Wie der Convenience-Markt hier zu Lande und darüber hinaus performt, spiegelt sich ein Stück weit auch immer in der Geschäftsentwicklung des Convenience-Großhändlers Lekkerland. Europaweit konnte er im vergangenen Jahr seinen Umsatz auf dem Niveau von 2023 halten. Erzielt wurden rund 15,1 Milliarden Euro, teilt das Unternehmen mit. Das entspricht etwa dem Niveau des Jahres 2023. Weitere Zahlen zur geschäftlichen Entwicklung wollte die Rewe-Tochter nicht veröffentlichen. Auf Anfrage von Convenience Shop gab das Unternehmen jedoch einige Anhaltspunkte zu aktuellen Situation bekannt. So habe sich das Geschäft in den verschiedenen Landesgesellschaften unterschiedlich entwickelt.
Mit dem Tabakabsatz im Plus
In Deutschland war die Umsatzentwicklung im vergangenen Jahr im Wesentlichen preisgetrieben, teilte das Unternehmen mit. Zudem habe sich über das Gesamtjahr gesehen das Tabakvolumen positiv entwickelt. Allerdings habe sich dem gegenüber im Food-Bereich die Kaufzurückhaltung der Konsumentinnen und Konsumenten bemerkbar gemacht, war aus der Unternehmenszentrale zu erfahren. Hingegen konnte in Spanien ein Umsatz- und Mengenwachstum im Bereich Food realisiert werden. In den Niederlanden musste Lekkerland allerdings „signifikante Umsatzrückgänge im Bereich Tabakwaren“ hinnehmen. Denn dort trat zu Anfang Juli 2024 ein Verkaufsverbot für Tabakprodukte in Supermärkten in Kraft. Das hatte Auswirkungen auf den gesamten Handel mit Tabakwaren. Auch Lekkerland konnte die Rückgänge im Nachbarland nicht ausgleichen. Zum Geschäftsverlauf in diesem Jahr wollte das Unternehmen aktuell keine Stellung beziehen.
Immerhin teilte der Großhändler mit, dass in Deutschland das unternehmenseigene Foodservice Konzept „Fresh +Tasty“ mittlerweile in 400 Tankstellen-Shops zu finden ist. Fabian Schinke, Director Category Foodservice bei Lekkerland, kommentierte dazu: „Wichtiger als die absolute Zahl der Fresh + Tasty‘-Standorte ist uns bei Lekkerland jedoch, dass wir zusammen mit unseren Tankstellen-Kunden die Wachstumschancen optimal nutzen, die die Nachfrage nach Snacks und Getränken zum Mitnehmen oder zum Sofortverzehr bietet.“
Wachstumsziele für „Fresh + Tasty“
Wie es mit dem Foodservice-Format weitergehe, sei noch nicht eindeutig zu beantworten. Man habe sich zwar entsprechende Wachstumsziele gesetzt: „Der nachhaltige Ausbau der Standortanzahl hängt aber maßgeblich vom wirtschaftlichen Erfolg unserer Kunden ab“, meinte Schinke. Somit sei jeder neue ‚Fresh + Tasty‘-Standort nicht nur ein weiterer Meilenstein, sondern auch ein Beweis dafür, dass das Konzept funktioniere und auch die vertriebliche Betreuung der Kunden stimme.„Fresh + Tasty“ sei ein zentraler Baustein, wenn es darum gehe, das Foodservice-Geschäfts des Unternehmens und der Branche zu unterstützen und auszubauen, beispielsweise bei der Sortimentszusammenstellung, Preiskalkulation und bei Werbemitteln.
Neben „Fresh + Tasty“ gebe es für Lekkerland zudem andere Bausteine, die eine wichtige Rolle in diesem Geschäftsbereich spielten: beispielsweise generell die Weiterentwicklung des Foodservice-Geschäfts sowie die Sortiments- und Category- Management-Arbeit und auch Schulungen.
Darüber hinaus verweist Fabian Schinke darauf, dass ansprechende Foodservice-Konzepte die Kundschaft dazu inspirieren, Tankstellen-Bistros als eine Alternative zu Restaurants wahrzunehmen – zumindest für die Unterwegsversorgung – so wie es eine Studie des EHI Retail Institute aktuell ausweist.
Hinzu komme, dass sich die klassische Restaurant-Gastronomie zunehmend auf das Abendgeschäft konzentriere. Dies geschehe vor allem auf Grund von Herausforderungen wie Personalverfügbarkeit und steigenden Betriebskosten. Auch dadurch ergäbe sich für Foodservice-Angebote die Chance, neue Umsatzpotenziale, insbesondere in der Mittagszeit, zu erschließen, glaubt Schinke. „Wir sind überzeugt, dass unsere ‚Fresh + Tasty‘-Kunden von diesem Wandel profitieren können“, ergänzt er. Ziel sei es, diese Chancen optimal zu nutzen.
Mobilität und Foodservice-Geschäft
Dennoch möchte der Director Category Foodservice die Frage, ob künftig das Foodservice-Geschäft gegenüber dem Retail-Business weiter an Bedeutung und Umsatz gewinnen werde, nicht mit einem eindeutigen ja beantworten. Denn die Antwort hänge maßgeblich von der jeweiligen Verkaufsstelle, ihrer Zielgruppe und ihrem Wettbewerbsumfeld ab.
Grundsätzlich räumt er allerdings ein, gehe Lekkerland davon aus, dass das Foodservice-Geschäft in den kommenden Jahren spürbar an Umsatz gewinnen werde . Ein entscheidender Treiber sei die weiterhin zunehmende Mobilität der Gesellschaft. Dies sei ein langfristiger Trend. Entsprechend, so die Prognose, würden sich die Lebens- und Konsumgewohnheiten immer stärker an flexible und schnelle Verpflegungsoptionen anpassen.
Abschließend weist Foodservice Director Schinke darauf hin, dass der langfristige Erfolg von Unterwegsversorgern generell auf zwei Beinen stehe. Das gelte für Tankstellen-Shops und auch für andere Convenience-Stores. Es sei wichtig, ein attraktives Foodservice Angebot mit einem wettbewerbsfähiges Retail-Geschäft zu kombinieren. In beiden Bereichen gelte es, die Wünsche und auch die Geschmäcker der Konsumentinnen und Konsumenten in jeder Hinsicht zu treffen.