Bildquelle: Aral, Rewe

Aral+Rewe Zufrieden, trotz der Kreativ-Pause

Allen Unkenrufen zum Trotz sehen Aral und Rewe ihre Kooperation in Tankstellen-Shops als Erfolg. Das halbe Jahr Pause bei der Expansion von Rewe to go im Aral-Netz wollen die Partner nach eigenem Bekunden dazu nutzen, an zahlreichen Stellschrauben zu drehen.

„Wenn bei Rewe alles so gut laufen würde, wie diese Zusammenarbeit, dann wären wir sehr entspannt,“ sagte Rewe-Chef Lionel Souque im Rahmen der Jahrespressekonferenz seines Unternehmens. Alles sei gut bei der Kooperation von Rewe to go mit der Aral. Gefragt hatte Convenience Shop, was an den Berichten, man habe das Projekt zunächst einmal auf Eis gelegt, dran sei. Ihm seien die Meldungen„ein Rätsel“, sagt Souque. Natürlich habe man auch gelesen, dass die Pächter von Aral unzufrieden seien und dass man Probleme habe. „Wir kriegen immer ganz andere Rückmeldungen von Aral“, meinte dazu Souque. Er könne nur sagen: „Wir sind mit der Zusammenarbeit zufrieden, die Kollegen in Bochum sind zufrieden und die meisten Pächter sind auch zufrieden“. Warum die wenigen, die nicht zufrieden seien, so eine Bühne bekämen, wisse er auch nicht. Er frage sich inzwischen, „machen das die Konkurrenten, um uns zu schaden?“

Nicht alles ist perfekt
Dennoch bestätigte der Rewe-Boss, dass man sich eine Kreativ-Pause gegönnt habe. „Denn das heißt nicht, dass wir alles perfekt machen“, räumt Souque ein. Schließlich habe man in einem „Riesentempo“ mit Aral 450 Läden aufgemacht. Auch bei den Rewe-Märkten habe man vor zwei Jahren die Expansion für ein Jahr gestoppt, um die Konzepte zu optimieren. Daraus sei dann das neue Konzept „2020“ entstanden. Jetzt sei man ähnlich bei Rewe to go an Aral-Tankstellen vorgegangen. Natürlich sei Rewe nicht entgangen, dass andere Betreiber in Europa im Shop-Geschäft vielleicht im Detail einige Dinge besser machten. Deshalb habe man sich eben auch entschlossen, beim Ausbau des Netzes eine sechsmonatige Pause zu machen. Diese werde jetzt von einem „starken Team aus den Bereichen Sortimente, Layout und Design“ dazu genutzt, die Dinge voranzubringen. Noch in diesem Jahr würden bis Dezember bei Aral noch 85 neue Shops eröffnet und im kommenden Jahr weitere 200.

Aral äußert sich öffentlich
Wohl um der negativen Berichterstattung den Boden zu entziehen, hatte sich auch Aral nach längeren Schweigen dazu entschlossen, sich kurz vor der Rewe-Pressekonferenz zum Thema öffentlich zu äußern: Kern der Stellungnahme: Die Kooperation ist ein Erfolg. „Im Durchschnitt verzeichnen die Rewe to go-Shops in den bereits umgestellten Stationen ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent im Vergleich zum vorherigen Shopangebot unter der Marke PetitBistro“, so Aral. Das war wohl auch für Souque neu. Er habe auch erst aus der jüngsten Pressemeldung von Aral erfahren, dass in den bereits umgestellten Stationen ein solches Ergebnis erzielt wurde, sagte er gegenüber unserem Magazin. Wie es mit dem Projekt Aral/Rewe to go jetzt weiter geht, erläuterte Rainer Kraus, Leiter Convenience-Trading bei Aral, in einem exklusiven Interview mit Convenience Shop. Ab Juli 2019 soll der Bau von Rewe to go-Shops an Aral-Tankstellen fortgesetzt werden, sodass die Gesamtzahl bis Ende des Jahres auf insgesamt 550 erhöht wird. Zweifel am Sinn der Partnerschaft gibt es offenbar auch von Seiten der Aral nicht. „Wir sind mit den Leistungen von Rewe sehr zufrieden, sie erfüllen vollumfänglich die bei Vertragsunterzeichnung getroffenen Vereinbarungen“, sagt Kraus. Doch zur Kreativpause gehört offenbar auch, dass alle möglichen Bereiche der Kooperation auf dem Prüfstand stehen und an den Stellschrauben gedreht wird. „Wir schauen uns gemeinsam die Abläufe vom Rewe Lieferlager bis zum Tankstellenpartner genau an, und arbeiten an einer optimierten Bestellsystematik bis hin zur Warendisposition“, so Kraus weiter. Verbessert werden sollen demnach auch das komplette Angebot, aber auch „die Prozessabläufe des Rollouts.“

Herausforderung für die Beteiligten
Aus dem Interview klingt zumindest indirekt heraus, dass Aral auch für die Probleme seiner Partner vor Ort Verständnis hat. Es gebe viele neue Prozesse, die auch den Alltag an einer Tankstelle neu ordnen. Es ist eine Herausforderung für alle Beteiligten, sich darauf einzulassen. „Dazu gehört auch, in der Phase des Übergangs mit Unsicherheit umgehen zu können“, sagt Kraus. Was die Zusage von Kraus „hierbei werden wir unsere Partner noch mehr unterstützen“ konkret bedeutet, bleibt einstweilen offen. Ein Knackpunkt bei den Problemen ist sicherlich das große Frische-Angebot in diesen Shops. Kraus: „Dabei handelt es sich tatsächlich um eine anspruchsvolle Aufgabe.“ Das Angebot sei Neuland für alle Beteiligten. Das bedeutet, laut Kraus, „dass wir auch Fehler machen, die es zu beheben gilt und wir immer wieder neu dazulernen.“

Gearbeitet werden muss in diesem Zusammenhang offensichtlich an der Kundenakzeptanz. Der Umsatz mit Frische-Produkten habe sich gegenüber dem Beginn zwar bereits verzehnfacht, hinke aber hinter den Erfolgen dieser Sortimente in anderen Ländern immer noch deutlich hinterher. Ein gewisses Defizit gab es bisher offenbar auch bei den richtigen Standard-Sortimenten für jeden Shop, obwohl Kraus betont, „Wir erzielen sehr gute Erfolge in den Warengruppen, die immer schon zu unserem Angebot gehört haben.“ Jetzt wolle man allerdings die Sortimente noch gezielter auf das jeweilige lokale Umfeld anpassen, so die Aussage. Das passt zu den hier und da aus dem Netz zu hörenden Klagen der Betreiber vor Ort, dass einzelne aber dennoch für den Shop wichtige Produkte vom System nicht ausreichend berücksichtigt wurden und zum Teil von anderen Lieferanten beschafft werden müssten.

Zumindest ein wenig ins Wanken geraten könnte auch die, gemäß des Namens, fast ausschließliche Ausrichtung der Rewe-Shops auf To go. Angesichts der Erfolge, die andere Tankstellen-Betreiber hier und da mit Sitzgastronomie erzielen, sicherlich keine abwegige Überlegung. Grundsätzlich bleibt die Aral aber offenbar bei ihrer Meinung, dass das mangelnde Parkplatzangebot an den meisten Aral-Tankstellen eine längere Verweildauer der Kunden im Shop weder praktikabel noch wirklich wünschenswert macht. Die Erreichbarkeit der Tankstelle müsse gewährleistet sein. Zumindest hat man sich laut Kraus jetzt vorgenommen, „wo immer es der Platz erlaubt, auch im Rewe to go die Verweilmöglichkeiten verbessern“ zu wollen. Dort wo Speisen aus Bistro und Heißvitrine besonders stark nachgefragt werden, sollen die Kunde deshalb wohl künftig zusätzliche Tische vorfinden.