Alkoholfreie Getränke Wasser, Saft, Limo – und ihre Zukunft

Der Absatz Alkoholfreier Getränke – auch in den Convenience Stores – zeigt sich stabil. Doch die Branchenverbände sehen auch Probleme. Dazu gehören Veränderungen durch demografischen Wandel, der Anpassungsdruck auf das Mehrwegpfand und die allgemeinen politischen Rahmenbedingungen.

Mittwoch, 29. Oktober 2025, 19:26 Uhr
Artikelbild Wasser, Saft, Limo – und ihre Zukunft
Bildquelle: Verband der Fruchtsaftindustrie

Der Konsum von Bier ist hier zu Lande rückläufig, der Absatz von Spirituosen steht unter Druck und auch Rot- und Weißweine können kaum noch Zuwachs verzeichnen. Das gilt sowohl für den Handel als auch für den Außer-Haus-Markt. Anders sieht es bei den Alkoholfreien Getränken aus – auch was den Convenience-Markt betrifft. Dieser sei  schon immer ein wichtiger Bereich für die Vermarktung der Alkoholfreien  gewesen, sagt ein Sprecher der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg) und unterstreicht damit Einschätzungen, die auch die Fachverbände der Mineralwasser- und Fruchtsaft-Industrie teilen. Auch künftig werde der Außer-Haus-Markt beispielsweise mit seinen Bereichen Lieferdiensten sowie weiteren To-go-Formaten, mit Kiosken und Tankstellen-Shops eine wichtige Rolle spielen. Der Trend stimme positiv, da alkoholfreie und zugleich geschmacklich attraktive Erfrischungs-Getränke derzeit weiterhin sehr beliebt seien.

Und so kann Jürgen Reichle, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mineralbrunnen (VDM), berichten, dass Mineralwasser im Außer-Haus-Markt aktuell eines der Schwerpunktthemen sei. „Gemeinsam mit dem Getränkegroßhandel haben wir dazu in diesem Jahr eine langfristige Kampagne gestartet, um die Vorteile von Mineralwasser im Umfeld der zunehmenden Konkurrenz von Wasseraufbereitungsanlagen deutlich zu positionieren“, sagt er. Im Fokus der Aktion stehen Qualität und Vielfalt, Handling und  Hygiene, Nachhaltigkeit und der Deckungsbeitrag. Auch der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie kann von Erfolgen berichten. So gebe es derzeit eine gewisse Sonderkonjunktur von Fruchtsaftschorlen in der 330-Milliliter-Longneck-Flasche. Zudem profitierten Gastro-Formate, die so genannte Mocktails, also alkoholfreie Cocktails, anbieten. 

Herausforderung demografischer Wandel

Und so sieht die wafg für die Kategorie Alkoholfreie Getränke derzeit eine hohe Stabilität: „Die uns vorliegenden Daten legen insbesondere bei Erfrischungsgetränken keine Konsumzurückhaltung nahe, die Nachfrage bleibt trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Herausforderungen im Rahmen saisonaler und witterungsbedingter Schwankungen verlässlich“, so das Statement des Verbands. Ähnlich die Lagebeurteilung durch Jürgen Reichle. Er sieht keine Konsumzurückhaltung in der Kategorie Mineralwasser. „Aber wir sehen im demografischen Wandel eine Herausforderung“, kommentiert er. Momentan treffe es Alkoholhaltige Getränke wie beispielsweise Bier mit weiter sinkenden Absätzen. „Die Frage steht im Raum, ob und wie sich dieser Trend in den kommenden in Jahren auch auf Alkoholfreie und Wasser auswirkt“, gibt er zu bedenken. Insbesondere die nachwachsende Generation der GenZ rücke dadurch stärker in den Fokus der Branche.  

Die Zukunft des Mehrwegs-Pfands

Eine weitere Herausforderung, die auch die Branche der Alkoholfreien betrifft, sind Überlegungen, das Mehrweg-Pfand zu erhöhen. Die Wirtschaftsvereinigung hält jedoch eine solche Erhöhung des Pfands in der Sache für nicht zielführend – und das in Übereinstimmung mit weiteren Verbänden der Getränkeindustrie. Die Forderung einzelner Marktakteure nach einer strukturellen Anhebung der Pfandsätze verkenne, dass dazu eine Gesamtabwägung notwendig sei. „Dabei ist zunächst daran zu erinnern, dass die Rücklaufquote insgesamt bei bepfandeten Getränkeverpackungen – auch bei Mehrweg – auf einem sehr hohen Niveau strukturell stabil ist“, so die wafg. Die Nachteile und die strukturellen Herausforderungen einer solchen Maßnahme in einem großen Markt wie Deutschland mit zahlreichen Akteuren in Handel und Industrie überwiegen nach Einschätzung des Verbands deutlich. Hinzu komme, dass die erhofften Vorteile einer Pfandanhebung nicht gesichert seien. Vor allem gebe es Zweifel, dass dies gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation von den Verbraucherinnen und Verbrauchern überwiegend preislich negativ bewertet werde.

Rechtliche und finanzielle Risiken

Reichle vom VDM weist darauf hin, dass eine Erhöhung des Pfands rechtliche, bilanzielle und finanzielle Risiken für die Unternehmen birgt, die den Nutzen deutlich übertreffen. „Außerdem wäre die Umsetzung sehr komplex und nur denkbar, wenn es eine Allianz aller betroffenen Verbände gibt“, sagt er weiter. „Wir beobachten aber weiterhin die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen zur Kennzeichnung von Mehrweg-Gebinden.“

In die gleiche Richtung gehen die Vorbehalte des Fruchtsaftverbands. „Die Diskussion über eine Erhöhung des Mehrwegpfandes entstand vor dem Hintergrund der in den Jahren 2022 und 2023 stark gestiegenen Preise für Glasflaschen, die sich inzwischen wieder etwas nach unten bewegt haben“, machen die Interessenvertreter deutlich. Eine Anhebung des Mehrwegpfandes würde höhere Pfandrückstellungen erforderlich machen. Zudem berge eine solche Maßnahme das Risiko einer Überversorgung mit Neuglas – insbesondere dann, „wenn der Pfandsatz über den Einkaufspreis hinausgeht“. Aus diesen Gründen stehen die Verbände der Getränkeindustrie einer Erhöhung des Mehrwegpfandes sehr kritisch gegenüber.

Forderungen an die Politik

Im Fokus stehen dagegen Forderungen der Verbände nach einer Entlastung der Verbraucher, der Hersteller und auch des Handels sowie Gastronomischer Anbieter. So fordert Klaus Heitlinger, Geschäftsführer beim Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie, von der Politik ganz konkret eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Getränke von 19 Prozent auf sieben Prozent. Darüber hinaus setzt er sich für eine Abschaffung des Einwegkunststofffonds, in den beispielsweise die Hersteller von Getränkebechern und Gebinden aus Kunststoffen einzahlen müssen, ein.

Kostenfaktoren und Bürokratie

Doch es geht den Branchenunternehmen auch um zentrale Punkte wie Planungssicherheit sowie verlässliche und wirtschaftsfreundliche Rahmenbedingungen. „Bei zentralen Kostenfaktoren, wie Energie, muss der Standort wettbewerbsfähig bleiben. Zudem muss strukturell geprüft werden, wie unnötige bürokratische Überlasten – wie mehrfache oder unverhältnismäßige Dokumentationspflichten – in allen Unternehmensbereichen effektiv abgebaut werden können“, mahnt die Wirtschaftsvereinigung für Alkoholfrei Getränke an. Gerade auf EU-Ebene kämen weiterhin neue Regelungen hinzu, die zusätzlichen Druck auf die Unternehmen ausüben würden. Auch für Jürgen Reichle und den VDM  stehen aktuell Bürokratieabbau, und mehr Planungs- und Investitionssicherheit auf der Agenda. Es kommen aber für den Mineralwasser-Verband ein wirksamer Wasserschutz und nachhaltige Verkehrssysteme hinzu.

Dennoch kann Reichle einen positiven Ausblick für sein Getränkesegment wagen: Die Situation sei weiterhin herausfordernd, aber gut: „Wir haben einfach ein tolles und leckeres Produkt“, stellt er fest. Positiv fällt auch die Vorschau der wafg aus: „Gerade bei Erfrischungsgetränken bietet das vielfältige Produktangebot eine gute  Ausgangslage.“ Zuversichtlich stimme auch, dass die Kategorie innovationsstark sei. Schon heute biete der Markt, auch in Convenience-Stores, eine große Auswahl von kalorienfreien und kalorienreduzierten Varianten bis hin zu funktionalen Getränken. Gleichzeitig sei aber klar, dass die Perspektive im Kontext der aktuellen Lage stehe – mit gestiegenen Kosten für Rohstoffe, Energie, Personal und Logistik. Zurückhaltender gibt sich daher auch der Fruchtsäfteverband. Schließlich ging der Absatz von Fruchtsäften und Nektaren in den ersten acht Monaten 2025  laut Marktforscher You Gov zurück.