Philip Morris Zeit für die letzte Zigarette

Mit Marlboro startet Philip Morris eine Offensive. Gleichzeitig befürwortet der Hersteller Regulierungen und sieht Pouches positiv. Der zweite Interview-Teil mit Melina Konrad.

Freitag, 19. September 2025, 05:30 Uhr
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Bildquelle: Philip Morris

Mit Marboro Crafted hat Philip Morris eine preisgünstige Alternative seiner Zigaretten-Flagship-Marke auf den Markt gebracht. Doch das Ziel des Unternehmens ist es in erster Linie, die Konsumentinnen und Konsumenten zu bewegen, zu risikoreduzierten Produkten wie E-Zigaretten oder auch Nikotin-Beuteln zu wechseln. Dazu weitere Fragen an Melina Konrad, National Manager Convenience Deutschland, im zweiten Teil des Interviews mit Philip Morris.

Convenience Shop: Wie verträgt sich Ihr Crafted-Engagement mit der Forcierung von Veev E-Zigaretten und Iqos-Tabakerhitzern?

Melina Konrad: Unsere Vision einer rauchfreien Zukunft wird bereits seit 2016 transparent kommuniziert. Philip Morris hat eine klare Vision, die wir seit Jahren konsequent verfolgen: Eine rauchfreie Welt, in der die klassische Zigarette keine Rolle mehr spielt. Allerdings kann der Zeitpunkt der letzten Zigarette nicht allein von der Industrie definiert werden. Im Endeffekt ist es ein Zusammenspiel zwischen Industrie, Konsumenten und Regulierungsrahmen. Unser Beitrag wird durch das Angebot schadstoffreduzierter Alternativen erfüllt. Nun ist es an den Konsumenten zu entscheiden, wann der Zeitpunkt ihrer letzten Zigarette kommen wird.

CS: Wird die Kundschaft nicht durch preisgünstige
Zigaretten vom Umstieg auf die Alternativen abgehalten?

Konrad: Wir haben lange Zeit nur innerhalb unseres bestehenden Portfolios an weiteren Größenvarianten gearbeitet und Konsumenten konnten somit bei „ihrer Marke“ nur neue Preispunkte entdecken. Mit Marlboro Crafted ist das anders: Wir möchten erwachsene Raucher und Raucherinnen mit den Werbemaßnahmen auf diese neue, preissensiblere Produktlinie in unserem Portfolio aufmerksam machen – und idealerweise zu einem Wechsel in unser Portfolio bewegen. So können wir sie am zielgerichtetsten ansprechen und dann – wenn sie dafür bereit sind – auf den Weg in eine rauchfreie Zukunft mitnehmen: sie aufklären und im besten Fall bis zum Rauchstopp begleiten oder, sofern das keine Option ist, zu einem Wechsel zu schadstoffreduzierten Alternativen bewegen. Daher optimieren wir unser konventionelles Portfolio kontinuierlich, um einerseits wettbewerbsfähig zu bleiben und andererseits die nötigen Mittel zu erwirtschaften, mit denen wir in Innovation, Aufklärung und unsere rauchfreien Marken wie Iqos und Veev investieren können. Als Marktführer sehen wir es als unsere Verantwortung, auch jene zu erreichen, die noch nicht bereit für den Umstieg sind – und sie Schritt für Schritt auf diesem Weg zu begleiten.

CS: In einer so genannten Grauzone werden bereits jetzt Nikotin-Beutel, auch Nikotin Pouches genannt, in Deutschland angeboten. Wie steht Philip Morris dazu?

Konrad: Es ist weder im Sinne des Verbraucherschutzes noch der Marktsicherheit, dass Nikotin-Beutel im Lebensmittelrecht reguliert sind und in einer regulatorischen Grauzone vertrieben werden. Aus unserer Sicht braucht es dringend eine klare gesetzliche Grundlage im Tabakrecht. Wie bei anderen tabak- und nikotinhaltigen Produkten wäre es so möglich, zu regeln, wie Nikotin-Beutel aufgemacht sein dürfen, wie sie zusammengesetzt sein müssen und unter welchen Bedingungen sie auf den Markt kommen. Wir sehen in tabakfreien Nikotin-Beuteln ein Potenzial für erwachsene Raucher, die nicht aufhören wollen.

CS: Falls die Nikotin-Beutel legalisiert werden sollten, 
würde Philip Morris sich in diesem Markt engagieren?

Konrad: Wir beobachten die Diskussionen zu Nikotin-Beuteln in Deutschland konstruktiv. Wir sind bereits in mehreren europäischen Ländern mit tabakfreien oralen Nikotinprodukten präsent. Wir bringen in dieses Segment internationale Erfahrung, etablierte Standards und ein leistungsfähiges Portfolio mit. Sollte der Gesetzgeber eine Regulierung tabakfreier Nikotinbeutel auf den Weg bringen, stehen wir bereit, unsere Expertise einzubringen.

CS: In verschiedenen anderen europäischen Ländern werden die Regeln für den Tabakwaren- und E-Zigaretten-Konsum und das klassische Rauchen verschärft. Erwarten Sie solche Schritte auch in Deutschland ?

Konrad: Tabakregulierung ist in ganz Europa in Bewegung. Auch in Deutschland wird über verschiedene Maßnahmen diskutiert. Konkrete Vorhaben liegen derzeit aber nicht auf dem Tisch. Im aktuellen Koalitionsvertrag findet sich keine explizite Absichtserklärung zur künftigen Tabak- oder Nikotinpolitik, und auch das zuständige Bundesministerium hat sich bislang nicht öffentlich zur strategischen Ausrichtung positioniert. Wie sich die politische Linie entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Wir erwarten, dass sich die Debatte im weiteren Verlauf der Legislatur konkretisieren wird – und wir stehen bereit, uns mit unseren Erfahrungen einzubringen.
Grundsätzlich gilt: Regulierung ist richtig und sollte evidenzbasiert und verhältnismäßig gestaltet ist. Eine Gleichbehandlung aller Tabak- und Nikotinprodukte würde aus unserer Sicht das gesundheitspolitische Ziel unterlaufen, den Rauchstopp oder Umstieg zu fördern. Damit Raucher auf rauchlose Produkte umsteigen, braucht es die richtige Regulierung: eine, die den Einstieg von Jugendlichen und Nichtrauchern verhindert, Produkte an ihrem individuellen Risiko reguliert – und auch neue rauchlose Alternativen zulässt.

Den ersten Teil des Interviews lesen Sie hier