E-Loading Sprit fürs Handy

Eine noch recht junge Warengruppe hat in C-Stores Einzug gehalten: die Mobilfunkprodukte. Mit wenig Regalfläche kann durch sie eine neue Einnahmequelle erschlossen werden. Außerdem bringen sie Frequenz, binden die Kunden und schaffen die Voraussetzung für Zusatzumsätze.

Faktisch lassen viele Händler das Potenzial von Mobilfunkangeboten ungenutzt, weil sie große Lücken in ihrem Sortiment zulassen. Das ist nur ein Fazit einer Erhebung des Institut für angewandte Handelsforschung von Dr. Thomas Roeb an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Im Herbst vergangenen Jahres hatten die Studenten ca. 125 Tankstellen und begehbare Kioske zum Thema Mobilfunk unter die Lupe genommen.

Viele Handy-Nutzer setzen auf Gesprächsguthaben. Der Vorteil: Sie brauchen sich nicht auf lange Zeit binden und können die Prepaid-Karten unkompliziert kaufen und mitnehmen. Vor allem in unserer mobilen Gesellschaft bietet es sich an, unterwegs Guthaben aufzutanken. Die Mineralölgesellschaft Total hat davon profitiert. Deren Leiter Marketing, Shop, Food und Service sagte Anfang des Jahres in einem Interview mit Convenience Shop, dass 2013 damit mehrere 100 Prozent plus gemacht wurden. Außerdem, so die Fachleute, bringen Aufladekarten eine gute Spanne und haben aufgrund ihres geringen Platzbedarfs eine hohe Flächenproduktivität.

Das Angebot jedenfalls ist vielfältig. Klammert man einmal die handelseigenen Mobilfunk-Produkten wie Aldi-Talk oder Edeka-Mobil aus, bleiben für Shops noch genug Anbieter, angefangen mit Blau Mobilfunk über Congstar, Fonic, 1&1, Klarmobil und Lycamobil bis hin zu Bild-Mobil. Aber oft konzentrieren sich die Shops noch auf ein paar wenige, oft die gängigsten Mobilfunkanbieter.

Bei der Auswahl eines bestimmten Anbieters ist für die User aber nicht zwangsläufig die Marke entscheidend. Knapp 40 Prozent sagen zwar diese sei sehr wichtig oder wichtig. Aber immerhin 60 Prozent scheint das weniger zu interessieren. Zusammengenommen sind es 72,5 Prozent, die sich a) am attraktiven Angebot orientieren, b) die geringe Nutzungs- oder Grundgebühr schätzen und c) das gleiche Netz wie Freunde nutzen wollen. Nur für knapp 8 Prozent spielt die Bekanntheit des Anbieters eine Rolle, so die Erhebung unter Federführung von Dr. Thomas Roeb.

Dafür kommt es den Verbrauchern beim Kauf eher darauf an, dass sie ihr Produkt in ihrem bevorzugten Geschäft bekommen (62 Prozent). Für nicht einmal 12 Prozent sind die C-Stores bevorzugte Einkaufsquelle. Das könnte möglicherweise einem zu kleinen Angebot geschuldet sein. Eine breite Palette kommt dem Kunden möglicherweise entgegen, denn drei Viertel der Prepaid-Nutzer laden dort auf, wo sie sowieso vorbeikommen oder regelmäßig kaufen.

Und das dürfte gerade bei Geschäften, die sich der Nahversorgung – insbesondere durch ihre häufig langen Öffnungszeiten – oder der Verkehrsgastronomie verschrieben haben, bzw. bei Tankstellen der Fall sein. Immerhin besuchen knapp 18 Prozent der Befragten mindestens einmal in der Woche oder öfter einen Tankstellen-Shop, vermutlich wenn sie ihr Auto betanken müssen. Ein Drittel kommt einmal im Monat und knapp 28 Prozent mehrfach im Jahr. Etwa ein Fünftel suchen ihn gar nicht auf. Die wöchentliche Besucherfrequenz an den Kiosken liegt mit 27,8 Prozent noch deutlich höher.

Bei den Tankstellen vermitteln die Studienergebnisse den Eindruck, dass der Umfang des Mobilfunksortiments davon abhängt, unter welcher Flagge sie geführt werden, bzw. wie die Mineralölgesellschaft zentralseitig zum Verkauf von Karten-Produkten steht. Von allen angebotenen Varianten bieten Jet, Shell und auch Star die breiteste Palette an. Im Schnitt 83 Prozent, während Aral mit 22 Prozent gerade mal ein gutes Fünftel des Markenangebotes im Programm hat.

Zurückhaltender zeigen sich die Tankstellen bei der Auswahl an SIM-Karten für Prepaid-Handy, die zur Identifikation des Nutzers dienen. Im Schnitt wird ein Viertel von dem, was auf dem Markt verfügbar ist, bei Jet, Shell und Star angeboten. Wesentlich kleiner ist die Auswahl bei Aral mit 5 Prozent.

Das Angebot an Auflademöglichkeiten und dem Verkauf von SIM-Prepaid-Karten wird bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Das gilt vor allem für Kioske. Im Rahmen ihrer Recherchen stießen die Studenten der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zwar vereinzelt auf Kioske, die nahezu die ganze Bandbreite abdecken. Doch von 15 Objekten waren das gerade einmal zwei, die damit hervorstachen. Zwei weitere haben immerhin 59 Prozent aller angebotenen Varianten im Programm, Der Rest, also elf an der Zahl, noch nicht einmal eine einzige. Außerdem haben die Studenten herausgefunden: Handy-Nutzer erwarten das Mobilfunk-Angebot in Kassennähe.

Sie und Roeb kommen zu dem Ergebnis, dass viele Händler das Potenzial von Mobilfunkangeboten ungenutzt lassen, obwohl sie Ertragsbringer sind, sowohl über den verkauf wie auch als Kundenbindungsinstrument.

Mobilfunk-ABC

SIM-Karte: Eine Chipkarte, die in ein Mobiltelefon eingesteckt wird und zur Identifikation des Nutzers im Netz dient. Mit ihr stellen Mobilfunkanbieter mobile Telefonanschlüsse und Datenanschlüsse zur Verfügung. Ohne eine SIM-Karte funktioniert kein Handy. Laut Blau Mobilfunk sind 118 Mio. in Deutschland im Umlauf.

Prepaid-Karte: Ebenfalls eine SIM-Karte, für die allerdings keine vertragliche Bindung mit einem Telekommunikations-Betreiber besteht. Es handelt sich um eine Guthaben- Karte, die durch Vorauszahlung die Nutzung mobiler Leistungen (telefonieren, SMS versenden und Datenübertragung) solange ermöglicht, bis das Guthaben aufgebraucht ist. Prepaid-Karten haben laut Statista GmbH 65 Prozent aller Handy-Nutzer.