Autogrill Le Crobag wird Teil von Dufry

Der Duty-Free-Händler Dufry übernimmt den Travel Retailer Autogrill. Zum fusionierten Unternehmen gehören in Deutschland der Foodservice-Anbieter Le Crobag und auch Autobahn-Raststätten.

Dienstag, 01. November 2022 - Tankstelle
Martin Heiermann
Artikelbild Le Crobag wird Teil von Dufry
Bildquelle: Le Crobag / Wikimedia Commons

Die beiden Unternehmen Dufry und Autogrill waren von den Auswirkungen der Corona-Pandemie stark betroffen. Der Umsatz des weltweit größten Duty Free Händlers Dufry sank vor allem wegen geschlossener Flughäfen im Jahr 2020 gegenüber 2019 um über 70 Prozent auf knapp 2,7 Milliarden Euro. Fast genauso hoch sei das Minus beim Ergebnis gewesen. 2021 setzte das Schweizer Unternehmen immerhin wieder gut 3,9 Milliarden um, schrieb aber noch immer rote Zahlen, so Medienberichte.

Die zum italienischen Benetton-Konzern gehörende Autogrill-Gruppe ist etwas kleiner als Dufry. In Deutschland, aber auch in Österreich und in Polen, ist das Unternehmen vor allem durch den Foodservice-Anbieter Le Crobag vertreten. Die Shops sind in erster Linie in Bahnhöfen, aber auch in anderen Hochfrequenzlagen zu finden. Darüber hinaus betreibt Autogrill seit 2005 beispielsweise an deutschen Autobahnen auch Raststätten und ist an Flughäfen präsent. Vor der Pandemie, im Jahr 2019, machte Autogrill einen Umsatz von fünf Milliarden Euro, im darauffolgenden ersten Coronajahr 2020 waren es dann zwei Milliarden und im vergangenen Jahr rund 2,6 Milliarden Euro.

Mit Autogrill steigt Dufry ins Gastrogeschäft ein
Nun übernimmt der Reise-Einzelhändler Dufry, der hier zu Lande bisher nicht vertreten ist, den Wettbewerber Autogrill. Der Duty-Free-Händler ergänzt damit sein Angebots-Portfolio um das Gastrogeschäft im Bereich Travel Retail. Neu ist für Dufry dabei vor allem auch der Betrieb von Raststätten in einer Vielzahl von europäischen Ländern. Der CEO des fusionierten neuen Unternehmens, Xavier Rossinyol, erklärte in einem Interview mit der Schweizer Fachzeitung „Finanz und Wirtschaft“ allerdings, dass auch künftig dieses Segment nur eine relativ geringe Bedeutung haben werde. Schon bisher seien an den Autobahnen lediglich neun Prozent des Umsatzes erwirtschaftet worden. Autobahnen seien in Europa als Reise-Achsen dennoch wichtig. Daher mache dieses Geschäftsfeld für Dufry weiterhin Sinn. „Viel Wachstum sehe ich in diesem Bereich allerdings nicht“, so Rossinyol weiter. Der größte Umsatzanteil, über 80 Prozent, wird von dem fusionierten Unternehmen an Flughäfen erzielt. Dort liegt wohl auch in Zukunft das Kerngeschäft. Weitere rund zehn Prozent setzt der neu kombinierte Travel Retailer in anderen Segmenten um. Dazu gehört das Bahnhofsgeschäft in dem sich Le Crobag vor allem zu Hause füllt.

Ob die deutsche Autogrill-Tochtergesellschaft, durch die Fusion hier zu Lande Wachstumsimpulse erhält, bleibt jedoch zweifelhaft. Denn Unternehmens-Chef Rossinyol stellte schon jetzt öffentlich klar, dass Dufry „geografisch mit Fokus auf den USA“ expandieren wolle. Der Markt dort sei sehr stabil und resilient. Das habe sich während der Corona-Pandemie erwiesen. Ein weiterer Schwerpunkt liege auf dem Raum Asien-Pazifik. Dort zu wachsen, sei derzeit noch kein primäres Ziel, solle aber mittelfristig Teil der Strategie werden.

Umsatzwachstum soll es auch an den Flughäfen geben. Die Kooperation zwischen den Shop-Formaten von Autogrill und Dufry soll dies im Verhältnis zu den Flughafengesellschaften befördern. Vielleicht kann ja an dieser Stelle auch Le Crobag profitieren.

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