Bildquelle: Dr. Eckert

Dr. Eckert Vielseitig aufgestellt

Er ist einer der erfahrensten Unternehmer am Bahnhof. Als Aufsichtsratsvorsitzender arbeitet Dr. Adam-Claus Eckert weiter mit an der Zukunft seines Unternehmens.

Schon im ersten Jahr von Convenience Shop stand uns Dr. Adam-Claus Eckert, heute Aufsichtsratsvorsitzender der Unternehmensgruppe Dr. Eckert GmbH, für ein Interview zur Verfügung. Damals war er Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler. Das Gesamtfilialnetz der Unternehmensgruppe Dr. Eckert umfasst heute rund 350 Standorte, darunter mehr als 250 Geschäfte in den Bereichen Presse, Buch, Tabak und Convenience: Bahnhofsbuchhandlungen der Marke Ludwig, Pressefachgeschäfte der Marke Eckert, Tabakwarenfachgeschäfte der Marke Barbarino und T.H.Kleen sowie Convenience-Stores unter den Labels Adam’s und ServiceStore DB. Die meisten Geschäfte der Unternehmensgruppe Dr. Eckert befinden sich an Bahnhöfen.

Vor 25 Jahren haben Sie, Herr Dr. Eckert, Convenience Shop ein Interview als Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler gegeben. Wie ist die Situation dieser Branche aus Ihrer Sicht heute?
Dr. Eckert: Ihr Interview findet in einer außergewöhnlichen Zeit statt. Die Corona-Krise und ihre Folgen dominieren heute alle Bereiche unserer geschäftlichen Aktivitäten. Auch wenn der Pressehandel weiterhin stattfinden darf, haben wir bereits eine ganze Anzahl Filialen wegen fehlender Kunden geschlossen. Der Umsatzrückgang betrug in Einzelfällen 70 Prozent, so dass ein rentabler Betrieb nicht möglich ist. Darüber hinaus spürt der Bahnhofsbuchhandel seit Jahren eine rückläufige Nachfrage nach Zeitungen und Zeitschriften. Diese Entwicklung ist meines Erachtens unumkehrbar, so dass man mit Fug und Recht den Bahnhofsbuchhandel nicht zu den Wachstumsbranchen rechnen kann.

Sie haben damals eingeräumt, dass sich Ihr Verband mehr um seine Mitglieder kümmere und nicht so stark auf Außenwirkung setzt. Das hat sich in der allgemeinen Wahrnehmung, aus meiner Sicht, nicht viel verändert. Ist das nicht ein Nachteil während oder nach solchen Krisenzeiten?
Meine Nachfolger im Vorstand des Verbandes haben hier deutlich andere Schwerpunkte gesetzt. „Bei Presse verstehe ich nur Bahnhof“ war eine Marketingkampagne, die wir gemeinsam mit den Verlagen gestartet haben. Für viele Special Interest-Titel sind wir heute der wichtigste Vertriebskanal.

Der Presse- und Buchhandel steht ja inzwischen in einem starken Online-Wettbewerb, von dem vor 25 Jahren noch keine Rede sein konnte. Das könnte sich tendenziell nach der Corona-Krise noch einmal deutlich verschärfen. Wie reagiert Ihr Unternehmen, wie reagiert die Branche darauf? Wie lange werden die Menschen noch Printprodukte kaufen und lesen?
Die Tageszeitungen haben ihre Rolle als wichtige Informationsmedien weit gehend zu Gunsten elektronischer Medien – Fernsehen, soziale Netzwerke etc. – eingebüßt. Auch dies wird sich wohl nicht mehr ändern. Der Bahnhofsbuchhandel und auch wir bieten zunehmend zusätzliche Sortimente und Dienstleistungen in unseren Geschäften an, wobei dieser Strategie jedoch die Kriterien für die Direktbelieferung mit Presse Grenzen setzt.
Um von den Verlagen direkt, das heißt nicht über das Pressegrosso beliefert zu werden, muss der Schwerpunkt unserer Geschäfte im Presse- und Buchhandel liegen. Ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass es immer eine Nachfrage nach informativer und unterhaltsamer Presse geben wird.

Sehen Sie Ihr Unternehmen heute auch noch vorwiegend als Buch- und Presseanbieter, oder hat sich die Struktur verschoben? Sie haben sich frühzeitig und mutig Convenience als Begriff auf die Fahne geschrieben und es zeitweise immerhin auch zum Teil eines Konzeptnamens gemacht. In Sachen Convenience und Dr. Eckert tauchten dann Konzeptnamen wie „Adam‘s“, „On!Express“ und auch „Service Store DB“ auf. Welche Convenience-Strategie verfolgen Sie heute?
Unser Unternehmen, welches 1923 gegründet wurde, war nie schwerpunktmäßig Presse- und Buchhändler. Wir haben uns immer als Reisebedarfsspezialisten gesehen, und daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Unter unserer Marke „Eckert“ betreiben wir heute mehr als hundert Filialen. Daneben gibt es unter „Barbarino“ rund 80 Tabakwarenfachgeschäfte. Unter der Marke „Ludwig“ führen wir unsere großen Bahnhofsbuchhandlungen und unter „Adam‘s“ experimentieren wir mit Snackkonzepten. Service Store DB, eine Marke der DB, haben wir auf Wunsch unseres Vermieters in unser Portfolio aufgenommen. Mit dieser Mehrmarken-Strategie fühlen wir uns gut aufgestellt.

Der ÖPNV und die Bahn galten in den vergangenen Jahren immer mehr als Hoffnungsträger für eine umweltbewusstere Zukunft, weil sie den Individualverkehr zurückdrängen können. Gute Aussichten also auch für die dort angesiedelten Geschäfte. In Zeiten einer Pandemie hat plötzlich und unerwartet der Individualverkehr scheinbar wieder Vorteile für die Menschen. Sehen Sie hier eine Trendwende?
Corona hin oder her, die Probleme der Luftverschmutzung durch den Verkehr sind ja damit nicht gelöst. Die Bahn ist nun mal mit Abstand das umweltfreundlichste Verkehrsmittel, so dass ihr Ausbau alternativlos ist. Die Bundesregierung sieht dies wohl genauso und hat deshalb erhebliche Finanzmittel zum Ausbau der Infrastruktur zur Verfügung gestellt. Deshalb werden Bahnhöfe immer ein hochfrequenter und attraktiver Standort sein. Dennoch haben wir schon immer darauf geachtet unsere Filialen nicht ausschließlich nur in Bahnhöfen zu betreiben. Mehr als die Hälfte unserer Geschäfte befindet sich auch deshalb in Innenstädten und Einkaufs-Centern.

Ist es es aus Ihrer Sicht vor dem Hintergrund der Pandemie-Krise künftig noch richtig, bei den Standorten weiterhin voll auf Verkehrsstationen zu setzen? Wäre es nicht angebracht, Shop-Standorte zu diversifizieren und zusätzlich in attraktive Citylagen zu gehen?
Im Moment sind alle unsere Aktivitäten darauf ausgerichtet, das Überleben unseres Unternehmens zu sichern. Die Bahn, unser größter Vermieter, hat die Mietzahlungen für den April gestundet, und damit einen ersten Beitrag geleistet. Doch trotz Inanspruchnahme von Kurzarbeitergeld, das jedoch von uns vorfinanziert werden muss, sind unsere Kosten derzeit höher als unsere Erträge. Lange kann das nicht gut gehen, da auch die von der KfW verbürgten Kredite den „Schönheitsfehler“ haben, dass sie zurückgezahlt werden müssen.

Sie haben ja schon erläutert, dass die Corona-Krise auch Ihr Unternehmen nicht unerheblich getroffen hat. Gibt es aus Ihrer Sicht jetzt bereits schon Learnings für die Zukunft, oder geht es im Moment nur ums nackte Überleben?
Ganz sicher werden wir unsere Online-Aktivitäten weiter ausbauen, um von solch massiven Beeinträchtigungen im stationären Handel in Zukunft weniger getroffen zu werden. Nur sind solche Bemühungen in einem Sortiment, das den spontanen Momentanbedarf abdeckt, nur sehr begrenzt erfolgreich.