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Süßwaren haben es derzeit schwer im C-Store, jedenfalls in den Tankstellen-Shops. Nicht alle, aber viele Segmente, wie beispielsweise die Riegel, haben hier vor allem Konkurrenz aus dem Bistro bekommen. Andere Warengruppen, andere Gesetze: Für Wrigley beispielsweise ist das Bistro hingegen keine Gefahr. Im Gegenteil: „Wir sehen hier Wachstumspotenzial“, teilt das Unternehmen mit. Im Bistro-Bereich könne das Angebot von zuckerfreiem Kaugummi zur Zahnpflege nach dem Essen neue Zielgruppen ansprechen und zur Steigerung der Wertschöpfung beitragen. Das hat Wrigley im Rahmen einer Tankstellen-Studie herausgefunden. Demnach sorgt Kaugummi nicht nur für frischen Atem, sondern befriedigt auch das Bedürfnis nach sauberen und gepflegten Zähnen. Hier dürfte dann die richtige Positionierung der Produkte von entscheidender Bedeutung sein, um die Absätze zu puschen.
Diese Möglichkeit gibt es in den Kioske nur eingeschränkt, denn auch wenn hier zumindest bei den größeren begehbaren Kiosken das gastronomische Geschäft zugenommen hat, hält es sich meist noch in überschaubaren Grenzen. Im Kiosk hat die Süßware also weniger Snack-Konkurrenz. Hier verzeichnet Nielsen auch einen Umsatzzuwachs von knapp 18 Prozent (März bis Juni 2014) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dazu beigetragen hat auch die Fußball-Weltmeisterschaft. Denn Nielsen zählt traditionell die salzigen Snacks zu der Kategorie Süßwaren.
Übrigens konnten auch die Kleinflächen und Bäckereien zulegen: Plus 13 Prozent Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Tankstellen-Shops konnten von dem Boom im Frühjahr leider nicht profitieren: Laut Nielsen ist der Umsatz hier im 2. Quartal 2014 um 1,8 Prozent zurückgegangen.
Was können Shop-Betreiber tun, um dem entgegenzuwirken? Hersteller Mars plädiert für ein reduziertes Sortiment. „Im Süßwaren-Segment gilt für Shop-Betreiber, dass sie durch ein gut sortiertes auf die verkaufsstärksten Marken reduziertes Sortiment ihre Umsätze deutlich steigern können“, informiert das Unternehmen. Praxisstudien hätten ergeben, dass die Umsätze deutlich höher ausfielen, wenn das Sortiment um ein Viertel verschlankt wird. Voraussetzung ist jedoch eine klare Ausrichtung auf die Schnelldreher. Für zusätzliche Umsätze sorgen laut Mars außerdem durchdachte Mehrfachplatzierungen der Süßwaren an Hotspots, sprich entlang des Kundenlaufs oder bei den Getränken – zusätzlich zum Angebot an der Kasse.
Ins gleiche Horn stößt Timo Gutermuth, Leiter Trade Marketing bei Mentos: „Es sollten weniger Artikel am Kassentresen platziert werden. Dafür aber ein ausgewogenes Sortiment aus verschiedenen, impulsstarken Warengruppen und Segmenten. Gutermuth glaubt, das beispielsweise große Kaugummiständer, die die Sicht auf die Kassiererin behindert, bald Geschichte seien.
Allerdings ist es vor allem für die Tankstellen-Stores nach wie vor von Bedeutung, auch auf Innovationen, wie beispielsweise den neuen KitKat Chunky Double Caramel-Riegel, den Milka Choco Mix Oreo oder auch auf Limited Editions, wie Mars und Twix im neuen Mix-Format zum Knabbern, zu setzen (siehe Neuheiten Seite 32). Denn diese werden von den Shop-Kunden dort erwartet.
Im Interview: Klaus Lützig "Auf aktuelle Trends setzen"
Einschätzungen, Trends und Tipps zum Süßwaren-Segment von Klaus Lützig, Head of Product Supply & Commerce Food bei Lekkerland Deutschland.
Laut aktuellen Zahlen von Nielsen (1. Halbjahr 2014) müssen die Tankstellen im Bereich Süßwaren deutliche Absatzverluste hinnehmen. Worauf führen Sie das zurück?
Klaus Lützig: Süßwaren machen immer noch einen großen Teil des Umsatzes an Tankstellen aus. Innerhalb des Sortiments hat es allerdings einige Verlagerungen gegeben. Mittlerweile bietet fast jede Tankstelle auch ein Sortiment an süßen und herzhaften Backwaren. Endverbraucher greifen daher auch gerne mal zu einem Muffin oder einem Donut, statt zur klassischen Süßware.
Was können die Tankstellen-Betreiber hier aus Ihrer Sicht besser machen?
Lützig: Tankstellen-Betreiber sollten ihr Geschäft noch stärker als früher auf Impulsartikel konzentrieren. Kleine Snacks, Riegel, Bonbons und Kaugummis sind weiterhin die Kundenlieblinge. Lekkerland setzt hier ganz besonders auf die führenden Markenartikel sowie auf Lizenz-Produkte, die breit beworben werden und dem Endverbraucher bekannt sind. Oftmals handelt es sich hierbei um Promotionsartikel, deren Aktionszeitraum im Regelfall auf drei bis sechs Monate ausgelegt ist. Diese Produkte setzen häufig auf aktuelle Trends
Kioske sowie der LEH unter 100 qm und auch Bäckereien legen laut Nielsen hingegen zu? Können Sie sich das erklären?
Lützig: Klassische Impulsartikel wie Schokoriegel oder kleine Snacks stehen auch an Kiosken und kleineren Shops im Mittelpunkt. Der aktuelle Trend geht dahin, verstärkt in der Nachbarschaft einzukaufen und den Kiosk „seines Vertrauens“ zu unterstützen. Getragen wird dies oft von den vielen Single-Haushalten und der zunehmend älteren Bevölkerung.
Welche Süßwaren-Trends bestimmen derzeit den Convenience-Markt?
Lützig: Im Schokoladenbereich ist derzeit Karamell der absolute Favorit bei den Endverbrauchern. Gebäck wird vermehrt in kleinen Impulspackungen von 50 oder 100 Gramm gekauft, da sie den Wunsch des Konsumenten nach Abwechslung erfüllen. Im Bereich Chips und Knabbereien stehen nach wie vor Paprikavariationen hoch im Kurs.
Können Sie Süßwaren-Absatzzahlen nennen?
Lützig: Absolute Zahlen nennen wir leider nicht. Aber wir konnten mit Süßwaren im ersten Halbjahr einen guten Absatz erwirtschaften und sind mit den Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zufrieden.
Wie viele neue Süßwaren-Produkte listet Lekkerland jährlich im Schnitt?
Lützig: Von monatlich etwa 40 bis 50 angebotenen Produkten aus dem Süßwarensegment kommen bei Lekkerland ca. 20 bis 25 in die nähere Betrachtung. Letztendlich werden davon zehn bis 15 Produkte jeden Monat gelistet.
Und wie viele bleiben von diesen Artikeln dann auch langfristig im Sortiment?
Lützig: Wenn man bei langfristig von einem Jahr ausgeht, bleiben maximal fünf Süßwaren-Produkte im Sortiment bestehen. Hier ist unser eindeutiger Wunsch, dass mehr neue und innovative Artikel angeboten werden, die für unsere Kunden gute Umsätze bringen und natürlich auch ertragsstark sind. me