Bildquelle: Wanzl Shop Solutions, Andi Schmid Fotodesigner

Wanzl Für 24 Stunden Shopper

Viele Konsumenten wollen rund um die Uhr shoppen. Um dies im stationären Handel möglich zu machen, hat Wanzl sein 24h Storekonzept gestartet. Auch auf C-Stores ist es übertragbar.

Amazon Go hat es vorgemacht. Jetzt häufen sich die Nachrichten. Vor allem Lebensmittelhändler und Anbietern von Fast-Moving-Consumer-Goods verkünden ebenfalls, kassenlose Stores eröffnen zu wollen. Gerade teilte Valora mit, seine neue Avec-Box im Züricher Hauptbahnhof an den Start gebracht zu haben. Der vollautomatische Mini-Laden mit einer Fläche von rund 50 Quadratmetern erlaubt den Zutritt über eine App. Mit derselben App erfolgt der Einkauf in der Box. Der Kunde scannt seine Ware also selbst. Angeboten wird ein Convenience-Sortiment. In Kürze will das Schweizer Convenience-Unternehmen zudem eine K Kiosk-Box testen. Mit Amazon-Technik hat das allerdings weniger zu tun. Da ist das Startup Sensei aus Lissabon, das von der Metro und der portugiesischen Sonae unterstützt wird, schon näher dran. Das junge Unternehmen will Supermärkten zu ausgefeilter Technik für kassenlose Filialen verhelfen und damit Amazon Go Paroli bieten. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg soll die digitale Technik mit Kameras und künstlicher Intelligenz noch in diesem Jahr in drei europäischen Supermärkten getestet werden.

Storekonzept als Hybrid-Filiale
Einen eigenen Weg geht das Familienunternehmen Wanzl hier zu Lande. Der Partner des Handels hat jüngst sein Projekt 24 Storekonzept vorgestellt. Der Shop kann 24 Stunden am Tag geöffnet bleiben. Mitarbeiter werden nur zeitweise benötigt. Jürgen Frank, Leiter Marketing und Produktmanagement bei Wanzl, weist darauf hin, dass der Konzept-Store als Hybrid-Filiale betrieben werden kann: Der autonome Eintritt und Einkauf erfolge dann erst ab einer gewissen Uhrzeit am Abend. Tagsüber könne ein regulärer Betrieb mit Mitarbeitern vonstatten gehen. Grundsätzlich aber zeigt sich Frank überzeugt, dass es ein Bedürfnis in Deutschland gibt, rund um die Uhr einzukaufen – schon wegen des Onlinehandels. Das veränderte Konsumverhalten auch in Deutschland sei kein Trend mehr, sondern Realität. Also seien innovative Lösungen und Ansätze gefragt. „Wir müssen mit dem Onlinehandel wachsen und unseren stationären Kunden helfen, ins digitale Zeitalter zu finden“, sagt der Wanzl-Manager.

Das 24h-Storekonzept biete eine Möglichkeit, wie die Kunden ihre Einkäufe in Zukunft erledigen könnten. Einsatzmöglichkeiten sieht Frank gerade für ländliche Gebiete. Sogar dem Ladensterben auf dem Land und in den Innenstädten könne damit entgegen gewirkt werden. „Durch die Möglichkeit, unabhängig von Öffnungszeiten rund um die Uhr Umsatz zu generieren, werden auch kleinere beziehungsweise nicht so hochfrequentierte Läden wieder rentabler,“ prognostiziert er. Auch den Vorbehalt vieler Kunden gegenüber digitaler Technik sieht Frank nicht als Hindernis. Deutsche Kunden würden sich zunehmend neuen Technologien öffnen. Gerade jüngere Generationen hätten eine große Affinität zur Digitalisierung. Und Ältere würden zunehmend digital „nachsozialisiert“. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeige, dass immer mehr Verbraucher in Deutschland Bezahl-Apps nutzen, berichtet das Unternehmen.

Auch für den Convenience-Markt
Das 24h Storekonzept will also für viele Branchen Lösungen bieten. Es sei wirtschaftlich multiplizierbar. Daher könne das Storekonzept nahezu in jedem Bereich zum Einsatz kommen, also auch im Convenience-Markt. Konzentriert hat sich Wanzl aber zunächst vor allem auf Fast-Moving-Consumer-Goods. Nonfood und Trockensortimente seien generell also leichter auf das System adaptierbar. „Unverpackte Waren sind sicherlich eine Herausforderung,“ meint Jürgen Frank. Der Eintritt erfolgt über eine Betreiber-App, die nicht von Wanzl geschrieben wird. Das Unternehmen generiert lediglich den Zugangscode. Mit diesem Code, den die Kunden auf ihrem Smartphone oder ihrer Kundenkarte haben, öffnen sie die Eingangstür. Haben die Verbraucher dann alle Waren, die sie benötigen, zusammengetragen, scannen sie den Einkauf oder legen ihn auf das Band eines Selfscanning-Tunnels. Der Bezahlvorgang selbst unterscheide sich im Store grundsätzlich nicht von dem des Payback-Systems.

Selbstbefüllende Regale
Der kassenlose Einkauf und das Bezahlen mit dem Handy sind aus Wanzl-Sicht also künftig nicht das Problem. Doch ohne die Unterstützung durch Mitarbeiter geht es auch nicht. Ein vollständiger Verzicht auf Personal sei auch nicht vorgesehen, berichtet Marketingleiter Frank. Gerade hinsichtlich der Beseitigung Out-of-Stock-Situationen müssten für einen vollautomatisierten Laden noch kreative Lösungen gefunden werden. „Zukunftsvisionen gibt es natürlich bereits“, so Frank „zum Beispiel sich selbstständig auffüllende oder aus der Ferne steuerbare Regale.“ Vorstellbar seien automatische Karusselllager und autonome Roboter, wie Wanzl sie im Geschäftsbereich Logistics and Industry beim Kommissioniersystem Dynamic Material Handling verwendet oder auch Shuttles und Drohnen. Das alles sei ja bereits da. Allerdings müssten dafür erst intralogistische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die nicht von heute auf morgen überall umsetzbar sind.

„Wir müssen den stationären Kunden helfen, ins digitale Zeitalter zu finden.“
Jürgen Frank, Leiter Produkmanagment Wanzl.