Bildquelle: Martin Heiermann

Q1 Lieber mit einer B-Marke

Nach vielen Jahren der Vorbereitung wurde in Bonn jetzt eine neue Q1 Tankstelle eröffnet. Doch beim Shop muss noch nachgearbeitet werden. Eigentümer Thomas Scherer sucht weiterhin nach passenden Lieferanten.

Seit einigen Wochen gibt es im südlichen Nordrhein Westfalen, in Bonn, eine Q1 Tankstelle. Doch nicht auf die Initiative der Tankstellengesellschaft aus Osnabrück ist es zurückzuführen, dass in der ehemaligen Bundeshauptstadt die neue Station jetzt eröffnet wurde. Thomas Scherer, Eigentümer und Betreiber der Tankstelle, arbeitete zwölf Jahren daran, den Standort entstehen zu lassen. Schwerer entstammt einer Familie, die bereits in der dritten Generation in diesem Geschäft zu Hause ist. Er ist quasi in einer Tankstelle aufgewachsen, wie er im Gespräch mit diesem Magazin erzählt. Sein Vater und auch sein Großvater sind und waren Inhaber einer Tankstelle ebenfalls im rechtsrheinischen Bonn-Beuel, nur einige hundert Meter Luftlinie von dem jetzt eröffneten Standort entfernt. Allerdings liegt die alte Station in mitten eines Wohngebiets, hat so gut wie kein Expansionspotenzial und ist durch städtebauliche Maßnahmen auf längere Sicht in ihrer Existenz gefährdet.

Der richtige Platz für eine Tankstelle
Deshalb schaute sich Scherer schon vor Jahren nach einem geeigneten Grundstück für eine Neugründung um. Und wurde fündig. Die neue Tankstelle liegt in einem Gewerbegebiet, umgeben von Wohngebieten – auch solchen, die in den kommenden Jahren noch entstehen sollen – in unmittelbarer Nähe einer Bundesstraße. Doch von dieser Schnellstraße aus, ist das Gelände der Q1 Station nicht direkt zu befahren. Ein breiter Grünstreifen liegt dazwischen. Autofahrer erreichen die Station nur über zwei Nebenstraßen. Scherer hofft jedoch, dass in den kommenden Jahren eine Anbindung zustande kommen wird. Planungen dafür gebe es bereits. Doch auch ohne Anbindung ist sich der Betreiber sicher, den richtigen Platz für seine Tankstelle gefunden zu haben.

Weder mit Shell noch mit Aral
Ein Grund dafür ist auch, dass viele Mineralölgesellschaften, auch die sogenannten A-Gesellschaften, also Aral oder Shell, auf ihn zu kamen, Planungsvorschläge machten und einen Kooperation anstrebten. Entschieden hat sich der Unternehmer jedoch für die mittelständische Mineralölgesellschaft Q1. Die Osnabrücker seien im Unterschied zu den Konzernen „flexibler, schneller und auch jünger“. Zudem haben sie den Gebäudeplanungen von Scherer und seinem Architekten mehr Raum gelassen. Entscheidendes Argument ist für den Tankstellen-Gründer aber, dass er mit einer B-Gesellschaft und deren preislichen Positionierung im Kraftstoffmarkt deutlich mehr Kundenfrequenz generieren könne. Das zeige sich bereits jetzt, in den ersten Wochen nach der Eröffnung.

Auf 4.917 Quadratmetern Fläche hat Scherer über vier Millionen Euro investiert. Entstanden ist ein großflächiges Tankfeld mit mehr als zehn Tanksäulen, die aber zum Start keineswegs alle funktionierten. So musste die Station zwischenzeitig schon wieder geschlossen werden. Eine Waschstraße, die alleine schon volles Engagement erfordert, und ein Shopgebäude mit einer Verkaufsfläche von annähernd 160 Quadratmetern gehören ebenfalls dazu. In der Führung der Tankstelle und in allen organisatorischen sowie Verwaltungs-Arbeiten wird er unterstützt von seinem Betriebsleiter Eugen Adam.

Bei der Gestaltung des Shops holte sich Thomas Scherer Unterstützung beim Ladenbauer August Thiem in Hamburg. Der erfahrene Convenience-Shop-Gestalter griff nicht auf Store-Vorgaben von Q1 für die Verkaufsfläche zurück, obwohl Markenelemente der Osnabrücker in das Layout einflossen. Tankstellen-Gründer Scherer lobt das Engagement von Thiem-Geschäftsführer Thomas Kirchhoff für die neue Station. Es habe viele Anregungen und einen gute Zusammenarbeit gegeben.

Rund 80 Quadratmeter innerhalb des Tankstellen-Gebäudes entfallen auf den Shop. Der Boden ist hell, ansonsten dominieren dunkle und rote Farbtöne. Große Fensterflächen sorgen für Transparenz. An der rückwärtigen Wand sind die Kühlmöbel mit Getränken untergebracht. Direkt rechts daneben befindet sich die Kassenzone mit zwei Kassenplätzen und einem umfangreiche Tabakwaren-Sortiment. Im Anschluss daran, im rechten Teil des Shops, ist die Bistro-Theke platziert. Noch ist das Angebot dort überschaubar. In den kommenden Wochen soll es deutlich ausgebaut werden, sagt Thomas Scherer. Dann habe man die Manpower, so hoffe er, um auch hier den Betrieb auf hundert Prozent hoch zu fahren. Das Bistro verfügt über einige Sitzplätze und bietet einen hochwertiges Kaffee-Angebot. Eine Siebträgermaschine sorgt für die nötige Qualität. Kaffeepartner ist das noch junge Bremer Unternehmen De Koffieman.

Eine mittlere preisliche Positionierung
Auch im übrigen Shop läuft das Geschäft noch nicht auf vollen Touren. Convenience-Großhändler Lekkerland hat zwar das Erstsortiment zur Eröffnung in die Regale gestellt, aber damit war Scherer nicht zufrieden. Das Category Management und die Positionierung der Tabakwaren habe nicht gestimmt. In der Getränke-Kategorie will er künftig verstärkt auf Mehrweg setzen, statt auf Einweg. Und auch im übrigen Shop werde er noch an der Sortimentsgestaltung arbeiten, deutet er an. Auch deshalb beabsichtigt der Betreiber, die Lieferanten zu wechseln. Die Regale für die Warengruppe Tabakwaren sollen bald vom Großhändler Hall bestückt werden, die übrigen Sortimente sollen vor allem vom MCS-Partner Cames kommen. Auch an der preislichen Positionierung lasse sich auf diese Art und Weise noch arbeiten, sowohl bezüglich der Einkaufspreise, als auch der Preise im Shop. Nur durch ein mittleres Preisniveau würden mögliche Shop-Kunden nicht abgeschreckt, davon zeigt sich Scherer überzeugt. Denn immerhin möchte er sich an seinem neuen Standort auch als Nahversorger einen Namen machen. Beispielsweise denkt er über eine Kooperation mit einem regionalen Bäckereibetrieb nach. Und auch das Presse-Angebot beabsichtigt er aufzuwerten. Mit der wichtigsten aller Kategorien, den Tabakwaren, will künftig mindestens 100.000 Euro Umsatz machen. Diese Summe trage dann dazu bei, dass das Verhältnis zwischen Kraftstoff- um Shop-Umsatz stimmt. Beide sollen jeweils 50 Prozent erwirtschaften.