Bildquelle: Valora, Backwerk

Übernahme Backwerk Valora backt noch größere Brötchen

Der Schweizer Convenience- und Foodservice-Händler sorgt für eine weitere Überraschung: Die Holding übernimmt nach Ditsch jetzt auch die Franchise-Kette Backwerk.

Übernahmegerüchte halten sich oft hartnäckig und nicht selten ist ein Funken Wahrheit daran. Die meisten dürften allerdings nicht schlecht gestaunt haben, als sich im September völlig unerwartet die Nachricht vom Valora-Backwerk-Deal verbreitete. Ein Déjà-vu, denn vor fünf Jahren hatte die Schweizer Holding mit ähnlich großen Übernahmen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Anfang 2012 gab sie bekannt, von Lekkerland die Einzelhandelssparte Convenience Concept zu übernehmen und acht Monate später schlüpfte auch die Mainzer Brezelbäckerei Ditsch unter das Valora-Dach.

Mit der jüngsten Akquisition versorgt das Gesamtunternehmen künftig weit mehr als 1,2 Mio. Kunden täglich und ist nach eigenen Angaben nicht nur größter Kiosk-Betreiber, sondern steige zum führenden Snack- und auch Kaffee-Anbieter Deutschlands auf.

Backwerk dürfte jedenfalls gut zu Valora passen. Das Unternehmen stehe für eine gute Organisation auf Franchise-Basis, auf die man weiterhin vermehrt setzen will, habe hervorragende Finanzkennzahlen, brauche wenig Investment und es müssten keine Schulden übernommen werden, begründet Michael Müller, CEO der Valora Group, die Übernahme.

Eine neue Branchengröße wächst also heran und nähert sich auch räumlich anderen Wettbewerbern. Mit den SB-Bäckereien erhöht Valora zum Beispiel auch ihre Präsenz an Verkehrsknotenpunkten, wo 34 Prozent der übernommenen SB-Bäckereien liegen. Außerdem zieht der Schweizer Händler in frequenzstarken City-Lagen. Dort sind 55 Prozent der insgesamt 342 Backwerk-Shops verwurzelt. Für alle Convenience-Händler könnte das jedenfalls die Suche nach guten Standorten erschweren, denn Valora kann mit seinem breiten Portfolio viele Standorte bedienen und kündigte auch schon an, dass der eine oder andere in Backwerk umgeflaggt werden könnte.

Müller will das Konzept ausrollen: Bis 2022 sollen 80 bis 100 neue Objekte dazukommen. Der CEO erwartet eine jährliches Wachstum auf Volumenbasis von 5 bis 7 Prozent. Für die Schweiz wird man das Konzept anpassen müssen, denn dort seien im Vergleich zu Deutschland mehr kalte Snacks gefragt. Ein großer Kraftakt werde das nicht sein, denn Backwerk zeichnet sich durch eine große Flexibilität in Konzept und Sortiment aus.

Backwerk wird als gut eingeführte Marke Teil der Division Food Service, führt Müller aus. Dazu gehören die Brezelbäckerei Ditsch, Brezelkönig sowie die Kaffeebarkette Caffé Spettacolo. Außerdem zählen aus dem kleinflächigen Retailhandel Marken wie DB ServiceStore, Cigo, Press & Books, k Kiosk und Avec sowie U-Store zum Valora-Portfolio. Ergänzt um Backwerk, nimmt auch die internationale Expansion Fahrt aus. Neben den Kernländern Schweiz und Deutschland stärkt der Händler mit den 342 SB-Bäckereien seine Präsenz vor allem in Österreich und den Niederlanden.

Müller ist überzeugt, den Bereich Out-of-Home weiter entwickeln sowie die Foodservice-Aktivitäten und -Kompetenzen erhöhen zu können: „Mit Backwerk geben wir dem ganzen Bereich Foodservice ein wesentlich höheres Gewicht in der Gruppe.“ Die ursprünglichen Discount-Bäckerei haben sich nämlich in den vergangenen Jahren von den einfachen Backwaren losgelöst und präsentieren sich heute als innovativen Lifestyle-Convenience-Retailer unter der neuen Message „Feel Good Food“. Drei Viertel des Umsatzes werden mit hochwertigen Snackprodukten und mit Kaffee gemacht. Müller kann sich in diesem Kanal auch die Valora-Eigenmarke ok,- vorstellen.

Jährlich werden Synergien im einstelligen Mio.-Euro-Bereich erwartet. Erreichen will Valora das über gute Einkaufspreise, über Einsparungen bei den Logistik-Kosten und über Cross-Selling. Als 2012 Convenience Concept integriert wurde, hatten die Schweizer mit Lekkerland eine Rahmenliefer-Vereinbarung geschlossen, wonach alle Valora-Standorte für fünf Jahre von den Frechenern mit Ware versorgt werden. Einen Vertrag gibt es noch, teilt Lekkerland mit. Allerding beliefert Lekkerland nicht Backwerk.