Smart-Stores Tante Enso gibt Gas

Das genossenschaftliche Nahversorgungskonzept Tante Enso expandiert weiter, ebenso wie das Convenience-Segment Smart Stores in Deutschland insgesamt. 1.000 Shops sind es jetzt laut DHBW Heilbronn.

Montag, 13. Juli 2026, 08:36 Uhr
Artikelbild Tante Enso gibt Gas
Bildquelle: Tante Enso

Das genossenschaftliche Nahversorgungskonzept Tante Enso expandiert weiter, ebenso wie das Convenience-Segment Smart Stores in Deutschland insgesamt. 1.000 Shops sind es jetzt laut DHBW Heilbronn.

Tante Enso steht derzeit vor einer Wachstumsphase“: Bei Tante Enso, dem hybriden Nahversorgungskonzept für den ländlichen Raum, soll es jetzt wohl erst so richtig losgehen. Die Smart-Store-Kette wird bis zu 36 Tegut-Supermärkte übernehmen. Das hatte das Unternehmen nach Gesprächen mit dem Mutterkonzern, der Genossenschaft Migros Zürich, mitgeteilt. Die Transaktion stand bisher unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt, die jetzt erfolgte. Den Angaben zufolge befinden sich die 36 Standorte in Thüringen, Hessen und Bayern. Die Läden sollten laut Mitteilung schrittweise in das Tante-Enso-Konzept überführt werden. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit viel Engagement diese Märkte betrieben und bekommen durch Tante Enso durch die Übernahme eine Perspektive für ihre weitere Zukunft“, sagte Thomas Gutberlet, Geschäftsführer und Gesellschafter von Tante Enso. Er war bis 2024 Geschäftsführer von Tegut, daher verwundert diese Übernahme-Initiative auch nicht wirklich. Bereits im März hatte der Handelskonzern Migros angekündigt, Tegut verkaufen zu wollen. Rund 200 Supermärkte der Kette will Edeka übernehmen. Die Rewe-Gruppe will wohl bis zu 40 Tegut-Filialen kaufen. Auch Aldi Nord interessiert sich offenbar  für einzelne Standorte. Die Marke Tegut soll offenbar aufgegeben werden. Unklar ist wohl nach wie vor, wie viele Märkte bestehen bleiben.

Bald bereits 90 Standorte

Tante Enso, mit Sitz in Bremen, betreibt deutschlandweit jetzt 88 halbautomatisierte Mini-Supermärkte, vor allem im ländlichen Raum. Das Konzept ist „hybrid“ angelegt, soll heißen, die Märkte sind rund um die Uhr geöffnet, aber nur zu bestimmten Zeiten mit Personal besetzt. Im niedersächsischen Langen konnte es selbst jetzt den 1.000. deutschen Smart Store eröffnen, einen genossenschaftlich organisierten Tante Enso-Markt. Der 1.000. deutsche Smart Store ist es jedenfalls Prof. Dr. Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel und Studiengangsleiter Retail Management an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn, zufolge. Dieser hatte das Thema Smart Stores an seiner Universität frühzeitig besetzt und zählt außerdem mit einer interaktiven Online-Karte seitdem die Smart Stores in Deutschland. Kein Wunder also, dass Rüschen zu dieser 1.000 Eröffnung nach Langen kam und die Torte zur Feier (Foto) anschnitt.  

Gemeinsam mit den Genossen

„Ich freue mich, dass wir dazu beitragen können, gemeinsam mit den Bürger:innen die Zukunft der betroffenen Märkte abzusichern“, sagte Gutberlet anlässlich der Eröffnung. Mit fast 70.000 Teilhabern in ganz Deutschland sei Tante Enso zu einer Bewegung geworden, die Nähe, Versorgungssicherheit, Gemeinschaft und moderne Technologie miteinander verbinden will. Finanziert und initiiert werden die Tante-Enso-Standorte über das Genossenschaftsprinzip: Anwohnerinnen und Anwohner zeichnen jeweils mindestens einen Anteil von 100 Euro. Kommt eine ausreichende Personenzahl zusammen, wird ein Markt installiert. In Langen beispielsweise war die Kampagne im September 2023 angelaufen.

Bürger äußerten Wünsche

Während der Planungs- und Bauphase hätten Gemeindemitglieder Wünsche zu Sortiment, Öffnungszeiten und Filialgestaltung eingebracht, wurde berichtet. Neben dem Standardsortiment führt der Markt jetzt auch Produkte regionaler Hersteller und kleiner Startups. Er entstand in Langen als Neubau auf etwa 230 Quadratmetern Verkaufsfläche mit einem Sortiment von rund 3.000 Artikeln. Der Tante Enso in Langen ist rund um die Uhr geöffnet und montags, mittwochs, freitags und samstags sei er von acht bis zwölf Uhr personalbesetzt. Das gilt auch für donnerstags von acht bis zwölf Uhr und 15 bis 18 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten gelangt die Kundschaft per Chipkarte in den Markt; die Verifizierung am Eingang sei an eine stabile Internetanbindung gekoppelt. Nach dem Einkauf, am Checkout, kommt eine Self-Scanning-Kasse zum Einsatz: eine Tischlösung mit Desktop-Touchscreen und zwei Payment-Terminals. Bezahlt wird mit einer aufladbaren Kundenkarte. Produkte ohne Barcode sowie Frischwaren seien in der Kassensoftware hinterlegt und könnten auf dem Touch-Display ausgewählt werden. Lagerverwaltung und Bestellprozesse laufen digital.

So fasst Tante Enso seine Vorteile für die Bürger zusammen: „24/7 geöffnet durch modernes Zutrittssystem, persönliche Öffnungszeiten mit Team vor Ort, Sortiment mit Rewe-Eigenmarken wie ‚ja!‘, ‚Rewe Beste Wahl‘ oder ‚Rewe Bio‘, günstigere Preise für unsere Teilhaberinnen und Teilhaber (bis zu vier Prozent), lokale Aufenthaltsqualität durch Angebote wie Kaffee-Ecken, Post Services oder Apothekenbestellungen.“