18 Jahre Convenience Shop Das Interview

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Zum 18. Geburtstag stellte die Redaktion von Convenience Shop ihren Chef Hans Jürgen Krone vor eine besondere Herausforderung: Konnte er Lekkerland-Chef Michael Hoffmann im Interview Rede und Antwort stehen? Hoffmann, dessen Jugendtraum sich einmal um den Beruf des Journalisten drehte, machte den Rollentausch mit.

Herr Krone, Sie haben Convenience Shop mit aus der Taufe gehoben. Wenn Sie zurückblicken, was waren für Sie die größten Highlights bzw. die erfolgreichsten Themen?

Es gab jedes Jahr mal große sowie kleinere Höhepunkte. Da könnte ich jetzt sehr viel aufzählen. Eine Herausforderung war mit Sicherheit bereits der Start von Convenience Shop. Natürlich kannten die Deutschen schon Shops, aber in dem Sinne nicht den Begriff Convenience. Auch die Fachwelt war gespannt, aber sehr kritisch. Wirklich inspirierend war später auch der Start unseres Wettbewerbs Shop des Jahres. Wir haben damit unseren Anspruch, dem Leser echten Nutzwert zu bieten, fortgeschrieben: aus der Praxis für die Praxis. Wir werten es auch als Erfolg, nach 18 Jahren noch am Markt zu sein und unsere Position zu halten, denn man prognostizierte uns damals eine kurze Lebensdauer. Jeder sprach von Convenience als ein Modethema und fragte sich, wie lange das gut geht. Aber wir haben daran geglaubt und tun das auch heute noch.

Wie haben Sie den Begriff Convenience mit Inhalten aufgeladen?

Wir mussten nur tiefer in die Materie einsteigen. Mitte der 90er-Jahre lief es im Retailbereich nicht so gut. Als die Verantwortlichen der Sache auf den Grund gingen, stellten sie fest, dass in dieser Branche noch Mrd.-Umsätze gemacht wurden, die niemand so richtig auf dem Schirm hatte. Alle sprachen nur von Non-LEH oder No-Nielsen, weil die Shops nicht so richtig in ein Raster passten. Mit Convenience-Pionieren wie Wiegner & Weber oder Koidl & Auer haben wir gemeinsam nach einem Namen gesucht. Das Vorbild aus den USA, der so genannte Convenience-Store, erschien uns passend. Wir konnten unser Magazin aber nicht so nennen, weil es das in England schon gab. Also haben wir uns für Convenience Shop und eine nutzenorientierte Berichterstattung entschieden.

Sie bringen acht Mal im Jahr ein Heft heraus. Wie läuft bei Ihnen die Themenfindung?

Bei Convenience Shop ist es etwas Besonderes, weil wir so ziemlich die einzigen sind, die sich um diese Branche wirklich kümmern, also müssen wir die Themen selbst entwickeln. Da wir als Team schon lange zusammenarbeiten, werfen wir uns die Bälle zu. Wenn Sie so wollen, ist es ein permanentes Brainstorming: Jeder von uns spürt etwas auf oder hat bestimmte Dinge im Fokus. Diese Gedanken spinnen wir gemeinsam weiter oder – und das kommt auch vor – verwerfen sie. Die Ideen gehen uns nicht aus. Schwieriger ist es, rechtzeitig zu erkennen, wie wichtig oder eben uninteressant Themen sind. Entscheidend dabei ist immer wieder dieser Nutzeneffekt. Unser Anspruch ist, dass jeder Leser in jedem Heft vier, fünf Dinge finden soll, die er wirklich für sein Geschäft braucht.

Das klingt nach Diskussionen. Streiten Sie sich auch schon mal?

Wir diskutieren heftig. Das versteht sich auch von selbst, denn jeder geht unterschiedlich an die Aufgaben heran. Wenn wir uns streiten, dann über einzelne, in der Regel große Geschichten. Das muss auch so sein. Wer seine Geschichte nicht verteidigt, dem ist sie egal. Das kommt bei uns nicht vor.

Gibt es Innovationen, ein Produkt, Lösungen, ein Thema von denen Sie sagen können, das haben wir eigentlich für die Branche entdeckt?

Ich denke, wir waren oft Wegbereiter und bei einigen Fortschritten dabei. Wir haben beispielsweise viele Jahre lang Leserreisen zur Convenience-Messe Nacs-Show in die USA veranstaltet. Während dieser fünf Tage ist so manches Konzept für den deutschen Markt geboren worden. Ich bin viel in Sachen Convenience unterwegs und nehme an konzeptionellen Gesprächen in Unternehmen teil. Leider darf ich in solchen Fällen manchmal nicht darüber schreiben, weil es oft „ans Eingemachte geht“. Aber als Fachzeitschrift brauchen wir dieses Vertrauen der Menschen und Unternehmen, um wirklich sinnvoll arbeiten zu können.

Wenn Sie einen Blick in die Zukunft wagen, wie müssen sich Shop-Formate entwickeln, um sich großflächig, also national aufstellen zu können?

Ich bin mit meinen diesbezüglichen Wünschen bescheidener geworden. Vor 18 Jahren hatten wir erwartet, dass wir 2013 in Sachen Shops deutlich weiter sind, also mit dem perfekten Sortiment, der optimalen Mischung aus Handel, Gastronomie und Dienstleistung, unter dem Dach von Retail-Marken, denen man blind vertraut. Das haben wir außerhalb der Tankstellen-Shops noch nicht erreicht. Es gab schon gute Ansätze, die vielleicht ihrer Zeit voraus waren und im Sande verlaufen sind. Aber auch gesellschaftspolitisch wäre es wichtig, für die Region oder auf dem Lande Konzepte auf hohem modernem Niveau zu haben. Wir unterhalten uns über Vertriebsschienen, die lokal oft noch funktionieren, weil die Betreiber zur Selbstausbeutung tendieren. Bei den Kiosken ist das nicht anders, und obwohl sie schon lange totgesagt sind, sehe ich gute Chancen für sie. Sie müssen ihre Verkaufsstellen so konzipieren, dass jeder halbe Regalmeter zum Umsatz beiträgt. Das ist nicht aus dem Hand gelenk zu schaffen, und man braucht auch etwas Fachkenntnisse.