Berliner Mehrweg-Pilotprojekt Das Bewusstsein für Mehrweg schärfen

Das Berliner Pilotprojekt zur Rücknahme von Takeaway-Mehrweg-Bechern zeigt vielversprechende Ergebnisse. Deutsche Umwelthilfe und Recup setzen auf einfaches Handling.

Freitag, 19. September 2025, 05:30 Uhr
Artikelbild Das Bewusstsein für Mehrweg schärfen
Bildquelle: DUH

Aktuell ist noch nicht ganz die Hälfte des Projektzeitraumes abgeschlossen, weshalb natürlich noch kein abschließendes Fazit gezogen werden kann – allerdings kann eine kontinuierliche Nutzung des Rückgabe-Angebotes verzeichnet werden.“ Das ist ein erstes Statement von Recup, Betreiber eines Takeaway-Mehrwegsystems mit einigem Knowhow in Sachen Kreislaufwirtschaft. Es bezieht sich auf ein Pilotprojekt in Berlin, welches das Unternehmen gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Sykell Einfach Mehrweg und anderen Partner wie der Rewe Group – mit Unterstützung des Berliner Senats – in diesem Jahr auf den Weg gebracht hat. (Convenience Shop berichtete in Ausgabe 2-2025.)
Seit März werden in zwei Stadtteilen der Hauptstadt die Mehrwegbecher von Recup und Sykell über die Tomra- und Sielaff-Leergutautomaten in ausgewählten Rewe-Supermärkten zurückgenommen. Im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg testen die insgesamt sieben Partner die Machbarkeit und die Chancen einer solchen Zusammenarbeit. Mit an Bord sind die beiden oben erwähnten Automatenherstellern Tomra und Sielaff und der Dienstleister in Sachen Spülung, der Nonfood-Caterer Profmiet. Das bundesweit aufgestellte Unternehmen spült zentral die Mehrwegbecher. Sie stehen anschließend wieder zur Auslieferung an die Gastro-Betriebe bereit.

Über 80 Gastro-Anbieter machen mit

In über 80 Gastronomie- und Food-Betrieben im regionalen Umfeld von Friedrichshain und Kreuzberg, unter anderem bei Kamps, Le Crobag und Burger King, sind die mit einem Code zur Rückgabe versehenen Becher erhältlich. Das Projekt läuft für ein Jahr unter der Trägerschaft der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt.

Der Mehrwegsystem-Betreiber Recup ist zurzeit dabei, gemeinsam mit der Kühne Logistics University, dem Einzelhandelsunternehmen Rewe und den weiteren Partnern, wie der DUH, zu analysieren, wie sich das Rückgabeverhalten darstellt und entwickelt. Darüber hinaus stehen die operativen Abläufe und das Bewusstsein der Nutzerinnen und Nutzer im Fokus der Betrachtung, so die Mehrweg-Experten. Ziel sei es, das Mehrweg-Handling von Takeaway-Geschirr „noch reibungsloser in bestehende Gewohnheiten und Prozesse zu integrieren und ein skalierfähiges Modell zu entwickeln“, berichtet Recup. Dies ist nun das Ziel für die nächsten Monate.

Einfache Rückgabemöglichkeiten

Auch die Deutsche Umwelthilfe bestätigt die ersten Zwischenergebnisse, die in Zusammenarbeit mit der Kühne Logistics University zur Evaluation des Mehrweg-Piloten erarbeitet wurden. So seien die Zwischenresultate in einer ersten Befragungswelle mit Aussagen von Berlinerinnen und Berlinern verglichen worden: Verbraucherinnen und Verbraucher wollen demnach vor allem einfache und flächendeckende Rückgabemöglichkeiten für Takeaway-Mehrwegbecher. Supermärkte bieten dafür eine einfache Integration in den Alltag : 94 Prozent der Berliner Teilnehmenden bewerten die Rückgabe im Supermarkt über Automaten positiv.

Weitere 86 Prozent der Befragten meinen, dies würde ihre Mehrweg-Nutzung steigern und 28 Prozent derjenigen, die den Piloten kannten, haben bereits Mehrwegbecher im Rahmen des Piloten zurückgegeben – meist in Kombination mit einem Lebensmitteleinkauf. Bemerkenswert war auch, dass 43 Prozent der Befragten den Berliner Mehrweg-Piloten kennen. „Wir gehen davon aus, dass die Nutzungsraten im weiteren Verlauf mit zunehmender Bekanntheit des Piloten und der Anpassung des Konsumverhaltens noch weiter steigen,“ erwartet die DUH. Eine weitere spannende Erkenntnis sei außerdem, dass Verbraucherinnen und Verbraucher die automatisierte Rückgabe schätzten, weil diese im Vergleich zur Rückgabe im Café oder Restaurant unabhängig und deutlich schneller erfolgen könne. Aus der Sicht der DUH wäre ein Rollout des Projekts sehr schnell umsetzbar.

Erste vielversprechende Ergebnisse

Auch Mehrwegsystem-Anbieter Sykell unterstreicht, dass es erste vielversprechende Ergebnisse gibt, will aber noch keine weiteren Details mitteilen. Erst im Herbst will das Unternehmen zum Verlauf des Berliner Pilotprojekts mit einer Zwischenbilanz Stellung beziehen, kündigt André Lang-Herfurth, Head of Industrial Circular Economy Solutions, an. Zum Projektstart hielt Sykell, eine Ausweitung des Mehrweg-Tests schon in den Monaten des Projektverlaufs für denkbar. Dennoch, auf der Grundlage der Einschätzungen von Deutscher Umwelthilfe und Recup, lässt sich derzeit wohl sagen, dass die Grundidee des Piloten offenbar in der Praxis greift: Die gewohnten Wege und das Verhalten der Verbraucherschaft wird genutzt, um auf diese Weise Hürden bei der Rückgabe von Takeaway-Mehrweg abbauen. Nutzerinnen und Nutzer verbinden die Rückgabe am Automaten mit einem Einkauf.

Rückgabe könnte Routine werden

Die Mehrweg-Rückgabe von To-go-Geschirr könne also zur Alltagsroutine werden. Und so konnte die grundsätzliche Konzeption des Pilotprojektes bislang beibehalten werden – ganz ohne Anpassungen– so das Zwischenfazit. Weitere Befragungen sollen im Laufe des Piloten durchgeführt werden, kündigen die beteiligten Partner an. Zudem tauscht sich Recup, als Teil des Reuse Vanguard Projekts von Zero Waste Europe, mit seinen europäischen Partnern aus und will die Learnings des Pilotprojekts in nationale und internationale Gremien einbringen.
Das partnerschaftliche Projekt ist besonders für Berlin wichtig und war dort angestoßen worden, weil nach aktuellen Zahlen täglich immerhin etwa 1,5 Millionen To-go-Becher und Essensboxen im Umlauf sind. Gleichzeitig liegt der Marktanteil für Mehrweg, laut den Berechnungen, in der Hauptstadt noch immer nur bei etwa einem Prozent.

Bereits nach knapp einem halben Jahr Laufzeit kennen 43 Prozent der 
befragten Berliner das Mehrweg-Pilotprojekt, so eine Studie.
Je einfacher, desto besser: der Kreislauf der Recup und Sykell Mehrweg-Becher beim Rücknahme-Test in Berlin.