Der Landmarkt Leuscheid im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Windeck hat seinen dritten Geburtstag gefeiert – und liefert damit ein Praxisbeispiel, das für den Convenience-Markt durchaus relevant ist. Nach jahrelanger Vorbereitung übernahm die Genossenschaft „Dorfzentrum Leuscheid“ die Trägerschaft des Standorts. Was von außen eher unscheinbar wirkt, erfüllt im Inneren eine klare Funktion: die Grundversorgung vor Ort sicherstellen und gleichzeitig einen sozialen Anlaufpunkt schaffen. Auf rund 150 Quadratmetern Verkaufsfläche finden Kundinnen und Kunden alles für den täglichen Bedarf.
Ein besonderes Detail: Genossenschaftsmitglieder erhalten mit ihrer Karte rund um die Uhr Zugang zum Markt. Die videoüberwachte Verkaufsfläche ermöglicht damit ein hybrides Betriebsmodell, das personelle Ressourcen schont und gleichzeitig die Verfügbarkeit erhöht – ein Ansatz, der gerade in kleineren Orten zunehmend an Bedeutung gewinnt. Ein zentraler Erfolgsfaktor liegt im Sortiment. Neben klassischen Artikeln setzt der Landmarkt gezielt auf regionale Produkte. Dazu gehören Fruchtaufstriche und Liköre aus einer Manufaktur in Ruppichteroth, hergestellt aus Obst eigener Streuobstwiesen, ebenso wie Spirituosen aus einer Brennerei im nahegelegenen Nistertal. Auch Honig aus Windeck-Herchen, naturbelassene Mehle aus einer regionalen Mühle, Bio-Weine von der Nahe und Obstsäfte aus Nümbrecht sind fester Bestandteil des Angebots. Ein Mix aus Grundversorgung und regionaler Identität.
Identifikation ist wichtig
Organisatorisch ist der Markt schlank aufgestellt. Andreas Majer ist als Ladenleiter der einzige festangestellte Mitarbeiter. Unterstützung erhält er von Michael Vogel, ehremamtliches Vorstandsmitglied der Genossenschaft, der insbesondere bei Sortimentsgestaltung, Kalkulation und Lieferantenkontakten berät. Die enge Abstimmung zeigt Wirkung: In den vergangenen zwölf Monaten konnte der Umsatz gesteigert werden. Vogel formuliert: „Ein Laden braucht eine Identifikationsfigur – bei uns ist das ‚der Landmarkt von Andreas‘.“ „Wenn etwas fehle, mache Andreas es möglich“, so Vogel weiter.
Neben klassischen Lebensmitteln gehören inzwischen auch eine Reinigungsannahme und ein Getränkemarkt dazu. Ein zusätzlicher kleiner Raum schafft zudem Platz für über hundert neue Artikel. Neu im Angebot sind auch Fleisch- und Wurstwaren der regionalen Metzgerei Krieger. Parallel dazu erfolgte eine stärkere Ausrichtung auf Markenprodukte. „Wir orientieren uns an den Top-Sellern in Deutschland“, erklärt Vogel. Diese Kombination aus regionalen Spezialitäten und bekannten Marken sorge für eine breitere Zielgruppenansprache.
Auch strukturell hat sich die Genossenschaft entwickelt. Die Zahl der Mitglieder stieg von anfänglich rund 40 auf etwa 400. Der Einstieg ist mit einem Anteilschein ab 100 Euro möglich. Für die tägliche Frischeversorgung, insbesondere bei Obst und Gemüse, arbeitet der Markt zusätzlich mit einem Händler aus Eitorf zusammen. Preislich sieht Vogel keinen Wettbewerbsnachteil: „Vorbehalte gegen die Preisgestaltung kleiner Läden sind unbegründet.“ Die Entwicklung der vergangenen Jahre bestätigt diese Einschätzung.
Ein sozialer Treffpunkt
Ein weiterer Baustein des Konzepts ist das ehrenamtliche Engagement. Rund 20 Männer und Frauen unterstützen den Betrieb regelmäßig. Dieses Engagement prägt auch die Rolle des Marktes im Ort. Der Landmarkt fungiert nicht nur als Nahversorger, sondern auch als sozialer Treffpunkt. An den drei Tischen neben der Kaffeemaschine – betrieben mit Kaffee einer Rösterei aus Siegburg – kommen die Dorfbewohner auch zum Informationsaustausch zusammen.