Bildquelle: VDBB

Bahnhofsbuchhandel Zufrieden am Bahnhof

Er ist ein spannender Teil des Convenience-Geschäftes an deutschen Bahnhöfen: der Bahnhofsbuchhandel in Deutschland, der bei seinen Kunden offenbar sehr beliebt ist.

Der Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler (VDBB), der kürzlich seine Jahrestagung in Berlin abhielt, sieht die Geschäfte seiner Mitglieder als „Hotspots der Kommunikation“. Und die Zahlen, die er kürzlich veröffentlichte sind beeindruckend. Die etwa 450 Bahnhofsbuchhandlungen bedienen auf ca. 50.000 qm Verkaufsfläche mehr als 2 Mio. kaufende Kunden pro Woche. Da der Verband von einer Kaufquote von 52,3 Prozent spricht, kommen offenbar nahezu 4 Mio Kunden pro Jahr in die Geschäfte. Von ihren Kunden sind 42, 3 Prozent unter 39 Jahre alt, 32,3 Prozent zwischen 40 und 59 sowie 17,5 Prozent älter als 60. Frauen sind dabei übrigens in der Mehrheit. Sie stellen 55 Prozent der Kunden, Männer 45 Prozent. Um genauer zu erfahren, was die Kunden von ihrem Angebot halten, ließ der Verband kürzlich an verschiedenen Bahnhofs-Standorten durch ein Marktforschungsinstitut eine Kundenbefragung durchführen. Heraus kam, dass die Verbraucher viel von diesen Geschäften erwarten und diese Erwartungen weitgehend erfüllt werden.

So gaben 91,2 Prozent an, dass sie im Bahnhofsbuchhandel ein herausragendes Angebot an Pressetiteln erwarten. 92,9 Prozent zeigten sich dann auch begeistert von der umgesetzten Angebotsvielfalt. 76,9 Prozent der Befragten erwarten kompetentes Personal im Bahnhofsbuchhandel und 80,5 Prozent haben positive Erfahrungen mit der Fachkompetenz der Mitarbeiter vor Ort gemacht. 79,5 Prozent der Kunden wünschen sich eine angenehme Atmosphäre in den Geschäften, die von 88 Prozent dort auch so vorgefunden wird.

Die Käufer sind zudem sehr treu und häufig vor Ort, wie ebenfalls klar wurde. Mehr als 70 Prozent kommen mehr als einmal pro Monat in den Bahnhofsbuchhandel, 13,7 Prozent sogar täglich und 20,3 Prozent bis zu dreimal pro Woche. „Nirgendwo ist das Pressesortiment so groß und so lebendig wie in unseren Bahnhofsbuchhandlungen“, betont Peter Obeldobel, Vorsitzender des VDBB.

Lust auf Neues

Dabei spielen aus seiner Sicht neue Titel eine besondere Rolle: „Newcomer erhöhen die Attraktivität unserer Geschäfte und damit die Verkaufschancen für alle Pressetitel. Deshalb begrüßen wir einerseits die anhaltende Gründungswelle im Zeitschriftenmarkt. Andererseits wünschen wir uns für die Zukunft noch mehr Innovationsfreude von den Verlagen sowohl in der Produktentwicklung als auch in der Vermarktung am Point of Sale“, so sein Statement.

Dass die speziellen Kunden dieser Händler allerdings keine einfache Zielgruppe für benachbarte Convenience Stores sind, ergab sich indirekt auch durch die Befragung. Zwar locken die Buchhändler offenbar fast ein Drittel ihrer Kunden nur mit ihrem Angebot in den Bahnhof und sind damit ein wichtiger Frequenzbringer für diesen, aber ihre Kunden nutzen diesen Aufenthalt zum überwiegenden Teil nicht dazu, zusätzliche Einkäufe zu machen. Offensichtlich besuchen 85,4 Prozent der Befragten kein weiteres Geschäft in diesem Umfeld.

Kein Convenience also? So einfach ist es nicht, denn der Grund für diesen Wert kann natürlich auch sein, dass die Buchhändler einen Teil des Convenience-Angebotes selber abdecken, denn sie machten 2016 zwar 462 Mio. Euro Umsatz (plus 1,2 Prozent), davon fielen aber nur 311 Mio. Euro auf Gedrucktes (Pressebereich: 217 Mio. Euro). Die restlichen 151 Mio. Euro Umsatz wurden laut Verband mit Tabakwaren, Nonfood und Convenience-Angeboten erzielt.