Neuordnung Presse-Grosso steht vor einem bedeutenden Umbau

Das deutsche Pressevertriebssystem steht vor einer Neuordnung. Mit der Gründung der PGA Presse-Grosso-Allianz soll der Vertrieb  effizienter werden. Während einige die Modernisierung befürworten, warnen Vertreter des bisherigen Grosso-Systems vor Risiken.

Montag, 13. Juli 2026, 08:32 Uhr
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Bildquelle: Ehastra

Für viele Convenience-Shops, Kioske, Tankstellen und Nahversorger gehören Zeitungen und Zeitschriften nach wie vor zum festen Sortiment. Auch wenn die Auflagen vieler Printtitel seit Jahren sinken, sorgen Presseprodukte weiterhin für Frequenz, Zusatzkäufe und Kundenbindung. Damit die mehr als 100.000 Presseverkaufsstellen in Deutschland täglich zuverlässig beliefert werden können, existiert seit Jahrzehnten ein besonderes Vertriebssystem: das Presse-Grosso. Es fungiert als Bindeglied zwischen Verlagen und Einzelhandel. Die Grossisten übernehmen die flächendeckende Verteilung der Titel, sorgen für eine breite Sortimentsauswahl und gewährleisten, dass große wie kleine Verlage gleichermaßen Zugang zum Markt erhalten.

Pressevertrieb zukunftsfähig machen

Jetzt haben elf führende Verlage – die so genannte Verlagsallianz „Fit For Future" (FFF) – und vier Grossisten beschlossen, den Pressevertrieb künftig unter dem Dach der neu gegründeten PGA Presse-Grosso-Allianz neu zu organisieren. Dem Vorhaben ging ein langes Prüfverfahren voraus. Das Bundeskartellamt hat das Modell nach intensiver Untersuchung letztlich nicht untersagt und damit den Weg für die Umsetzung freigemacht. Ziel der Neuorganisation ist es nach Angaben der Beteiligten, den Pressevertrieb wirtschaftlich zukunftsfähig zu machen. Hintergrund sind sinkende Auflagen, steigende Kosten und der anhaltende Strukturwandel im Printgeschäft. Durch eine stärkere Zentralisierung sollen Prozesse vereinfacht und Effizienzpotenziale gehoben werden. Nach Aussage der Verantwortlichen, sollen sich Belieferung, Sortimentsbreite und Versorgungsqualität nicht verschlechtern.

Diese Zusicherung spielte bei jüngsten Diskussion innerhalb Branche eine zentrale Rolle. Dort ging es auch darum, dass die Interessen des Handels bei der Ausgestaltung es neuen Systems berücksichtigt werden. Der Bundesverband des Lotto- und Pressefachhandels (BLD) hatte das Verfahren von Beginn an kritisch begleitet und seine Bedenken gegenüber dem Bundeskartellamt formuliert. Im Mittelpunkt standen Fragen der Versorgungssicherheit und der künftigen Rolle der Verkaufsstellen. Nach Angaben des Verbandes wurden diese Punkte im Laufe des Verfahrens aufgegriffen. Für Händler bedeute dies zunächst Kontinuität: Die tägliche Belieferung soll unverändert fortgeführt werden, ebenso die bisherige Sortimentsvielfalt. Aus Sicht des BLD ist dies ein wichtiges Signal. Der Verband wertet das Ergebnis als Beleg dafür, dass die Interessen des Handels in den Verhandlungen Gehör gefunden haben.

Trotz der Zustimmung des Bundeskartellamts ist die Neuorganisation keineswegs unumstritten. Besonders kritisch äußerte sich der Gesamtverband Pressegroßhandel, der die Entscheidung der Bonner Wettbewerbshüter für falsch hält. Die Kritik richtet sich vor allem gegen die stärkere Einflussnahme der Verlagsseite auf den Vertrieb. Bislang galt die weitgehende Unabhängigkeit des Presse-Grosso als zentrales Element des deutschen Pressevertriebssystems. Nach Auffassung der Grosso-Vertreter sorgt diese so genannte Ebenentrennung dafür, dass alle Verlage – unabhängig von ihrer Größe – gleichbehandelt werden. Die Grossisten verstehen sich traditionell als neutrale Vermittler zwischen Verlagen und Handel. Mit der neuen Struktur sehen Kritiker die Gefahr, dass große Verlagshäuser künftig stärkeren Einfluss auf die Platzierung und Verbreitung von Presseprodukten nehmen könnten.

Befürchtungen für kleinere, unabhängige Verlage

Der Grosso-Verband warnt davor, dass kleinere und unabhängige Verlage künftig schlechtere Chancen haben könnten, ihre Titel in den Markt zu bringen. Während große Verlagshäuser über erhebliche wirtschaftliche Ressourcen verfügten, seien kleinere Anbieter auf einen diskriminierungsfreien Vertrieb angewiesen. Nach Ansicht der Kritiker könnte die stärkere Einbindung großer Verlage in die Vertriebsstrukturen langfristig dazu führen, dass deren Interessen stärker berücksichtigt werden als die kleinerer Marktteilnehmer. Die Befürworter des neuen Modells weisen die Befürchtungen zurück. Sie verweisen darauf, dass das Kartellamt verschiedene Anpassungen eingefordert habe, um den Einfluss einzelner Verlage zu begrenzen.

Neben den grundsätzlichen medienpolitischen Fragen sehen die bisherigen Grosso-Unternehmen vor allem operative Risiken. Sie befürchten, dass die Umstellung in einzelnen Regionen nicht reibungslos verlaufen könnte. Da bestehende Vertriebsgebiete teilweise neu organisiert werden müssen. Der Grosso-Verband warnt deshalb vor möglichen Störungen in der Versorgungskette. Insbesondere während der Umstellungsphase könnten organisatorische Probleme auftreten. Die Initiatoren des neuen Systems halten dagegen, dass die Versorgung des Handels jederzeit sichergestellt werden soll.

Die Diskussion dürfte die Branche noch länger beschäftigen. Mehrere Unternehmen aus dem Kreis der bisherigen Grossisten haben angekündigt, die Entscheidung des Kartellamts gerichtlich überprüfen zu lassen. Damit ist klar: Auch wenn die Umsetzung der neuen Strukturen beginnen kann, ist die juristische und politische Debatte noch nicht abgeschlossen. Die C-Stores sollten diese Entwicklung aufmerksam verfolgen. Langfristig könnte sich der Einfluss der unabhängigen Vertriebspartner ändern.

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