Der Markt für Online-Lieferservices und Food-Delivery boomt weltweit. Stetig werden neue Umsatzrekorde und steigende Nutzerzahlen registriert. Im Jahr 2024 lag der Umsatz von Essenslieferungen rund um den Globus bei rund 400 Milliarden Euro, berichtet Marktforscher Statista. Lebensmittellieferungen generierten im selben Jahr Umsatzerlöse in Höhe von 720 Milliarden Euro.
In Deutschland jedoch sind die Umsatzerlöse durch die Auslieferungen von Lebensmitteln und Speisen auf Seiten der Restaurants immer noch deutlich höher, als solche im so genannten Segment „Platform Delivery“. Entsprechend hoch ist der Konsolidierungsdruck hier zu Lande. Convenience Shop berichtete über Veränderungen, die der größte Player in Deutschland auch wohl deshalb umsetzen möchte: Lieferando will bei der Belieferung verstärkt auf externe Dienstleister setzen, die das Unternehmen Flottenpartner nennt.
Gestiegene Kundenanforderungen
Gegenüber dieser Zeitung betonte Lieferando, die erweiterte Logistik mit unterschiedlichen Flottenpartnern werde es erleichtern, gestiegene Kundenanforderungen zu bedienen sowie Services nachhaltig und schneller auszubauen. Weiter führt das Unternehmen aus, das bisherige Modell stelle Restaurants und Einzelhändlern zwar „eine deutschlandweit einzigartig große und leistungsfähige Flotte“ zu Verfügung. „Doch es ist weniger agil als kleine Restaurants oder spezialisierte Lieferbetriebe. Die Zustellung auf der letzten Meile ist anspruchsvoll – ein Markt kurzer Lieferzeiten, in dem die Kapazitätsnachfrage extrem schwankt – je nach akuter Wetterlage, Uhrzeit, Wochentag, Jahreszeit, Liefergebiet oder Produktkategorie“, so ist aus der Berliner Zentrale zu hören.
Das erweiterte Logistiknetzwerk soll die Servicequalität verbessern und den Kunden-Anforderungen flexibler gerecht werden. Sowohl für die knapp 45.000 Partner aus Gastronomie und Einzelhandel als auch für Endkunden. So will man die Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Betriebszeiten des Services erhöhen. Ziel sei es, Zustellzeiten zu verkürzen und mit agileren Kapazitäten auch die Versorgung für Lebensmittel- und Einzelhändler in zusätzlichen Liefergebieten zu erleichtern.
Knuspr stärkt Eigenmarken
Auch der Online-Supermarkt Knuspr, Teil der Rohlik-Gruppe, arbeitet an seiner Struktur. Der Dienstleister ist nicht nur ein Plattform-Unternehmen, sondern betreibt auch selbst Lager und liefert aus diesen heraus. Mit seinem Beitritt zum Netzwerk des Großhändlers Markant will der E-Commerce-Anbieter nach eigenen Angaben seiner Kundschaft ein breiteres Sortiment, vor allem im Preiseinstiegssegment zur Verfügung stellen. „In erster Linie aber sollen die administrativen Einkaufsprozesse – insbesondere durch eine zentrale Rechnungs- und Zahlungsabwicklung – für das klassische Supermarktsortiment und das Preiseinstiegssegment vereinfacht werden“, sagt Olin Novák, Geschäftsführer von Knuspr. So wird man bei Knuspr nun unter anderem auch Produkte aus dem Handelsmarken-Portfolio von Markant wie „Jeden Tag“ bekommen. Die Knuspr-Eigenmarken sollen davon jedoch unberührt bleiben. „Sie werden weiterhin zentral von unserer Muttergesellschaft Rohlik in Tschechien entwickelt und in allen Märkten, also in Deutschland, Österreich, Tschechien, Rumänien und Ungarn, vermarktet“, berichte Novák. Der Ausbau des Eigenmarkensortiments werde ein klarer Schwerpunkt bleiben. Aktuell führt Knuspr rund 380 Produkte in zwölf Eigenmarken. Bis 2027 soll diese Zahl auf tausend Produkte erhöht werden.
Bessere Produktverfügbarkeit
Außerdem soll eine bessere Produktverfügbarkeit – vor allem bei klassischen Supermarktartikeln - durch die finanziellen und administrativen Vorteile der Markant-Partnerschaft möglich werden. „Durch die zentrale Abwicklung von Zahlungs- und Einkaufsprozessen gewinnen wir zusätzliche Spielräume, die wir direkt in unser Sortiment investieren können – in attraktivere Preise, ein breiteres Angebot und eine stabilere Warenverfügbarkeit“, kündigt der Geschäftsführer an. Gleichzeitig eröffne die Zusammenarbeit den direkten Zugang zu Handelspartnern, mit denen Knuspr bislang nicht direkt gearbeitet habe. Das verschaffe mehr Flexibilität.
Regionale Lieferanten bleiben zentral
Für Kundinnen und Kunden soll sich der Vorteil ergeben, dass sie auf ein breiteres Sortiment, insbesondere im Preiseinstiegsbereich, zugreifen können. Auch die Verfügbarkeit der gängigen Supermarktartikel soll sich verbessern. Wichtig sei aber, dass die Zusammenarbeit mit kleinen, regionalen und lokalen Lieferanten davon unberührt bleibe. „Sie sind ein zentraler Bestandteil unserer Philosophie“, so Novák weiter. Die Markant-Partnerschaft ermögliche sogar, diese Kooperation „noch stärker auszubauen“, unterstreicht er. Schon jetzt seien positive Effekte spürbar. Die volle Wirkung soll sich noch in diesem Jahr zeigen. Auch starte die Partnerschaft zunächst in Deutschland. Eine Ausweitung auf weitere Märkte der Rohlik Group sei möglich.