Jet Mit Fokus auf Struktur und Strategie

Eine klarere Struktur und der Ausbau des JET-Tankstellennetzes sind die Ziele von Volker Friedemann. Er ist seit Februar im Amt als neuer Managing Director bei JET Tankstellen.

Mittwoch, 16. September 2026, 06:09 Uhr
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Bildquelle: Jet Tankstellen

Das Geschäft gemeinsam weiterentwickeln und so aufstellen, dass die Marke ihren Erfolg ausbauen kann. Das hat sich der neue JET-Chef Volker Friedemann auf die Fahnen geschrieben, so der Managing Director  im Interview mit CS. Man arbeite zurzeit an der Strategie und daraus resultierenden Initiativen. Bei der Struktur habe JET bereits entscheidende Weichen gestellt. Nun gehe es auch darum, das Netz auszubauen, durch den Zukauf kleinerer Netze oder die Übernahme einzelner Standorte.

Die Nachricht hatte die Branche stark bewegt: Die deutschen Wettbewerbsbehörden hatten Ende vergangenen Jahres den Verkauf der JET- und Supermarkttankstellen in Deutschland und Österreich genehmigt. Die Geschäfte der Tankstellen in den beiden Ländern führt ein Joint Venture weiter. Beteiligt an dieser Kooperation ist weiterhin Phillips 66, der bisherige Alleineigentümer der Stationen. Die Mehrheit halten jetzt das Investmentunternehmen Energy Equation Partners (EEP) und Stonepeak mit zusammen über 65 Prozent der Eigentumsanteile. Beim bisherigen Besitzer verblieben entsprechend nur 35 Prozent. Anfang Februar 2026 übernahm Volker Friedemann die Position des Managing Director bei JET Tankstellen Deutschland. Zuvor war er Geschäftsführer EG Deutschland. Wir sprachen mit ihm über die aktuelle Lage und die weitere Entwicklung bei JET.

Convenience Shop: Herr Friedemann, Sie sind seit etwa einem halben Jahr bei JET. Wie sind Ihre ersten Erfahrungen innerhalb des Unternehmens? Was konnten Sie bereits anschieben?

Volker Friedemann: Die Branche hat schon immer mit viel Respekt auf JET und das Geschäftsmodell des Unternehmens geschaut – zu Recht!  JET hat es geschafft, zu einer extrem beliebten Marke mit sehr starker Wahrnehmung zu werden, und dabei geht es um weitaus mehr als bloßes Branding. JET ist Seriensieger im Preis-Leistungs-Ranking von YouGov/Handelsblatt, bekommt sehr viel Anerkennung von den Kunden und ist nicht nur für mich, sondern immer wieder auch in Verbraucherumfragen die stärkste Marke im Wettbewerb. Dazu passt, dass ich eine Organisation erlebe, die sehr intelligent ist und auch eindeutig den Willen hat, sich weiterzuentwickeln. Jetzt geht es darum, den Fokus darauf zu richten, wie wir das Geschäft gemeinsam weiterentwickeln und uns so aufstellen, dass die Marke ihren Erfolg ausbauen kann. Dazu zählen an erster Stelle Struktur und Strategie. An der Strategie und daraus resultierenden Initiativen arbeiten wir zurzeit, bei der Struktur haben wir bereits entscheidende Weichen gestellt. Wir haben eine klarere Organisationsstruktur, haben das abteilungsübergreifende Arbeiten intensiviert und nutzen verstärkt Synergien zwischen den einzelnen Bereichen. Ein konkretes Beispiel ist der neu aufgestellte Bereich Fuels, in dem Pricing, Supply und Transportation eng zusammenarbeiten, um agiler auf Marktsituationen reagieren zu können.

CS: Mit Ihrem Einstieg bei JET Tankstellen veränderte sich auch die Eigentümerstruktur des Unternehmens. Welche Veränderungen ergeben sich daraus für Ihren Arbeitsbereich bei Ihrem neuen Arbeitgeber?

Friedemann: Die neue Eigentümerstruktur mit starken, wachstumsorientierten Investoren war einer der Gründe, warum ich zu JET gegangen bin. Ich kenne die Private-Equity-Perspektive ja schon aus meiner Zeit vor JET und sie fasziniert mich. Wenn man Dynamik mag, etwas gestalten, schnell und mit viel Freiheit weiterentwickeln und zum Erfolg führen will, bieten private Investoren einen guten Rahmen. Und der passt aus meiner Sicht auch gut zu JET, weil im Unternehmen sehr viel Potenzial liegt.

CS: Die krisenhafte Situation durch Kriege, Inflation und politischen Druck hat auch die Tankstellen hier zu Lande erneut in den Fokus gerückt. Welche Auswirkungen haben sich daraus für die JET-Tankstellen ergeben?

Friedemann: Wir erleben gerade extrem komplexe Zeiten. Das Wichtigste ist erst einmal, dass der Konflikt im Nahen Osten endet. Sowohl für die betroffenen Menschen in der Region als auch für Gesellschaften in Europa und dem Rest der Welt. Wir sind vielleicht noch am wenigsten betroffen. Aber es gibt viele Länder auf der Welt, in denen Mobilität zunehmend unerschwinglich wird. Mit den neuen, aus dieser Krise resultierenden regulatorischen Eingriffen im deutschen Tankstellen-Markt müssen wir leben und versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Fest steht: Es ist für alle Beteiligten inklusive der Politik nicht einfach und ich sehe den öffentlichen Druck, der herrscht. Es ist ohne Frage eine belastende Gesamtsituation für unsere Branche, vor allem für die Tankstellen-Partnerinnen und -partner, deren Kunden aufgrund hoher Kraftstoffpreise tendenziell weniger tanken und auch beim Shop-Einkauf zurückhaltender geworden sind. 

CS: Welche Empfehlungen haben Sie Ihren Pächtern in Deutschland gegeben, mit diesem Druck umzugehen?

Friedemann: JET ist wie schon gesagt eine extrem starke Marke, fokussiert sich auf das Wesentliche und ist der Preis-Leistungs-Sieger der Branche. Das gilt für Kraftstoffe, aber eben auch im Shop und den Bistros. Nicht umsonst haben Verbraucher JET zum 16. Mal in Folge zur beliebtesten Tankstellenmarke Deutschlands gewählt. Auf dieses Markenimage können unsere Tankstellenpartnerinnen und -partner genauso bauen wie auf die tägliche Unterstützung durch unseren Außendienst und das Team in der Hamburger Zentrale. Wir sind verlässliche Ansprechpartner, beraten und bieten die passenden Konzepte, um Kunden zu überzeugen. Wir gehen diesen Weg gemeinsam, gerade in herausfordernden Zeiten. 

CS: Welche Auswirkungen hat die krisenhafte Situation bisher auf das Shop-Geschäft an JET Tankstellen mit sich gebracht? Lässt sich dies an einigen konkreten Beispielen aufzeigen?

Friedemann: Um es auf den Punkt zu bringen: Ein geringeres Kraftstoffvolumen an Tankstellen-Standorten macht sich auch im Shop-Geschäft bemerkbar. Wir haben zwar einen leichten Zuwachs im Shop und liegen bei den Umsätzen pro Standort über dem Marktwettbewerb, aber auch wir merken die allgemeine Kaufzurückhaltung und gestiegene Preissensibilität der Verbraucher. Umso wichtiger ist es, nicht an der Preisschraube zu drehen, um die Umsätze zu stabilisieren. Denn wir stehen in einem immer stärkeren Preiswettbewerb mit dem LEH. Hinzu kommt, dass ein Vorteil unserer Shops, die Schnelligkeit des Einkaufs – kurz anhalten, eine Coke und einen Snack kaufen und weiter – kleiner wird, denn der LEH hat durch SB-Module und Self-Checkout aufgeholt. Rückgängen in einzelnen Kategorien begegnen wir daher vor allem auf einem Weg: Durch das grundsätzliche Einhalten von Preisgrenzen, ergänzt um attraktive Aktionsangebote oder Bundle-Aktionen. Hinzu kommt eine ständige Überprüfung der Sortimente.

CS: In Österreich, wo die JET Tankstellen ebenfalls vom Joint-Venture übernommen wurden, hat JET im Mai ein Pilotprojekt mit Spar gestartet. An fünf Standorten werden Spar Express Shops etabliert. Warum dieser Schritt?

Friedemann: Mit den neuen Spar express Shops in Österreich testen wir ein Konzept, das über das klassischer Tankstellen-Shops hinausgeht. Das betrifft das Angebot – an den fünf Teststandorten erwartet Kundinnen und Kunden ein sorgfältig abgestimmtes Sortiment von rund 1.500 Artikeln, wie sie es aus Supermärkten kennen – und gilt auch für die Öffnungszeiten. Die Spar express Shops haben montags bis sonntags inklusive aller Feiertage mindestens von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Neben klassischen Produkten für den schnellen Einkauf liegt der Schwerpunkt insbesondere auf frischen Lebensmitteln, gekühlten Snacks sowie einer breiten Auswahl an Getränken. Das Sortiment besteht aus internationalen Markenartikeln und aus Spar-Markenprodukten, für die eine Supermarktpreisgarantie gilt. Das heißt, dass alle Spar-Markenprodukte, ob Obst, Gemüse, Fleisch, frisch aufgebackenes Brot und Gebäck genauso günstig sind wie im Spar-Supermarkt. Unser Ziel: Wir wollen im österreichischen Tankstellenmarkt einen deutlichen Unterschied machen und den Kundinnen und Kunden ein Einkaufserlebnis für unterwegs bieten, das Frische, Qualität und Schnelligkeit vereint.

CS: Sind ähnliche Maßnahmen wie in Österreich auch für Ihre Stationen im deutschen Markt geplant?

Friedemann: Was die Nahversorgung betrifft, ist der österreichische Markt nicht mit dem deutschen zu vergleichen. Das betrifft in erster Linie die Ladenöffnungszeiten. Die sind in Österreich für den LEH erheblich strenger limitiert. Tankstellen-Shops hingegen dürfen länger geöffnet haben und auch an Sonn- und Feiertagen. Das heißt, wir stoßen dort in eine Lücke und bieten daher auch ein eher am klassischen LEH orientiertes Sortiment an – inklusive Obst, Gemüse und Fleisch. Dass das so umfänglich in Deutschland nicht funktionieren würde, zeigen Beispiele aus der Vergangenheit. In Deutschland ist ein Tankstellen-Shop in erster Linie ein Convenience Store mit ergänzenden Services wie Lotto, Paketshops etc., um den Kundinnen und Kunden weitere Wege zu ersparen. Aber selbstverständlich entwickeln wir auch unser Shop-Konzept für den deutschen Tankstellenmarkt ständig weiter. Dabei arbeiten wir eng mit unserem Partner Lekkerland zusammen. Das betrifft Sortimentsoptimierungen genauso wie das Aufgreifen von Convenience-Trends. Unser Anspruch: Wir wollen Kundinnen und Kunden ein möglichst attraktives Gesamtangebot zu fairen Preisen machen, damit sie besser unterwegs sind.

CS: Welche Entwicklungsmöglichkeiten sehen Sie in den Convenience-Stores an den unternehmenseigenen JET Tankstellen in den kommenden Monaten und Jahren?

Friedemann: Eine ganze Reihe – die neuen Eigentümer haben nicht ohne Grund in JET investiert. Unser übergeordnetes Ziel ist es, das JET Netz auszubauen, ob durch den Zukauf kleinerer Netze oder die Übernahme einzelner Standorte. Darüber hinaus werden wir verschiedene Initiativen in den unterschiedlichen Geschäftsbereichen starten, um die Position von JET sowohl im Markt als auch gegenüber den Kundinnen und Kunden auszubauen. Das betrifft natürlich auch den Shop-Bereich. Ein Beispiel schon an dieser Stelle: Wir haben ein sehr klares, standardisiertes Konzept für unsere bundesweiten Shops, das wir in Zukunft etwas modularer gestalten wollen, um gezielter als bisher auf regionale und lokale Kundenbedürfnisse eingehen zu können.