Amazon go Just Walk Out Shopping

Seinen ersten kassenlosen Store hat Amazon Anfang des Jahres in Seattle für die Öffentlichkeit geöffnet. Vorausgegangen war ein langer Test mit den Amazon-Mitarbeitern für dieses innovative Angebot.

Der erste öffentlichen Amazon Go-Store an den 7th Ave. in Seattle, Washington, ist vollgestopft mit Kameras, Sensoren und der vom Unternehmen selbst so genannten “Just Walk Out-Technology“. Kunden des nur knapp 167 qm großen Shops müssen hier keine aktiven Bezahlvorgang erledigen. Die Ware wird ihnen über die mit ihrem Amazon-Konto verbundene Kreditkarte in Rechnung gestellt. Notwendig ist darüber hinaus auch die Installation der kostenlosen Amazon Mobil-App auf ihrem Smartphone. Ohne die kommt ein Kunde gar nicht in den Laden. Die Eingangsbarriere verweigern App-Muffeln den Zutritt. Wer die App hat, drin ist und ein Produkt aus dem Regal nimmt, aber es dann wieder zurückstellt, muss angeblich auch nicht fürchten, dass es ihm später in Rechnung gestellt wird. Die Technik erkennt die Rückgabe und streicht das Produkt aus der Liste. Einige Minuten nach Verlassen des Shops kommt eine elektronische Quittung von Amazon. Insgesamt also ein Konzept von „Just Walk Out Shopping“, so das Unternehmen.

Machine learning und mehr

„Hinter der Ladentechnik Amazon Go steckt kein besonderer RFID-Chip. Der ist viel zu teuer, um ihn auf eine Packung Katzenfutter für 39 Cent zu kleben. Amazon arbeitet an diesem Innovationsprojekt mit Machine Learning, Datenverarbeitung, Sensorik, Computer Vision – den Kernstärken des Unternehmens“, hatte Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber im Dezember in einem Interview mit der Funke Mediengruppe gesagt. Ein Engagement in Deutschland mit solchen Läden sei „keine Frage des Ob, sondern des Wann“, sagte er in dem Interview ebenfalls. Für sinnvoll hält er ein Engagement seitens Amazon im klassischen Retail in Deutschland durchaus, schließlich stehe dieser immer noch für 90 bis 95 Prozent des Handelsumsatzes hier zu Lande. Kleber: „Wir werden uns nie dem verschließen, was der Kunde will.“

Good Fast Food

Im Angebot hat der Shop nach dem eigenen Motto viel „Good Food Fast“, aber im Grunde ein modernes Convenience-Store-Sortiment. Verkauft werden beispielsweise salzige Snacks und Süßwaren, Fertiggerichte und Snacks to go wie Wraps. Außerdem im Angebot: so genannte „Chef-designed Amazon Meal Kits“, die zuhause mit einem Zeitaufwand von 30 Minuten in leckere Gerichte verwandelt werden sollen. Dazu kommen weitere Lebensmittel wie Brotaufstriche und Marmelade, aber auch Hygiene- und Körperpflegeartikel, außerdem Wein, Bier, alkoholfreie Getränke und natürlich Kaffee.

Die Mitarbeiter des Ladens kassieren nicht, arbeiten aber im Hintergrund. Sie produzieren Snacks, räumen Regale ein, beantworten Fragen der Kunden und kontrollieren auch Ausweise am Alkoholregal. Laut der Internet-Plattform Recode könnte Amazon noch in diesem Jahr sechs weitere futuristische Convenience-Stores eröffnen, so in Seattle und Los Angeles.