Bildquelle: s-iQ

Esso Großes Kino

Mathias Wild liebt und lebt für das Kino und hätte sich nie vorstellen können, eine Tankstelle zu betreiben. Aber wennschon, dennschon, wollte er eine mit einem „Wow-Effekt“.

Lässig lehnt Schauspieler Paul Walkler am Türrahmen zu den Toiletten. Auf 20 qm Wandfläche erzählen Protagonisten, Autos und Skyline von einer der erfolgreichsten Filmreihen in diesem Jahrhundert: The Fast and the Furious. Das Wandbild ist Ausdruck des besonderen Anspruchs des Eigentümers der Esso-Station Neubrücke, einem Cineasten und Kinobetreiber. Die scheinbar mit leichter Hand gelungene Integration in das Bistro und den Shop sagt auch viel über die gestalterische Qualität, mit der die s-iQ Objekt GmbH an die Planung herangegangen ist und konsequent umgesetzt hat. Volker Walz und seinem Team ist eine Inszenierung nicht nur für Petrolheads gelungen.

„Das ist doch nur eine Tankstelle“, hörte Mathias Wild in Gesprächen mit potenziellen Auftragnehmern immer wieder. In Volker Walz hat er einen Partner gefunden, für den Fläche und Raum nicht nur Maße sind, die mit Regalen, Theken, Tischen und Stühlen zu bestücken sind.

Mathias Wild hat sich zwei Angebote eingeholt, die Beratungsqualität vor der Angebotserteilung hat ihn von s-iQ überzeugt und nach dem viermonatigen Planungsprozess und der dreiwöchigen Bauphase ist auch dieser Eindruck nachhaltig erhalten geblieben: „Ich habe ein gutes Gefühl gehabt und den Innenarchitekten, Technikern und Ladenbauern komplett vertraut“, sagt der Tankstellenbetreiber und Kinofan.

Zwei, die sich ergänzten

„Mathias Wild ist ein kreativer Mensch, der auch seinerseits Kreativität einfordert. Uns hat es große Freude gemacht, unsere Qualifikation und Erfahrungen einbringen zu können“, erzählt Architekt und Prokurist Volker Walz. Offensichtlich mit Erfolg: „80 Prozent Umsetzung sind auch so von s-iQ vorgeschlagen und geplant worden“, bestätigt der Stations-Eigentümer.

Dem ist ein mehrstufiger Planungsprozess vorausgegangen. „Wir verstehen uns nicht vorrangig als Ladenbauer, sondern geben Räumen eine Identität, unsere Innenarchitekten und Techniker vereinen Form und Funktion“, erklärt Volker Walz. Mit dem Angebot erhält der Interessent ein Grundkonzept mit einer Kalkulation. Intern werden dafür zumeist zwei Varianten des Objektes entworfen.

Auch nach der Auftragserteilung gilt bei der Ausarbeitung des Farb- und Raumkonzepts wieder das Vier-Augen-Prinzip. Die Entwürfe werden in der großen Planungsrunde nochmals diskutiert, verifiziert oder wenn es sein muss sogar verworfen. „Wir ziehen nicht nur einfach einen Plan aus der Schublade und ändern das Shop-Layout, sondern wir beschäftigen uns mit dem Auftraggeber, mit seiner Zielsetzung, den Zielgruppen und dem Umfeld des Standortes“, betont Walz.

3.400 Einwohner, an der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und dem Saarland gelegen. Was sich zunächst wie Provinz liest, entpuppt sich bei genauer Ortskenntnis als ein Top-Standort für eine Tankstelle mit Shop und gastronomischem Angebot. Direkt an der B 41 gelegen, die Auf- und Abfahrt zur A 62 in der Nähe, in unmittelbarer Nähe der Umwelt-Campus der Universität Trier mit 2.500 Studierenden, das Zentrallager von Rofu Kinderland und Fissler, ein Regionalbahnhof, zudem 600 Park & Ride-Parkplätze für die Berufspendler nach Luxemburg, Kaiserslautern, Trier und Saarbrücken und direkt gegenüber ein Kino mit sechs Sälen – betrieben von Mathias Wild. Movietown: ein Kinokonzept wie aus der Großstadt – und das umgesetzt auf dem Land. Mathias Wild wusste genau wie.

Als das gegenüberliegende 4.500 Quadratmeter große Grundstück zum Verkauf stand, war ihm sofort klar, was er damit anfangen wollte. Er, der sich nicht vorstellen konnte, eine Tankstelle zu betreiben. Er, der sich vermutlich auch nicht vorstellen konnte, drei Kinos zu betreiben.

Als Cineast weiß er um die Bedeutung einer Inszenierung – die wirkt. Und die Esso-Station in Hoppenstädten-Weiersbach ist ein Statement. Um sichtbar zu sein, braucht es für Ortsfremde nicht unbedingt die Stele in Sichtweite zur B 41 – vor allem in den Abend- und Nachtstunden. Großzügige Zufahrten, breite Durchfahrten zwischen den im modernen Synergy-Design, dem neuen Tankstellenkonzept von Esso, gestalteten Tanksäulen und eine Traufhöhe des Daches, das im Shopgebäude fortgeführt wird. Ein Kubus, von zwei Seiten verglast und rund um die Uhr hell erleuchtet. Sichtbare Botschaft: Station und Shop haben 24 Stunden geöffnet.

Nicht das einzige Alleinstellungsmerkmal unter den vier umliegenden Tankstellen: drei großzügig bemessene Tankplätze für Lkw-Züge mit Anhänger, LPG-Tankpunkt, Waschanlage und SB-Waschboxen, überdachte Parkplätze vor den Shop. Das schafft Frequenz – auf dem Tankfeld und im Shop. 300 bis 500 Betankungen am Tag, der Kraftstoffumsatz, aber auch der Umsatz im Shop und im Bistro liegen über den Erwartungen.

Frühmorgens kommen die Lkw-Fahrer, später dann die Berufspendler und Mitarbeiter der umliegenden Unternehmen, mittags zumeist Durchreisende und abends durstige Studenten. Am Sonntag treffen sich Familien im Bistro zu Kaffee und Kuchen. In Shop und Bistro ist immer Frequenz: Belegte Brötchen, Donuts und süße Snacks, aber auch Hot Dogs, Wraps, Sandwiches und Stullen werden angeboten. Unübersehbar die große Siebträger-Kaffeemaschine. Für Kaffeeliebhaber Mathias Wild ein Muss: „Die Kaffeequalität muss so gut sein, dass die Kunden nur deshalb zu uns kommen“.

Deckenkonstruktion verbindet die Shop-Bereiche

Mit 200 Quadratmetern Fläche, ursprünglich geplant für ein Spar-Express-Konzept, haben die Experten ein Flächen- und Raumkonzept entworfen und umgesetzt, das dem Eintretenden Struktur und Orientierung vorgibt und dennoch ein sehr großzügiges Raumgefühl vermittelt. Eine der wenigen Vorgaben von Mathias Wild.

Die Getränkekühlung, eine offene Kühltheke für abgepackte Take-away-Snacks, eine Kassentheke von 3,70 Metern Breite, eine Snacktheke von 2,70 Metern mit zusätzlichem Kassenplatz und einem einsehbaren Vorbereitungsbereich zum Backen, Belegen und Regenerieren. Die funktionalen Bereiche werden über eine Holzpaneele miteinander verbunden. Diese steigt über die seitlich platzierte Getränkekühlung an und schließt mit dem schräg abkragenden Baldachin über der Kassenzone ab.

Der offene Bistrobereich ist über den Shop und auch direkt über einen seitlichen Eingang zu erreichen. Fliesen in rustikalem Dielendesign, tief hängende Lampenkörper aus Draht, lange Hochtische mit Hockern, runde Bistrotische und auf einem Podest eine „Lümmelecke“ mit bequemen Sofamöbeln – freier Blick auf ein- und ausfahrende Autos beim Tanken und eintretende Protagonisten. Besser hätte der Regisseur das Set für die Location, an dem Han und seine Petrolheads aus The Fast and the Furios abhängen, nicht inszenieren können.