Albert Heijn in Duisburg Premiere im Bahnhof

Albert Heijn to go feiert in Duisburg Premiere: Für das niederländische Handelsunternehmen ist der dortige Shop der erste in einem deutschen Bahnhof, und der erste, der hier zu Lande in den traditionellen AH-Farben auftritt. Ein Refresh für blau-weiß.

Die Latte lag hoch: Rund zehn Albert Heijn to go sollte es ursprünglich bis Ende 2013 in Nordrhein-Westfalen geben. Doch die Pläne scheiterten zum Teil an langatmigen Genehmigungsverfahren. Ende Januar konnte endlich der sechste Shop eröffnen. Doch bis Jürgen Holtz, den die Niederländer für das Deutschland-Geschäft engagiert und mit dem Standort-Aufbau beauftragt haben, im Duisburger Hauptbahnhof das Band durchtrennen konnte, waren von der Planung bis zur Realisierung weit mehr als ein Jahr vergangen.

Abgesehen von den Verhandlungen mit der DB Station & Service AG und der konzeptionellen Entwicklung musste die Fläche unter den Gleisen umfangreich umgebaut werden. Zuvor belegte ein Frisör die 52 qm in der Bahnhofspassage, aber mit dem Einzug von Albert Heijn griffen neue Sicherheitsstandards. Unter anderem musste der gesamte Raum mit einem Eisengehäuse ausgekleidet werden.

Der niederländische Handelskonzern hat schon länger auch Bahnhöfe im Fokus. „Dabei hatte Duisburg hohe Priorität“, sagt Holtz. Unweit der niederländischen Grenze ist der Name Albert Heijn den Bewohnern vertraut – ein Phänomen, das den Konzern bereits nach der ersten Eröffnung 2012 in Aachen begeistert hatte. Auf Grund des hohen Bekanntheitsgrades fiel schließlich auch die Entscheidung, den To-go Nr. 6 mehr dem typischen AH-Design anzupassen, um die Marke in Deutschland zu stärken. Immerhin gibt es eine große Fangemeinde und eine lebhafte Facebook-Comunity, die sich AH to go-Standorte auch jenseits der nordrhein-westfälischen Grenzen wünscht, etwa in Nürnberg, Hannover, Lübeck, Berlin oder Trier.

Aber das Deutschland-Team tastet sich behutsam vor, sammelt Erfahrungen und passt die Konzepte dem Standort an. Da sind zum Beispiel die Öffnungszeiten. Ob 6 bis 22 Uhr sich im Bahnhof dauerhaft bewährt, müsse beobachtet werden. Außerdem wird dort sonntags nicht geschlossen. Weil der AH to go in Duisburg nur halb so groß ist wie die anderen Objekte, musste das Sortiment überarbeitet werden. Mit 500 Artikeln ist es jetzt weniger tief. Der Verkauf von Zeitschriften und Tabakwaren ist zum Beispiel anderen Händlern im Bahnhof vorbehalten. Außerdem fehlen Nonfoods etwa aus den Bereichen Körperpflege und Hygiene. Holtz und sein Team haben sich auf Food for now konzentriert und Food for later (etwa für mittags oder abends) etwas zurückgenommen.

Doch weil die Gesellschaft immer mobiler wird und moderne Kommunikationsmittel nahezu in jeder Tasche stecken, wurde auch in dem Falle vorgesorgt: Prepaid-Karten verschiedener Anbieter und eine kleine Auswahl an Geschenkgutscheinen ergänzen das Sortiment.

Zum Kernsortiment gehört zwangsläufig der Coffee to go sowie die vorverpackten Backwaren, süße Impulsartikel und gekühlte Getränke. Außerdem gibt es Smoothies, frische Salate, portioniertes Obst und Gemüse sowie frische Fertigmenüs. Bei Albert Heijn dürfen die Steam Meals nicht fehlen, also jene Fertiggerichte aus frischen vorgegarten Zutaten, die in der Mikrowelle daheim unter Dampf fertig gestellt werden. Das Garprinzip ist in den Niederlanden etabliert, die deutschen Verbraucher sind damit aber noch nicht richtig vertraut.

Eine Herausforderung für das Team im Duisburger Hauptbahnhof wird es aber sein, in den Stoßzeiten schnell zu agieren. Die täglich 77.000 Pendler und Reisende stehen unter Zeitdruck. „Darauf haben wir unsere Mitarbeiter geschult“, ergänzt Holtz. Pro Schicht sorgen sich jeweils vier Personen um die Kunden, und sie wissen, dass im Bahnhof jede Sekunde zählt. Die Arbeitsabläufe wurden entsprechend optimiert. Bei den Kaffeeautomaten hat man sich für zwei Black & White-Maschinen aus dem Hause Thermoplan entschieden, die in 20 bis 40 Sekunden je nach Sorte eine Kaffeespezialität oder einen Kakao aufbrühen. Zur Unterstützung gibt es noch eine Filtermaschine. Bei den Backwaren kann zwar in einem gewissen Umfang vorgebacken werden, der Frische zuliebe strebt das Team aber kurze Standzeiten an, die bei manchen Artikeln am besten 30 Minuten nicht überschreiten sollten. Geliefert wird die Frischware täglich. Lekkerland versorgt auch diesen Standort direkt aus den Niederlanden mit den Albert Heijn-Eigenmarken. Für das Trockensortiment kommt drei Mal in der Woche ein LKW.

Albert Heijn setzt mit diversen Angeboten Schwerpunkte. Der klassische Filterkaffee kostet 1 Euro. Außerdem gibt es reduzierte Fertiggerichte, die Meal Deals. Für die so genannten Combi Deals (ein Getränk und eine Backware oder zwei Sandwiches und eine Tüte Apfelspalten) wird in der Passage mit einem Aufsteller geworben.

Holtz und sein Team haben bei der Shop-Entwicklung mit einer maximalen Aufenthaltsdauer der Kunden von ungefähr zwei Minuten kalkuliert. Im Duisburger Hauptbahnhof könnte die Marke noch unterschritten werden. Das Sortiment ist nämlich so klar strukturiert und sehr übersichtlich platziert, dass sich Kunden und auch Mitarbeiter nicht in die Quere kommen.

Fotos: Stefan Mugrauer