Der illegale Handel mit Tabak- und Nikotinprodukten entwickelt sich in Deutschland zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Darauf weist der aktuelle Schwarzmarkt-Tracker von Reemtsma hin, der auf offiziellen Meldungen von Zoll- und Polizeibehörden basiert. Die Halbjahresbilanz des laufenden Jahres zeigt: Die Zahl der beschlagnahmten Produkte erreicht bereits Mitte des Jahres Werte, die in einigen Kategorien fast oder sogar über dem gesamten Vorjahr liegen. So wurden im ersten Halbjahr mindestens 55,9 Millionen illegale Zigaretten und knapp 2,5 Millionen E-Zigaretten sichergestellt.
Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt für Snus und tabakfreie Nikotinbeutel: Mit 42.499 beschlagnahmten Dosen liegt das Niveau bereits rund 79 Prozent über dem Wert des Jahres 2025. Auch der von den Behörden ausgewiesene Steuerschaden summiert sich zur Jahresmitte bereits auf mehr als 25,3 Millionen Euro und erreicht damit fast den Gesamtwert des Vorjahres. Für die C-Stores ist dies mehr als eine Statistik. Jeder Verkauf über illegale Vertriebswege entzieht dem regulären Markt Umsatz.
Nach Einschätzung von Reemtsma dürfte das tatsächliche Ausmaß deutlich größer sein als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. „Unser Tracker bildet ausschließlich offiziell gemeldete Sicherstellungen ab und damit nur die Spitze des Eisbergs. Umso alarmierender ist es, wenn die Zahlen schon zur Jahresmitte so hoch ausfallen“, sagt Christian Cordes, Director Corporate & Legal Affairs Cluster DACH bei Reemtsma.
Vor allem bei E-Zigaretten, Snus und Nikotinbeuteln sieht das Unternehmen eine zunehmende Dynamik. „Besonders bei Produkten wie E-Zigaretten, Snus und Nikotinbeuteln zeigt sich, wie schnell illegale Anbieter bestehende Grauzonen, Vollzugsdefizite oder wirtschaftliche Ausweichanreize ausnutzen. Wer diesen Markt nicht kontrollierbar reguliert und den legalen Markt zusätzlich schwächt, überlässt ihn den Falschen“, so Cordes.
Die Zigarettenpreise werden steigen
Zeitgleich mit den steigenden Schwarzmarktzahlen, sorgt ein neuer Entwurf des Bundesfinanzministeriums zur Änderung des Tabaksteuergesetzes für Diskussionen. Vorgesehen sind deutliche Steuererhöhungen in mehreren Produktkategorien. Nach den derzeit bekannten Plänen könnte der Preis einer Zigarettenpackung mit 20 Stück bis 2030 um rund vier Euro auf bis zu zwölf Euro steigen. Ein 30-Gramm-Beutel Feinschnitt könnte sich um rund 4,50 Euro verteuern und mehr als elf Euro kosten. Aus Sicht vieler Hersteller würde dies einen klaren Kurswechsel gegenüber dem bisherigen Tabaksteuermodell bedeuten. Während bislang auf planbare und moderate Erhöhungen gesetzt wurde, sieht nicht nur Reemtsma überproportionale Steueraufschläge mit möglichen Folgen für Marktstabilität und Steuereinnahmen. Cordes: „Was die Koalition da plant, setzt den bereits stark rückläufigen legalen Markt in Deutschland weiter erheblich unter Druck.“ Zudem kritisiert Reemtsma die Annahmen zu den erwarteten Steuermehreinnahmen als zu optimistisch.
Für zusätzlichen Unmut sorgt bei Reemtsma das Verfahren rund um den Gesetzentwurf. Nach Angaben des Unternehmens erhielten die betroffenen Wirtschaftsverbände weniger als 23 Stunden Zeit, um Stellung zu nehmen. Julian Stürcken, Leiter der Reemtsma-Hauptstadtrepräsentanz: „Dieser ganze Vorgang ist eine Farce, denn fundierte und konstruktive Stellungnahmen sind in dieser kurzen Zeit ebenso unmöglich wie im Anschluss eine ernsthafte und sachgemäße Prüfung durch das BMF.“