Wandel der Shop-Designs Nicht von der Stange

Natürlich haben sich die Shop-Designs seit den 90er Jahren drastisch verändert. Als der Convenience-Boom über Deutschland kam, waren es zunächst die Mineralölgesellschaften, die erkannten, dass sie von diesem Markt profitieren konnten.

Und schon bald war den verantwortlichen Shop-Managern in den Zentralen klar, dass es mit einfachen Metall-Regalen, die lieblos mit Lebensmitteln bestückt wurden, nicht getan war. Die Kunden in den C-Stores wollten mehr, als schnödes Supermarkt-Ambiente. Hinzu kam, dass sich die ersten Shops auf Grund des einfach gehaltenen Shop-Designs kaum voneinander unterschieden. Meist nur durch die eine, der Marke entsprechend dominierenden Farbe. Udo Strömer, Geschäftsführer von Stracke-Ladenbau, fasst es wie folgt zusammen: „Vor 18 Jahren war der Tankstellen-Shop ein meist clean anmutender, sachlich-regalierter Raum. Möglichst vollgepackt, um als Nah- und Notversorger zu agieren.“ Bis zur Liberalisierung der Öffnungszeiten im Lebensmittel-Einzelhandel drehte sich tatsächlich im C-Store ziemlich viel um die Notversorgung nach Ladenschluss. Ausstattung und Sortimente wurden entsprechend angepasst. Josef Walz von S-iQ ist denn auch überzeugt, dass sich die Situatio n für die Ladenbauer vor allem durch die veränderten Öffnungszeiten gewandelt hat.

Die Liberalisierung erforderte mehr Kreativität, um weiter die bis dato wichtig gewordenen Zusatzumsätze zu generieren. Die convenienten Einnahmequellen waren für die Öl-Multis und natürlich auch die Shop-Betreiber inzwischen unverzichtbar. Eine echte Chance für die Ladenbauer, denn jetzt war Ambiente gefragt. Nicht Notversorgung, sondern Aufenthalts-Qualität spielte ab sofort eine immer größere Rolle. „Ein wichtiger Punkt war die Weiterentwicklung der Back-Shops“, ist Thomas Kirchhoff, Geschäftsführer der Thiem Shop-Einrichtungen, überzeugt. Immerhin seien daraus ja auch die heutigen Lounge-Bereiche entstanden. Sylvia Reyers, Geschäftsführerin von Carstens Shop-Einrichtungen stößt ins gleiche Horn: „Als die ersten Bistro-Konzepte an Tankstellen umgesetzt wurden, haben die anderen Gesellschaften sehr schnell nachgezogen und die Shops wesentlich aufwändiger umgebaut. Vor 18 Jahren hat sich bestimmt noch niemand vorstellen können, dass wir heu te an Tankstellen und anderen C-Stores ein derart umfangreiches Food-, Getränke- und Bistro-Sortiment vorfinden“, sagt Reyers.

Heute werde viel mehr Wert auf angenehmes Ambiente gelegt. „Deshalb kommen insbesondere im Bistro- und Verweilbereich schöne Holzdekore und andere wertige Materialien zum Einsatz“, so die Geschäftsführerin, die das Convenience-Geschäft seit Beginn aus der Perspektive des Ladenbauers beobachtet. Besonders stünden in jüngster Zeit Lounge-Bereiche im Fokus, die sehr individuell gestaltet sind und dem Kunden die sprichwörtliche Wohlfühlatmosphäre vermitteln soll, um länger im Shop zu verweilen, sagt Kirchhoff von Thiem Shop-Einrichtungen. Einfache Essbuden oder Behelfs-Bistros gehörten heute endgültig der Vergangenheit an, teilt Josef Walz mit.

Mit schickem Ambiente und tollen Materialien allein ist es heute aber auch nicht getan: Die Ladenbauer müssen sich immer mehr mit Themen wie beispielsweise Nachhaltigkeit, Authentizität, Natürlichkeit und Regionalität oder Energieeffizienz auseinandersetzen. Auch hier sind die Ansprüche enorm gestiegen. „Sozio-kulturelle Trends“ nennt das Ladenbauer Aichinger. Alles das muss sich in Neu-Konzeptionen niederschlagen. Josef Walz von S-iQ: „Heute geht es um schlüssige Foodkonzepte, eingebunden in klare architektonische Strukturen“. In diesem komplexen Themenumfeld brauche es heute hochspezialisierte Shopeinrichter mit Kompetenz in Architektur, Gastronomietechnik, Kühl- und Klimatechnik, Lichtgestaltung und vieles mehr.

Dass bei allem auch individuelle unterschiedliche Standort-Bedingungen des einzelnen Shops Berücksichtigung finden, ist dabei eine Selbstverständlichkeit. Auch hier tragen die Ladenbauer Verantwortung. Denn was nutzt die schönste Lounge, wenn das Publikum fehlt. Immer noch sind die Unterschiede zwischen ländlichen Regionen und den Metropolen enorm, was wiederum der Individualisierung des Ladenbaus Vorschub leistet. Ausstattung von der Stange wollen weder die C-Store-Kunden noch die Shop-Betreiber.

Aber die deutlich gestiegenen Anforderungen haben auch ihren Preis. Und da im Moment niemand so richtig weiß, wohin sich der Convenience-Markt die kommenden Jahre bewegt, halten sich viele mit Investitionen zurück. Natürlich kann sich das ganz schnell ändern, und darauf sind die Ladenbauer vorbereitet. „In den nächsten fünf bis zehn Jahren haben viele Tankstellen- und C-Store-Betreiber noch einen gewissen Nachholbedarf“, ist sich Sylvia Reyers sicher. „Noch längst nicht alle Stores sehen heute so aus, wie es der Kunde erwarten kann“, sagt sie.

Thiem-Geschäftsführer Thomas Kirchhoff glaubt, dass das Dienstleistungsangebot in den Stores in den kommenden Jahren deutlich zunehmen wird. Außerdem ist er überzeugt, dass sich auf Grund der medialen Angebote wie Internet etc. die Aufenthaltsdauer in den Stores bzw. Bistros und Lounges deutlich erhöhen wird. Josef Walz glaubt fest daran, dass sich der Markt rasant entwickeln wird. „Wir werden eine verstärkte Markenbildung sehen. Außerdem wird die Filialisierung und das Franchising zunehmen.“ Beim Ladenbauer Aichinger ist man überzeugt, dass sich Gastronomie und Convenience-Konzepte künftig enger mit dem Handels-Sortiment verknüpfen werden.