Die Ausgangslage war denkbar alltäglich: wenig Zeit zum Kochen, gleichzeitig der Wunsch nach einer besseren Alternative zu klassischen Fertiggerichten. Für Gründerin Minever Zevker, die zuvor rund 15 Jahre in Produktmanagement, Marketing und Strategie gearbeitet hatte, wurde daraus zunächst eine Idee für die eigene Familie. Der entscheidende Impuls kam über die traditionelle fermentierte Suppe Tarhana, die sie durch eine Freundin kennenlernte. „Warum gibt es so etwas nicht alltagstauglich und mit Geschmacksrichtungen, die auch hier begeistern?“, fragte sie sich. Kurz darauf fiel ihr während eines Wochenendtrips zufällig ein Buch über Unternehmensgründung in die Hände. Aus dem Gedanken wurde ein Vorhaben. „Weil ich gemerkt habe, dass viele Menschen vor genau derselben Herausforderung stehen, war klar: Daraus möchte ich mehr machen.“ So entstand Miss Mineva’s Schritt für Schritt.
Produktidee mit Convenience-Faktor
Das Konzept setzt auf fermentierte Suppen und Instant Cups. Sie sollen die schnelle Zubereitung eines Convenience-Produkts mit einer Zutatenpositionierung verbinden, die über klassische Instantgerichte hinausgeht. Die Produkte enthalten natürliche Zutaten und sind auf einen hohen Protein- und Ballaststoffgehalt ausgerichtet. Die Zubereitung bleibt unkompliziert und damit für Situationen geeignet, in denen eine Mahlzeit schnell auf dem Tisch sein muss. Zevker beschreibt die Lücke, die Miss Mineva’s besetzen will, so: „Viele Menschen kennen das Dilemma: Im stressigen Alltag muss es schnell gehen, gleichzeitig möchte man sich gesund ernähren und hat bei klassischen Instant-Produkten häufig ein schlechtes Gewissen.“
Fermentation ist dabei nicht nur ein technologischer Bestandteil, sondern prägt die Produktidee. Miss Mineva’s übersetzt ein traditionelles Lebensmittelprinzip in ein Format, das in den modernen Alltag passt. Der Ansatz zielt damit auf eine Kategorie, die im Convenience-Regal bislang vor allem von klassischen Instantprodukten geprägt ist.
Beim Aufbau des Unternehmens konnte Zevker auf ihre Berufserfahrung zurückgreifen. Rund 15 Jahre in Produktmanagement, Marketing und Strategie hatten ihr vor allem eines vermittelt: Produkte nicht isoliert zu betrachten, sondern von den Bedürfnissen der Zielgruppe aus zu entwickeln und strukturiert in den Markt zu bringen. Diese Arbeitsweise wurde zum roten Faden des Startups. „Als Gründerin ist man plötzlich für alles verantwortlich; von der Produktentwicklung über den Vertrieb bis zum Marketing“, sagt Zevker. Gerade bei einem jungen Unternehmen sei es hilfreich, Erfahrungen aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen zusammenführen zu können.
Damit war allerdings erst die Grundlage geschaffen. Die nächste Herausforderung lag dort, wo viele Food-Startups an Grenzen stoßen: beim Zugang zum Handel. Für erste Listungen setzte Miss Mineva’s nicht allein auf Produktargumente, sondern auf direkten Kontakt. Verkostungen und Gespräche mit Kundinnen und Kunden sollten zeigen, wie das Konzept tatsächlich angenommen wird. Gleichzeitig galt es, die Besonderheiten der Produkte verständlich zu machen. Rückmeldungen aus den Testmärkten lieferten Argumente für weitere Gespräche mit Handelspartnern. Hinzu kamen erste Auszeichnungen. Für ein junges Unternehmen sind solche Signale besonders relevant, weil Händler neben Innovation vor allem belastbare Anhaltspunkte für Nachfrage, Qualität und Lieferfähigkeit benötigen.
Zevker nennt deshalb drei Faktoren als entscheidend: „Händler möchten sehen, dass ein Produkt nicht nur innovativ ist, sondern sich auch verkauft. Eine durchgängige Qualität und Lieferfähigkeit ist ebenso von Bedeutung“. Die Entwicklung verlief damit nicht über einen einzelnen großen Durchbruch, sondern über mehrere Etappen: Produktidee, Markttests, Kundenfeedback, erste Anerkennung und daraus entstehende Kontakte zum Handel.
Die ersten Meilensteine
Zu den frühen Meilensteinen gehörten der German Food Startup Award und der Rewe Süd Startup-Wettbewerb. „Sie schaffen Sichtbarkeit und öffnen Türen“, sagt Zevker. Gerade im Gespräch mit Handelspartnern können unabhängige Bewertungen die Aufmerksamkeit für ein noch wenig bekanntes Produkt erhöhen. Ein weiterer Schritt folgte mit dem Auftritt bei „Die Höhle der Löwen“. Die mediale Präsenz brachte Reichweite und Kontakte.
Dass Miss Mineva’s dabei nicht nur auf klassische Food-Handelskanäle zielt, zeigt die Auszeichnung als innovatives Startup bei der Jahrestagung „Handel und Wandel in Tankstellen- und Convenience-Stores“. Für Zevker besitzt diese Anerkennung einen besonderen Stellenwert, weil sie direkt aus der Branche kommt. „Von Anfang an war unsere Vision, zu zeigen, dass Convenience auch natürlich, nährstoffreich und richtig lecker sein kann“, sagt sie.