Tabakwaren Drei Fragen an zwei Insider - Bernd Eßer

Jonny Natelberg, bei Lekkerland für die politische Kommunikation verantwortlich, und Bernd Eßer, Geschäftsführer der DTV-Tabakwaren-Vertriebsgesellschaft, sind Vordenker. Convenience Shop befragte sie zur kurzfristigen Umsetzung der TPD und zur langfristigen Ausrichtung der Warengruppe Tabak.

Donnerstag, 05. September 2013 - Tabak
Ulrike Pütthoff
Artikelbild Drei Fragen an zwei Insider - Bernd Eßer

Inhaltsübersicht

Bernd Eßer:

1: Die in Großunternehmen geläufige Erkenntnis: ‚Jemand wird bis zu seiner absoluten Inkompetenz befördert, eher er abstürzt.‘, könnte man auf die EU und deren Umgang mit der Tabakrichtlinie übertragen. Hier drehen Politiker und Beamte an Stellschrauben, bis die schließlich absolut überdreht sind. Vor diesem Punkt stehen wir bei der aktuellen Verschärfung der TPD.

Die Entsachlichung im Umgang mit Tabak feiert Triumphe. Da wird der englische Premier von seinen australischen Ministerkollegen beschimpft, weil er (zunächst) nicht das australischen Beispiel bei den Zigarettenpackung umsetzten lässt. Die Diskussion über den Umgang mit Tabakprodukten ist in der EU zu einem Glaubensthema hochstilisiert worden, mit Gesundheitsaktivsten in der Rolle der Radikalen. Packungen ohne Markenlogo oder ohne erkennbare Markenoptik erinnern an Zeiten der chinesischen Kulturrevolution. Wieder wird Gleichmacherei als Heilmittel gepredigt. Die Chinesen haben diesen Irrweg längst verlassen. Der riesige Beamtenapparat der EU sieht sich aber anscheinend in der Zusammenarbeit mit Gesundheitsaktivisten berufen, den Menschen in der EU immer strenger Vorschriften machen zu dürfen. Wie soll er auch sonst seine Daseinsberechtigung nachweisen.

2: Was die Zukunft der Warengruppe Tabak angeht, sehe ich wachsenden Ärger und auch eine Zunahme der Erkenntnis, dass sich die EU weit über die ihr übertragenen Rechte Regelungskompetenz anmaßt ... und dabei auch Markenrechte ignoriert. Man muss also fragen: Wann erkennen die deutschen Abgeordneten, dass sie von der EU kaltgestellt werden? Auch die Raucher werden ihre wachsende Bevormundung nicht endlos hinnehmen. In der mittleren Altersgruppe rauchen rund 40 Prozent der Deutschen. Damit ist doch klar, dass man eine so große Gruppe nicht einfach wegdrangsalieren kann. Tabak ist eines von mehreren legalen Genussmitteln unserer Gesellschaft, dem genussfeindliche Gruppen den Kampf angesagt haben. Nicht nur bei Tabak sollen wir künftig immer mehr bevormundet werden. Hinzunehmen ist das nicht. Im Einzelhandel glaube ich erkennen zu können, dass die Probleme bei den Kosten wachsen und damit bei den Erträgen. Kleine Einzelhändler stehen vor der Herausforderung ihres Lebens. Selbstständigkeit wird zu einem wachsenden Risiko. Händlern muss es darum gelingen, mit dem richtigen Sortiment und Serviceleistungen die Kunden zu binden. Tabakwaren als Frequenzbringer werden ihre Position behaupten.

3: Solange am PoS die Präsentation von Tabakwaren nicht verboten ist, wird sich in den Regalen kaum etwas ändern. Auch an Packungen mit Schockbildern wird sich ein Raucher gewöhnen, wie er sich an die Warnhinweise gewöhnt hat. Ihre Frage zielt wohl auf etwas anderes. Wie gehen Hersteller mit großflächigen Schockbildern auf den Packungen um? Will man die Packungen wie bisher im Regal platzieren? Kann man die Packungen vielleicht legen ... und man sieht dann nur den Markennamen auf dem Kopf der Packung? Die Frage geht also an die Industrie.

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Bild öffnen Bernd Eßer, DTV-Tabakwaren-Vertriebsgesellschaft