchtig-spritzigen Geschmackserlebnis“ verholfen hat.

Fassbrause in Aufwärtsentwicklung

Eine Aufwärtsentwicklung kann Veltins auch bei seinen Fassbrausen feststellen, die um fünf  Prozent auf knapp 72.000 Hektoliter im Ausstoß gewachsen sind. Einen Rückgang von 2,7 Prozent beim Ausstoß gab es bei V+, das das Unternehmen allerdings weiterhin als „wichtige Säule des Sortiments“ betrachtet. Den Sortiments-Kern bilden soll natürlich weiterhin die Stamm-Marke Veltins, die vom Fass über die Flasche bis hin zur Dose im ersten Halbjahr 2026 einen Ausstoß von 1,2 Millionen Hektar erreichte und damit ein Minus von 4,3 Prozent hinnehmen musste. Dabei lag der Rückgang, der im Convenience-Markt besonders wichtigen Dose laut Unternehmen etwa zwischen zwei und vier Prozent.

Die Krise als Chance nutzen

„Wir investieren kontinuierlich in die Marke, das ist uns wichtig“, betonte Fabian Veltins. Schließlich bleibe sie das wirtschaftliche Rückgrat des Unternehmens. Mit Blick auf die Zukunft sieht man bei Veltins Chancen und Risiken. „Es ist eine Zeit, in der zukunftsgewandte Brauereien die Krise als veritable Chance nutzen können“, sagt Volker Kuhl. Veltins will das mit einer dreiteiligen „antizyklischen Strategie“ tun, die  auf „Wertbeständigkeit statt Preiskampf“, „Fokussierung auf eine qualifizierte Sortimentsstrategie“ und die „langfristige Stabilität als Familienunternehmen“ setzt. Mit der Ausstattung seiner „Kriegskasse“, wie die Fachpresse explizit nachfragte, zeigte sich Fabian Veltins augenzwinkernd „zufrieden“. Das könnte relevant werden, weil das Unternehmen auch als potenzieller Käufer anderer Brauereien im Gespräch ist. Dass das Sinn machen könnte, angesichts von Kapazitätsgrenzen beim Brauen aber auch in der Logistik, gestand man bei Veltins durchaus ein, betonte aber auch, dass es aktuell keine konkreten Gespräche gebe. Volker Kuhl sagte dazu abschließend und vielleicht auch als Signal in die Branche: „Uns interessiert es, mit Brauereien zu sprechen, die verkaufen wollen oder müssen.“

Doch bei allen Chancen könnte in den kommenden zwölf Monaten auch für Veltins Krisenmanagement im Vordergrund stehen. Schuld daran  sind die Pläne zur Einführung der Zuckersteuer, die natürlich die Alkoholfreien Getränke betrifft. Sie könnte  auch bei Veltins zu einer millionenschweren neuen Steuerlast führen oder vielfache Änderungen von Getränke-Rezepten erzwingen, die so vom Unternehmen bisher nicht gewünscht sind.