Deutsche, Österreicher und Schweizer bleiben sich einerseits treu in der Getränkebestellung, entdecken aber auch ihre Experimentierfreude, das gilt beispielsweise auch bei Kaffee. Das stellt der Orderbird Getränke-Index fest. Der Anbieter von Cloud-Kassensystemen hat seine Erkenntnisse von mehr als 20.000 befragten gastronomischen Betrieben in Deutschland, Österreich und der Schweiz in einem Trendbericht zusammengefasst. Wer demnach also auch in Shop-Bistros weiterhin auf ein gutes Angebot von Kaffee, Bier und Wasser setzt, macht offenbar viel richtig. Aber nicht alles, denn andererseits zeige sich „ein klarer Trend zu mehr Abwechslung – und ja, auch ein bisschen Lifestyle-Glamour“, stellen die Verantwortlichen fest. Die Gäste tränken also, was sei kennen, täten das aber unter anderem „mit mehr Stil, mehr Spritz und einer Prise Trendbewusstsein und Genussneugier“. Beim Thema Kaffee spielen dabei wohl Premium-Spezialitäten eine besondere Rolle.
Ein Viertel aller Bestellungen
In Deutschland macht Kaffee mehr als einem Viertel aller Getränkebestellungen (27 Prozent) aus und ist damit die wichtigste Getränkekategorie – und das sogar zu vier Prozent häufiger als noch 2023. Doch während die Absatzzahlen stabil bleiben, verändert sich das Umfeld: Die Gäste erwarten nicht nur ihren gewohnten Kaffee, sondern zunehmend auch Qualität, Vielfalt und ein Erlebnis, erläutert Orderbird. Das zeige sich besonders in den Großstädten, wo die Nachfrage nach besonderen Kaffeespezialitäten steige. Im Kaffeesegment zeigt sich zudem eine klare Zweiteilung: Einerseits dominiert der Espresso mit mehr als der Hälfte aller Kaffee-Bestellungen (56 Prozent). Andererseits gewinnt Matcha Latte mit etwa einem Fünftel aller Bestellungen im Kaffeesegment (21 Prozent) an Bedeutung. Und das obwohl Matcha ein Tee ist. Er hat sich als Premium-Heißgetränk in Cafés durchgesetzt und sei mit einem Durchschnittspreis von 6,06 Euro nicht nur das teuerste Heißgetränk, sondern auch ein Symbol dafür, dass die Gäste neben den Klassikern „mehr Wert auf Premium-Genuss legen“, sagt der Getränke-Index.
Preis-Anpassungen werden akzeptiert
Positiv für die Shop-Betreiber könnte dabei sein, dass sich bei Premium-Produkten deutliche Preis-Anpassungen zeigten, die offenbar akzeptiert werden. So gibt es bei Matcha Latte eine Preissteigerung um 15 Prozent, und bei Cappuccino um 16 Prozent. Hamburg, Hessen und Berlin fallen hier auch beim Kaffee mit den höchsten Preisen auf, das Saarland weist die günstigsten Preisen auf, etwa beim Cappuccino für 3,38 Euro.
Dazu geäußert, wie das Thema Preise gesehen wird und welche Vorlieben beim Kaffee die Deutschen insgesamt aktuell haben, haben sich im Rahmen einer repräsentative Umfrage etwa 1.500 Kaffeetrinkende, die Tchibo zusammen mit Brand Eins und Statista für den Tchibo Kaffeereport 2026 befragt haben. Angesichts der auch im vergangenen Jahr weiter gestiegen Kaffeepreise stuften hier immerhin 47 Prozent der Befragten Kaffee als Luxusgut ein, den man sich bewusst gönnt.
Ein alltäglicher Begleiter
22 Prozent widersprechen dieser Aussage: Für sie ist und bleibt Kaffee ein alltäglicher Begleiter. „Diese Einstellung spiegelt sich auch darin wider, was Kaffeetrinkende für ihr Lieblingsgetränk bezahlen würden“, berichten die Studienmacher. Die Meisten (35 Prozent) seien bereit, zehn bis 12,99 Euro pro Kilo für Kaffee zu bezahlen, 26 Prozent würden für die gleiche Menge noch 13 bis 15,99 Euro ausgeben. Die Schmerzgrenze für einen Espresso im Restaurant liegt mittlerweile laut dieser Befragung bei 4,50 Euro. Bei Preisen darüber hinaus würden 46 Prozent der Befragten klar auf den Espresso verzichten. Wie sich die Tatsache auswirken wird, dass der Lebensmittel-Einzelhandel nach den Eigenmarken kürzlich auch Markenkaffee zahlreicher Hersteller wieder günstiger anbietet, bleibt abzuwarten. Auch darüber, ob diese Strategie die Erwartungshaltung fürs Pricing bei gastronomischen Kaffee-Angeboten ebenfalls beeinflussen kann, ist bisher reine Spekulation und scheint wenig wahrscheinlich. Denn die LEH-Preise gehen zwar seit Oktober 2025 zurück, dennoch liegt das Preisniveau laut dem Statistischen Bundesamt weiterhin deutlich über dem von 2020.
Weiterhin das Lieblingsgetränk
Sicher scheint dagegen laut Tchibo Kaffeereport weiter zu sein, dass Kaffee nach wie vor das Lieblingsgetränk der Deutschen ist. Mit 3,2 Tassen täglich bleibt der Konsum auch im 15. Jahr der Befragung hoch. Für 67 Prozent der Befragten sei ein Leben ohne Kaffee nahezu unmöglich, das gilt für 72 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer. Dabei bevorzugen 47 Prozent der Befragten Filterkaffee, 38 Prozent Caffè Crema und 34 Prozent Cappuccino. Aber so sehr die Deutschen ihren Kaffee auch lieben: Nach 16 Uhr ist für 20 Prozent der befragten Personen Schluss mit dem Kaffee-Genuss, und zwar wohl dem besseren Schlaf zuliebe. Fast genauso viele, nämlich18 Prozent, gaben dagegen an, zu jeder Tages- und Nachtzeit Kaffee trinken zu können, da er keinen Einfluss auf ihren Schlaf habe.
Der Mythos vom Kaffee-Kick
Nach Auffassung der Studien-Macher haben die Befragten auch „den Mythos vom Koffein-Kick nach dem Espresso“ widerlegt: Mit 29 Prozent konnte fast jede(r) Dritte nach dem kleinen Schwarzen ohne Probleme einschlafen, bevor die Wirkung einsetzt. Für 23 Prozent der Befragten hängt der Effekt von der jeweiligen eigenen Tagesform ab. Spannend sind die Antworten auf die Frage, ob man einen Lieferdienst in Anspruch nehmen würde „der Ihnen morgens den Kaffee direkt ans Bett bringt“, also ultimative Convenience. Zwar heben die Macher des Trendreports hervor, dass eine klare Mehrheit von 68 Prozent „auf diese Dienste bis an die Bettkante verzichten“ würde. Allerdings ist durchaus bemerkenswert, dass immerhin bereits sieben Prozent meinten, das wäre großartig. 13 Prozent würden das ab und zu machen, wenn es bequem ist und zwölf Prozent würden das immerhin in Anspruch nehmen „nur, wenn der Kaffee gut ist“.
Das morgendliche Ritual
„Das morgendliche Ritual ist heilig - und eine Privatangelegenheit. Kaffee und los“, so kommentieren die Befragungsmacher diese Ergebnisse und außerdem die Tatsache, dass für über die Hälfte der Kaffeetrinkenden der erste Kaffee den Startschuss in den Tag (59 Prozent) und er für knapp ein Drittel (32 Prozent) den letzten Ruhemoment vor dem Tagessturm bedeute. Dazu, ob das so wirklich der Fall ist, könnte man in der Convenience-Branche durchaus anderer Meinung sein. Für viele der Convenience-Kunden finden nämlich der Startschuss in den Tag und die letzten Ruhemomente vor dem Tagessturm im Shop-Bistro oder im Auto statt – nach dem umgekehrten Motto „Los und Kaffee“.
Genuss in der Pause
Und wann wirkt Kaffee am besten? Laut den Befragten vor allem, wenn man etwas genießen möchte (53 Prozent), wenn man eine Pause braucht (49 Prozent) oder müde ist (31 Prozent). Beim Thema Kaffee und Nachhaltigkeit gibt es laut Trendreport deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Während fast die Hälfte der 22- bis 35-Jährigen angab Nachhaltigkeitssiegeln zu vertrauen (48 Prozent), liegt dieser Anteil bei den über 65-Jährigen nur bei 21 Prozent. In der Gesamtheit der Befragten vertrauen derzeit nur 32 Prozent den Nachhaltigkeitssiegeln auf den Kaffeeprodukten. Bei denjenigen Kaffeetrinkenden, die keinen nachhaltig produzierten Kaffee kaufen, ist offenbar der Preis für diese Entscheidung verantwortlich (46 Prozent). 19 Prozent geben an, zu wenig Informationen zu haben, um nachhaltigen Kaffee zu kaufen und 18 Prozent der Kundinnen und Kunden fehlt das Vertrauen in die verwendeten Siegel.