Biermarkt Keine Lust auf ein zweites Bier?

Das Wetter spielte mit, die Kundschaft nicht. Deshalb ging der Bier-Absatz deutschlandweit zurück. Die C-Stores konnten sich behaupten. Die Krise zwingt jedoch, zu handeln.

Montag, 08. Dezember 2025, 06:38 Uhr
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Bildquelle: Veltins

Selten war die Marktsituation für die deutschen Brauereien so herausfordernd, wie bisher in diesem Jahr. Von einer deutlich schwächeren Nachfrage betroffen, waren in den vergangenen Monaten sowohl führende Brauereien als auch kleinere Branchenunternehmen. Beispiele dafür sind etwa der bundesweite Anbieter Oettinger oder auch die hessische Regionalbrauerei Hütt. Oettinger teilte in der zweiten Novemberhälfte mit, die Produktion am Standort Braunschweig endgültig einstellen zu wollen. Als Grund nannte das Unternehmen sinkende Absätze neben der veralteten Technik. Die Produktion werde nach Mönchengladbach und Oettingen verlagert. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Standort Gotha dicht gemacht. Symptomatisch für die Branchensituation ist auch die Liquidation der 270 Jahre alten Hütt Brauerei. Zwar konnten zwei Brauerei-Marken verkauft werden, aber eine Nachfolge fand sich für die Traditionsbrauerei insgesamt nicht.

„Außerordentlich herausforderndes Geschäftsjahr“

In die eigenverwaltete Insolvenz gehen, musste die Mannheimer Eichbaum-Brauerei, die allerdings seit über zwanzig Jahren in turbulentem Fahrwasser ist. Als eine der Folgen der Zahlungsunfähigkeit, verkaufte das Unternehmen in der zweiten Oktoberhälfte die Marke Karamalz an die Veltins-Brauerei. Schon seit dem vergangenen Jahr führte Veltins für Eichbaum den nationalen Vertrieb der Karamalz-Produkte durch. Nun wollen die Sauerländer neben der Marke auch die Produktion übernehmen.

Veltins hat sich zu diesem Schritt entschlossen, obwohl das Brauerei-Unternehmen in Grevenstein ebenfalls ein „außerordentlich herausforderndes Geschäftsjahr“ erlebt, wie Rainer Emig, Geschäftsführer Vertrieb gegenüber Convenience Shop bestätigt. Es gebe im Markt einen „historischen Ausstoßverlust“. Das Wetter sei zwar biertauglich gewesen, die Stimmung im Lande aber leider nicht. „Die Brauereien leiden an der Seite von Gastronomie und Handel, die gleichermaßen eine schwächelnde Verbrauchernachfrage hinnehmen mussten. Kein Halbjahr der deutschen Brauwirtschaft war seit der Wiedervereinigung verlustreicher als 2025“, führt er weiter aus. Dennoch sieht Emig die Sauerländer Brauerei gut aufgestellt. „Wir können uns glücklich schätzen, dass die Brauerei C. & A. Veltins deutlich über Markt liegt. Wir hoffen diesbezüglich auf ein erfreuliches Weihnachtsgeschäft, wissen aber sehr wohl, dass wenige Wochen einen Biermarkt nicht aus den Angeln heben können“, äußert er sich leicht optimistisch.Aus der Sicht der Veltins-Brauerei habe sich auch der Convenience-Kanal sehr gut geschlagen, berichtet Emig. Die klare Ausrichtung der meisten Shops erfülle die Anforderungen, die die Verbraucherschaft heute an diesen Channel stelle, urteilt der Vertriebs-Chef.

Und auch für Veltins gibt es offensichtlich trotz eines schwierigen Jahres gute Nachrichten. Rainer Emig kann jedenfalls von einer positiven Entwicklung bei zwei Marken-Newcomern berichten, die die Performance der Sauerländer gestützt haben. „Erfolgsgarant war das Pülleken, das inzwischen bereits einen respektablen Anteil von rund zehn Prozent am Gesamtausstoß erreichen konnte. Im Sortenranking liegt es national auf Platz drei und es ist NRW-weit Marktführer“, freut er sich. Und auch der jüngste Marken „Sprössling“ scheint im Sommer gut gestartet zu sein: „Der Handel war vom Zitrönken ebenso überrascht wie die Verbraucherschaft. “ Es sei erstmals gelungen, zur Line-Extension eine neue Marke zu schaffen und damit auf die optische Kraft der Alleinstellung zu setzen, beschreibt er das Vorgehen.

Karamalz-Produktion im Sauerland

Zu den Vorgängen rund um die Übernahme von Karamalz durch Veltins äußert sich Emig allerdings vorsichtig. Zunächst hatten die Sauerländer die Vertriebspartnerschaft im Umfeld der Eichbaum-Insolvenz aufgekündigt. Erst in einem zweiten Step kam es zur Übernahme der Malzbier-Marke. Dazu der Veltins-Geschäftsführer: „Veltins hat die Markenrechte an der Traditionsmarke Karamalz übernommen, um das Markenspektrum um eine der bekanntesten alkoholfreien Malztrunk-Marken Deutschlands zu erweitern.“ Zugleich integriere der Veltins-Vertrieb die Marke Karamalz in ihr auf die Bedürfnisse der Verbraucherschaft fokussiertes Produktportfolio. Nun führe man die alleinige Regie bei der Fortentwicklung der Distribution in Handel und Gastronomie. „Angesichts der erheblichen Mengen- und Marktbedeutung von Karamalz im Malztrunk-Segment, können wir fortan mit einer veritablen Marke in unseren Vertriebskanälen punkten“, so Emig. Zugleich trage Veltins dafür Sorge, dass die baldige Überführung der Produktion von Karamalz ins Sauerland und die marktgerechte Rampenverfügbarkeit stattfinden kann. „Wir sind da auf einem sehr guten Weg“, meint der Vertriebschef.