Transformation im E-Food-Markt Kosten erzwingen Veränderung

Transformation bei Lieferando und Flink: Der Gastro-Lieferdienst will bei seinen Fahrern sparen und der E-Food-Händler Flink verab- schiedet sich langsam aber kontinuierlich vom Quick-Commerce.

Mittwoch, 17. September 2025, 10:28 Uhr
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Bildquelle: Flink

Der älteste Lieferdienst auf dem deutschen Markt, Lieferando, will Stellen streichen. Betroffen sind die Auslieferungsfahrer in einigen Großstädten hier zu Lande. Nach Medieninformation sollen bis zu 2.000 angestellte Fahrer und Fahrerinnen ihren Job verlieren und durch Selbstständige ersetzt werden. Streiks sind die Folge. Doch Lieferando, vor allem dafür bekannt, dass Kundinnen und Kunden über die Plattform des Unternehmens Speisen aus Restaurants – aber auch bei einigen Shell-Stationen – bestellen können, will Kurs halten. Denn der Lieferdienst und Plattform-Betreiber steht unter Druck. Grund dafür ist zum einen, dass angestellte Fahrer in der Branche unüblich und ein Kostenfaktor sind. Zum anderen steht das Unternehmen, beziehungsweise die Lieferando-Muttergesellschaft Just Eat Takeaway, vor einer geplanten Übernahme durch den Eigentümer des Wettbewerbers Delivery Hero.

Allerdings ist das Ausliefern von Speisen nicht das Kerngeschäft des 2009 gegründeten E-Commerce-Anbieters. Vielmehr macht Lieferando vor allem seinen Umsatz und verdient Geld, indem das Unternehmen seine Plattform für Gastronomie-Betriebe bereitstellt. Restaurants, Bistros, Fastfood-Anbieter und auch Tankstellen-Shops profitieren von der Bekanntheit der Lieferando-Plattform und ihrer Sichtbarkeit. Das soll die Anzahl der eingehenden Bestellungen erhöhen. Die Nutzung der Plattform müssen die Gastronomen und Retailer allerdings auch entsprechend bezahlen. Wenn sie die Plattform nur als Bestellannahmetool einsetzen, fallen 14 Prozent der Summe des Bestellwerts für Lieferando an. Die Restaurants und Bistros können dann eigene Auslieferungskuriere nutzen. Greifen sie zusätzlich auf den Fahrer-Pool des Dienstleisters Lieferando zurück, fallen 30 Prozent des Bestellwertes als Anteil für das E-Commerce-Unternehmen an. Die Werte machen deutlich, wie bei Lieferando selbst die Kosten derzeit verteilt sind.

Erweiterung der Liefergebiete

Bei Flink, letzter noch in Deutschland agierender so genannter Quick-Commerce-Anbieter, stellt sich die Situation etwas anders dar. Das Unternehmen, an dem die Rewe Group beteiligt ist, hat kürzlich das Liefergebiet rund um bestehende Standorte deutlich erweitert. „Wir erreichen nun zahlreiche neue Stadtteile und Randgebiete in den von uns bereits bedienten Regionen“, teilt Lucas Rietz, Managing Director bei Flink Deutschland, gegenüber Convenience Shop mit. Ziel sei es, noch mehr Haushalte an das schnelle Lieferangebot anzubinden. Durch diese Gebietserweiterung könne Flink inzwischen rund 15 Millionen Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen. Zuvor lag diese Zahl bei etwa 12,7 Millionen. Das zeigt, dass sich Flink genötigt sieht, die Anzahl seiner potenziellen Kunden auszubauen, um in Richtung Rentabilität voranzukommen. Deutlich wird aber auch, dass sich der E-Food-Händler mittelfristig vom Quick-Commerce verabschiedet.

Auf das gleiche Ziel zahlt auch der Ausbau des Angebots zu einem „vollständigen Supermarkt-Sortiment“ ein. „Wir bieten ein solches Sortiment an, sodass neben schnellen Spontanbestellungen nun ausdrücklich auch vollständige Wocheneinkäufe problemlos möglich sind“, beschreibt Rietz das Vorgehen. Das Sortiment umfasse frisches Obst und Gemüse, Fleisch, bekannte Markenprodukte sowie zahlreiche Bio- und Convenience-Artikel. Alle urbanen Zielgruppen – von Familien über Berufstätige bis hin zu Studierenden – sollen dabei im Fokus stehen. Neue E-Bikes sollen es ermöglichen, größere Einkaufsmengen zu transportieren – auch Wocheneinkäufe inklusive Getränke.