Kleinfläche Der Mini-Tegut

Das Lädchen für alles ist ein Treff- und Mittelpunkt für Einkäufe des täglichen Bedarfs, für Gespräche und soziale Kontakte. Die Pläne, die Tegut dafür hatte, will die schweizerische Muttergesellschaft, die Migros, weiterverfolgen und umsetzen.

„Tegut, das Lädchen für alles“ ist für den osthessischen Lebensmittelhändler ein Randgeschäft. Teguts neue Eigentümerin, die Schweizer Migros Zürich Handelsgenossenschaft, ist derzeit auf anderen Baustellen unterwegs, als die volle Kraft auf den Nahversorger-Typ zu legen. Schwerpunkt sind die knapp 300 Tegut-Supermärkte mit ihrer starken Bio-Ausrichtung. Diese Filialen muss Migros wieder in die Gewinnzone bringen. Dass die derzeit 21 Lädchen in Niedersachsen, Hessen, Thüringen und Nordbayern dabei vorerst nicht im Fokus stehen, liegt angesichts der Umsatzgewichtung auf der Hand.

Trotzdem will die Migros auch den Kleinflächen künftig die gebührende Beachtung schenken. Von Aufgabe kann momentan nicht die Rede sein. Nahversorgung der Region mit Produkten aus der Region gehöre zur Strategie. Das Lädchen-Konzept sei eine zeitgemäße Neuschöpfung einer Verkaufsform, die es so nun seit drei Jahren gibt, sagen die Schweizer. Sie arbeiten weiter an der Expansion und wollen die von Tegut geplanten Objekte realisieren, also noch sechs Lädchen in diesem Jahr neu eröffnen. Für weitere Standorte in 2014 laufen bereits Gespräche.

Allerdings müsse der Impuls, also Anfrage und Engagement, von den Menschen vor Ort kommen. Denn nur dort, wo ein wirklicher Bedarf für Nahversorgung gegeben ist, könne ein „Tegut Lädchen für alles“ nachhaltig bestehen. Leider hätten die vergangenen drei Jahre auch gezeigt, dass nicht hinter jeder Anfrage auch wirkliches Interesse besteht.

Im Unterschied zu den großen Tegut-Märkten geht die Migros bei den Lädchen aber auch kein großes Risiko ein, denn sie bzw. ihre Fuldaer Tochter ist nicht Betreiber, sondern liefert die Waren und bietet die konzeptionelle Basis. Tegut hat dieses Vertriebsmodell entwickelt, um in jenen Orten die Nahversorgung zu sichern, wo andere Lebensmittelhändler sich zurückgezogen haben. Hilfe zur Selbsthilfe also. Für die betreibenden Personen oder Organisationen (etwa Vereine, Werkstätten oder Initiativen zum Teil auf ehrenamtlicher Basis) aus dem jeweiligen Ort sind die Risiken ebenfalls begrenzt, denn die von Tegut gelieferte Ware bleibt bis zum Verkauf in ihrem Besitz. Das heißt keine Vorkasse für die Betreiber.

Damit Menschen mit gemeinsamem Engagement auch in kleineren Ortschaften einen Supermarkt eröffnen können, hat Tegut drei Modelle mit Verkaufsflächen von 100 bis 300 qm entwickelt. Je nach Standort sollten auf der Fläche bis zu 7.000 Artikel angeboten werden, ergänzt um Dienstleistungen wie Poststelle, Lotto, Reinigungsannahme, Schuhreparaturen usw. sowie einen Treffpunkt für die Ortsbewohner.

Bei der kleinsten Variante liegt das Umsatzpotenzial bei etwa einer halben Mio. Euro. Das Kiosk-ähnliche Konzept biete dem Betreiber maximal einen Zusatzverdienst. Hier stehe weniger die Markt- als vielmehr die Trefffunktion im Fokus. Mit der nächsten Marktgröße soll bei einem Jahresumsatz von 700.000 Euro ein Kostendeckung plus kleiner Rendite möglich sein. Ergänzend zur Lebensmittel-Grundversorgung gibt es ein umfangreiches Dienstleistungsangebot. Allerdings sei auch in diesem Falle eine kontinuierliche Unterstützung durch die Gemeinde erforderlich. Last but not least die große Variante, die eine eingeschränkte Vollexistenz zulasse. Ihre Lebensmittel-Versorgung mit großer Frischeabteilung wird durch zahlreiche Dienstleistungsangebote ergänzt.

Doch das Lädchen-Konzept hat auch seine Grenzen. Es sei nicht einfach 1 : 1 umsetzbar, sondern immer individuell auf den Ort bzw. die Gemeinde und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort abzustimmen. Grundsätzlich orientiert sich die Ausrichtung an den großen Tegut-Märkten und unterliegt einer ständigen Entwicklung.

Fotos: Tegut