Strategiewechsel Aldi Süd stärkt Nahversorgung

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Aldi Süd hat einen Strategiewechsel hin zu mehr städtischer Nahversorgung vollzogen. Mit seinen modernen City-Märkten, die er jetzt zusätzlich eröffnet, steuert der Discounter inzwischen wieder vermehrt deutsche Innenstädte an.

Emsiges Treiben an einer Baustelle im rheinischen Hennef. In der Innenstadt wird ein neuer Aldi errichtet. Eigentlich nichts Besonderes, aber in diesem Falle schon. Denn der Discounter hat einen Strategiewechsel eingeläutet. Nachdem er sich seit Jahren aus vielen Innenstädten zurückgezogen und dafür an Stadträndern und Verkehrsknotenpunkten mit vielen Parkplätzen gebaut hat, nimmt er jetzt am Convenience- und Nahversorger-Spiel wieder teil.

Eine Entwicklung, die nicht überrascht, haben doch auch die großen und viele kleinere Lebensmittel-Einzelhändler dieses Geschäftsfeld wieder für sich entdeckt. Sie forcieren es, je nach Standort, mit unterschiedlichen Konzepten und Ideen. Dass Aldi hier zurückstehen würde, war von vorneherein nicht zu erwarten. In einem Brief der Unternehmensgruppe Aldi Süd an das Immobilienunternehmen, der dem Hennefer Stadtrat in öffentlicher Sitzung vorgelegt wurde, beschreibt der Discounter seinen Strategiewechsel: „Nachdem die Parkplatzfilialen in der Vergangenheit häufig als Ersatz für die Innenstadtfiliale gesehen wurden, wollen wir heute beide Formate nebeneinander. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Kundenbedürfnisse sich im Hinblick auf zentrales Wohnen, Arbeiten und Versorgen deutlich geändert haben und dies immer noch tun.“ In den 50er, 60er und 70er Jahren habe man „überwiegend Innenstadtfilialen, weitestgehend ohne PKW-Stellplätze in Lauflagen in der Regel mit einer Verkaufsfläche von ca. 300 bis 500 qm“ betrieben. Ab den 90er Jahren sei man zunächst wieder in zentrale Stadtteillagen der Großstädte zurückgekehrt, allerdings mit großformatigen Verkaufsflächen zwischen 800 und 1.100 qm. Das wird es nun auch in Hennef geben.

Bei dem Aldi City-Markt-Konzept, so erläuterte der zuständige Architekt Heinz Hennes gegenüber der Stadt Hennef, werde aber „deutlich, dass es sich nicht um einen Markt im üblichen Sinne handelt, sondern um ein Konzept im städtischen Sinne“. Was das bezüglich des Sortiments heißt, machte Aldi Süd in seiner Projektbeschreibung deutlich: „Es wird in der Breite das gleiche Lebensmittelsortiment angeboten, wie an allen Aldi-Standorten. Dies erfolgt jedoch mit anderer Schwerpunktsetzung. So werden großvolumige Aktionsartikel wie z.B. Gartenmöbel etc. nur in sehr geringen Mengen ggf. auch gar nicht angeboten. Der Bereich Frische (Kühlware, Obst und Gemüse) wird deutlich breiter präsentiert, da dies erfahrungsgemäß von Innenstadtkunden am stärksten nachgefragt wird.“ Dafür würden im Gegenzug haltbare Lebensmittel, die meistens in großer Menge eingekauft werden, wie Milch, Getränke oder auch Waschmittel, „deutlich schmaler präsentiert, da diese auf Grund ihres Gewichts in aller Regel dann doch wieder in den Autofilialen eingekauft werden“.

Auch das Hennefer Projekt lässt sich allerdings nicht in Gänze als Beispiel für die gleichzeitige Rückkehr des Discount-Riesen zu kleineren Formaten heranziehen, über die derzeit viel spekuliert wird. Für die an dieser Stelle im Erdgeschoss eines Neubaus geplante 940 qm große Filiale musste nämlich der dort geltende Bebauungsplan der Stadt geändert werden, der hier nur Verkaufsflächen bis 800 qm vorsah. „Dieses City-Markt-Konzept zeichnet sich durch Neugestaltung im Inneren (größere Wegeflächen, geänderte Regal- und Vorratshaltungssysteme etc.) aus“, erläuterte das zuständige Immobilienunternehmen Clemens Wirtz gegenüber der Stadt Hennef. Außerdem sei es von einem auf den Innenstadtkunden angepasstes Sortiment mit vermehrter Frischware und Backwaren geprägt. Zur adäquaten Präsentation dieser Produkte sowie für eine entsprechend komfortable Innengestaltung des City-Marktes sei eine Verkaufsfläche von 800 qm nicht ausreichend.

Allerdings entstehen nicht an allen geeigneten innerstädtischen Standorten Neubauten, die dann die Nutzung solcher Räumlichkeiten in entsprechender Größe ermöglichen. Mieten in der City sind hoch und gute große Flächen rar, daher liegt die Vermutung nahe, dass Aldi Süd künftig dort auch wieder mit kleineren Flächen vertreten sein und mit ihnen, wie etwa Rewe-to-go, ein passendes Convenience-Angebot machen könnte. Der Grund für diese Einschätzung sind die konzeptionellen Weiterentwicklungen, die bei Aldi Süd in den vergangenen Jahren mitzuerleben waren und auch alle etwas mit Convenience-Shopping zu tun hatten. So ging man im Ladenbau weg von der früher üblichen Palettenoptik und bewegte sich hin zu mehr Gestaltung und Aufenthaltsqualität. Im Sommer vergangenen Jahres kündigte Aldi Nord in diesem Zusammenhang „das größte Projekt in der Geschichte der Unternehmensgruppe Aldi Nord“ an (siehe dazu den Kasten Umbauprojekt Nord). Aufenthaltsqualität wurde auch in Vorkassenzonen gebracht, durch den Test von Kaffeeautomaten mit kleinen Aufenthaltszonen. Dazu kommen Sortiment-Veränderungen wie das Angebot von frischen Backwaren. Vor wenigen Tagen gab Aldi Süd bekannt, dass es unter der Marke „Meine Backwelt“ künftig ein erweitertes Brot- und Backwaren-Angebot einführt: „Neben verschiedenen Brot- und Brötchen-Sorten beinhaltet das Backsystem im modernen Design auch Convenience-Artikel. Je nach Standort umfasst das Sortiment bis zu 40 Artikel, die von den Mitarbeitern in der Filiale frisch gebacken werden. Aldi Süd rüstet in den nächsten Jahren seine Filialen sukzessive auf das manuelle Backen um“, teilt das Unternehmen mit.