Foodservice Umsatz nicht verspielen

Die Convenience-Stores sollten den Weg zu mehr Speisen-Qualität mitgehen. Von Hersteller-Seite kommt vielfältige Unterstützung.

Montag, 02. Juli 2018, 19:07 Uhr
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Den Käse-Snack gibt es auch als Einzelportion für den Foodservice-Tresen.

Lebensmittelhändler und Baumärkte, Buchhändler und Textilienhändler, Möbelhäuser und Shopping-Center – sie alle und noch weitere Akteure werden gastronomisch immer aktiver. Nicht ohne Grund hat das EHI Retail Institute deshalb Ende 2017 eine „Initiative Handelsgastronomie“ ins Leben gerufen, die Praxishilfen unterschiedlicher Art geben will.

Speziell den Tankstellen-Betreibern raten die Wissenschaftler, sie sollten den Weg zu mehr Qualität bei den angebotenen Speisen (und Getränken) mitgehen. Grund genug für Convenience Shop, sich genauer mit den Konzepten der Partner für die Tankstellen-Bistros zu beschäftigen.

Das Hot-Dog-Geschäft

Wer die Angebote unter dem Oberbegriff „Fleisch“ näher betrachtet, stellt fest: Der Hot Dog macht zurzeit kräftig Boden gut. Einer der deutlichsten Hinweise: Im Herbst 2017 hat McDonald´s Hot Dogs in sein Sortiment aufgenommen, sicherlich auch, weil die Grilled Dogs von Burger King weggehen wie warme Semmeln. Daniel Ullrich, Geschäftsführender Gesellschafter von Hot Dog World, mit Sitz in Langenhagen bei Hannover, wundert das nicht: „Klar ist, dass sich das Thema Hot Dog vielschichtiger spielen lässt als der Burger. Wo beim Burger immer ein Patty aus Rindfleisch die Basis bildet, kann die Wurst beim Hot Dog aus Schwein, Rind, Geflügel, Fisch oder Tofu bestehen.“ Das vor 18 Jahren gestartete Unternehmen Hot Dog World berät und unterstützt bei Hot-Dog-Geschäften, hatte seinen Ursprung in zwei Verkaufsständen am Flughafen von Hannover. Aus der Sicht von Daniel Ullrich ist der Hot Dog „ein echtes Impulsprodukt und ein perfekter Snack“. Mit der richtigen Produktpräsentation und hochwertigen Zutaten könne leicht zum Kauf animiert werden – zumal man den Hot Dog, im Gegensatz zum Burger, gerne ganz lässig im Stehen verzehre.

Die Saucen-Innovation

Eine Reihe von Lieferanten wollen das Hot-Dog-Geschäft ebenfalls fördern. Einer von ihnen ist Aryzta Food Solutions. Kreative Aryzta-Köpfe haben das Konzept „Hot Dog Bar“ entwickelt. Das umfasst verschiedene Brötchen bis hin zu Würstchen, Saucen und Verpackungen. Für die Zubereitung wird bei Bedarf ein Würstchensteamer beigesteuert. Tiefgekühlte und frische Produkte werden zusammen ausgeliefert – was den Mitarbeitern Zeit bei der Bestellung und der Warenannahme spart.

Lantmännen Unibake will Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten sowohl den Genuss von Burgern als auch von Hot Dogs erleichtern. Deshalb listet er nun den Classic Gluten Free Bun mit Sesam und den Classic Gluten Free Hot Dog.

Vom Hot-Dog-Boom fühlte sich gleichermaßen der Saucen-Gigant H.J. Heinz animiert – zu Innovationen wie zum Beispiel der Smokey Baconnaise. Sie soll die Cremigkeit einer Mayonnaise und den rauchig-würzigen Geschmack von Bacon miteinander in Einklang bringen. Das Unternehmen verweist darauf, dass die praktische 875 ml-Squeeze-Flasche ein perfektes Dosieren der Menge ermögliche und mit nur einer Hand leicht gesteuert werden könne.


Eine Überraschungs-Kombination

Guter Geschmack auch im kleinen Format – das ist ein Anspruch, der im Convenience-Shop-Bereich oft erfüllt werden muss. Einen Beitrag dazu will H.J. Heinz leisten, indem es seine Klassiker Tomato Ketchup und Frites Sauce neuerdings im praktischen Sachet zu 10 beziehungsweise 17 ml anbietet. Zum Dippen für vielfältige Verzehranlässe wie etwa Pommes, Gemüsesticks, Chicken Wings und Fingerfood werden 25 g-Einzelportionen gelistet. Erhältlich sind sie in neun Varianten.

Trotz des Siegeszuges des Hot Dogs – der Burger bleibt ein Muss. Für die größte Vielfalt in Europa sorgt Salomon FoodWorld. Mehr als 150 Variationen sind verfügbar. Aufgeteilt wurden sie in drei Kompetenzfelder – nämlich in Beef Plus mit herzhaften und würzigen Spezialitäten, Pure Beef für den puren Fleisch-Genuss und Chik´n & Veggie mit leichteren Leckereien.

Eine markante Neuheit aus dem Hause Salomon FoodWorld – die Asia Sliders in drei Geschmacksrichtungen. Diese lediglich dreieinhalb Zentimeter großen Snack-Minis aus japanischem Uruchi-Reis sind leicht wie Sushi, aufgebaut wie ein Burger und mit authentisch asiatischen Füllungen verfeinert. Ihre farbenfrohe und leichte Optik soll den Überraschungs-Effekt verstärken.

Die lukrativen Kreationen

Nicht anhand eines Burgers, sondern anhand eines Frikadellen-Brötchens rechnet Salomon FoodWorld vor, dass sich das Verwenden zugekaufter Produkte auch für den Convenience-Shop-Bereich rechnet. Den Materialeinsatz einschließlich der Frikadelle beziffert das Unternehmen mit rund 1,50 Euro. Standort-abhängig kann das Brötchen für bis zu 3,75 Euro verkauft werden. Bei Spezialitäten wie zum Beispiel einem Fire Roasted Chik´n-Steak auf einem Baguette-Brötchen kommt Salomon FoodWorld sogar auf einen Verkaufsvorschlag von 4,99 Euro, und das bei einem Wareneinsatz von 1,73 Euro.

Doch nicht nur der Lust auf Fleisch darf in Convenience-Shops nachgegangen werden. Inzwischen belegen mehrere aktuelle Untersuchungen, dass der Lebensmittel-Einzelhandel und der Convenience-Shop-Bereich die Entwicklung bei den vegetarischen und veganen Angeboten weiterhin ernst nehmen sollten. Und: Sie sollten angemessen auf sie reagieren – wenn sie die entsprechenden Umsatzchancen wahren wollen.

In diesem Zusammenhang ist zum Beispiel der 2016 publizierte Branchenreport des Institutes für Handelsforschung (IFH) Köln bemerkenswert. Dieser Branchenreport konstatiert, dass insbesondere die drei umsatzstärksten Warengruppen zwischen 2010 und 2015 deutliche Umsatzgewinne erreichen konnten. Die lagen im Jahresdurchschnitt bei fast 17 Prozent. Diese Umsatzbringer sind vegetarische und vegane Fleisch- und Milchalternativen sowie der Bereich Frühstück. Molkereialternativen zeigten dabei die größte Dynamik, gefolgt von Fleisch-alternativen.

Die Rolle der Flexitarier

Der IFH-Branchenreport „Vegetarisch & Vegan: Modeerscheinung oder nachhaltiger Wachstumsimpuls?“ betont ferner – wie andere Untersuchungen und Umfragen vor und nach ihm – die Rolle der Flexitarier. Hauptabnehmer von Fleischalternativen in Deutschland sind diejenigen, die sich überwiegend fleischlos ernähren – aber die trotzdem hin und wieder zu Wurst, Steak und Co. mit hoher Qualität greifen. Das IFH beziffert die Zahl der Flexitarier mit knapp 24 Prozent. Eine Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr sieht die Flexitarier-Quote sogar bei knapp 50 Prozent. Somit würden in Deutschland erstmals mehr Menschen leben, die sich flexitarisch ernähren, als Personen, die uneingeschränkt alles essen.


Die Kalzium- und Protein-Bringer

Das Wachstum im Veggie-Markt setzt sich fort, prognostiziert das Institut für Handelsforschung. Vegan wird bedeutsamer. Studien von Mintel unterstreichen das. Sie heben vor allem darauf ab, dass sich die Bundesrepublik bei den Produktneueinführungen veganer Lebensmittel und Getränke mit 18 Prozent weltweit an die Spitze gesetzt hat (USA: 17 Prozent, Großbritannien: 10 Prozent). Katya Witham, Senior Food and Drink Analyst bei Mintel, lässt sich so zitieren: „Vegane Produkte entwickeln sich als eines der am schnellsten wachsenden Segmente in der deutschen Lebensmittel- und Getränkebranche vom Außenseiter zum Mainstream.“ Sehr erfolgreich zögen sie nämlich die Aufmerksamkeit einer „viel größeren, gesunden und ethisch motivierten, flexi-veganen Verbraucherbasis“ auf sich.

Zwar nicht vegan, aber immerhin vegetarisch präsentieren sich die Mini Babybels aus dem Hause Bel Deutschland. Dieser an Kalzium und Proteinen reiche Käse-Snack wird nach Unternehmensangaben zu 100 Prozent mit mikrobiell erzeugtem Lab hergestellt. Das Produkt enthält weder künstliche Aromen oder Farbstoffe noch deklarationspflichtige Zusatzstoffe, ist außerdem laktosefrei.

Die besondere Verpackung mit der raschelnden Folie und der weichen Wachshülle sollte zusammen mit den Produkteigenschaften die Zweitplatzierung im Foodservice-Bereich zulassen und dort Zusatzumsätze durch Impulskäufe ermöglichen. Bel Foodservice bietet die Mini Babybels nämlich seit vergangenem Sommer auch einzeln an. Der Single wiegt 20 g. Es gibt ihn in einer Verkaufseinheit mit 30 Portionen.

Die Entwicklung der Skyr-Produkte

Geht es um Milch- und Käseprodukte, darf ein Blick zu der DMK Group als größter deutscher Molkereigenossenschaft nicht fehlen. Eher zu den Klassikern im Convenience-Shop-Bereich zählt von ihr der fettarme Joghurt von Milram, der es auf 1,5 Prozent Fett bringt. Verkauft wird er im 500-Gramm-Becher – zum Beispiel für die spätere Verwendung im Frühstücksmüsli, gefroren als Frozen-Joghurt oder als Snack mit frischen Früchten.

Unter dem Motto „frisch zubereitet“ bietet DMK unter seiner Milram-Marke im Foodservice außerdem einen teilbefüllten Portionsbecher für das To-go-Geschäft an. Drei Sorten – Quark-Creme, Milchreis und Skyr – sind jeweils zu 185 g vorportioniert und mit einem Aludeckel verschlossen. Bei Bedarf wird dieser entfernt. Frische Zutaten werden beigegeben, der mitgelieferte Domdeckel aufgesetzt und mit einem Etikett verschlossen. Der Vorteil: Die Lösung ist kalkulationssicher, hygienisch und einfach im Handling und die benötigte Menge kann der Nachfrage entsprechend schnell zubereitet werden, ohne das höhere Abschriften durch Warenverluste entstehen.

Besonders aufmerksam verfolgt die DMK Group die weitere Entwicklung bei den Skyr-Produkten, die mit dem weltweiten Trend hin zu eiweißreichen Produkten bei wenig Fett harmonieren. Um das Grundnahrungsmittel der Isländer herzustellen, wird entrahmte, pasteurisierte Milch mit speziellen Milchsäurebakterien und Lab versetzt und dickgelegt. Dazu wird etwa dreimal so viel Milch benötigt wie für herkömmlichen Joghurt. Das Ergebnis ist ein Produkt, das an Magerquark oder cremigen griechischen Joghurt erinnert, aber ein Frischkäse ist und leicht säuerlich schmeckt.

Die richtige Sortenvielfalt

Bereits jetzt gilt die DMK Group als eine der bedeutendsten Skyr-Lieferanten in Deutschland, und sie will diese Rolle ausbauen. Vor allem Sportler und gesundheitsbewusste Menschen schätzen den Skyr, weil er einen hohen Proteingehalt hat und kaum Fett enthält. Matthias Rensch, Chief Operating Officer DMK Brand, ist überzeugt: „Sortenvielfalt ist für den Verbraucher ein wichtiges Kaufkriterium. Das heißt, dass nicht neue Marken Mehrwert bieten, sondern neue Sorten von starken Marken.“ Auf jeden Fall dürfte es auf diese Art und Weise möglich werden, dass neue Impulse in den Regalen neue Kunden-Kontakte ermöglichen und auch der Foodservice-Bereich profitiert. Die Zusatz-Umsätze sollten die Shop-Betreiber darum nicht den anderen Playern der Handelsgastronomie ohne weiteres zuspielen beziehungsweise diesen überlassen.

Bilder zum Artikel

Bild öffnen Die Asia-Sliders von Salomon FoodWorld sind eine Mischung aus Sushi und Burger.
Bild öffnen Den Käse-Snack gibt es auch als Einzelportion für den Foodservice-Tresen.
Bild öffnen Auf den Hot-Dog-Trend reagieren die Hersteller mit ausgearbeiteten Konzepten.
Bild öffnen Auf kleiner Stellfläche und sehr sauber lassen sich die Klassiker von H.J.Heinz im Sachet präsentieren.