Onlinehandel Rewe und Picnic in der Pole-Position

Die Anzahl der Kunden im Food-Onlinehandel wächst, die Zahl der Anbieter deutschlandweit geht dagegen zurück. Führend im Segment des E-Commerce mit Lebensmitteln sind derzeit Rewe und der expandierende Wettbewerber Picnic.

Montag, 13. April 2026, 15:56 Uhr
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Bildquelle: Picnic

Die Menschen hier zu Lande schätzen zunehmend die Vorteile des Onlinehandels. Das gilt auch für den Food-Bereich. Entsprechend hatten die Lieferdienste für Lebensmittel in Deutschland 2025 mehr zu tun als zuvor. Nach Zahlen des Instituts für Handelsforschung IFH Köln, stieg das Bestellvolumen um mehr als zehn Prozent. Das war ein doppelt so starkes Wachstum wie im gesamten Onlinehandel. Vermehrt nachgefragt wurden Produkte des täglichen Bedarfs, vor allem auch Lebensmittel sowie Wein und Sekt. Der Nettoumsatz mit Lebensmitteln lag 2025 erstmals deutlich über sechs Milliarden Euro. Laut einer YouGov-Umfrage kaufen 15 Prozent der Deutschen mindestens einmal pro Woche Waren des täglichen Bedarfs online, weitere 21 Prozent mehrmals im Monat. Entscheidend seien Bequemlichkeit bei 60 Prozent der Befragten und Zeitersparnis bei 47 Prozent. Preisvergleiche und eine größere Produkt-Auswahl runden die Kaufmotive ab.

Die beiden führenden Online-Food-Händler

In diesem wettbewerbsintensiven Liefermarkt haben sich zwei Anbieter besonders gut positionieren können: Rewe und Picnic. Während Rewe auf seine bewährten, gewachsenen Strukturen im Lieferservice setzt, drängt Picnic mit einem rein digitalen Geschäftsmodell und schlanker Logistik in den Markt. Der Anbieter  mit niederländischen Wurzeln ist 2018 in Deutschland gestartet und verzeichnet seither deutliche Wachstumsraten – zuletzt über 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz lag 2025 hier zu Lande bei rund 600 Millionen Euro. „Wir liefern kostenlos und zu den gleichen Preisen wie im Supermarkt “, erklärt Picnic-Mitgründer Frederick Knaudt. Um dieses Versprechen einzulösen, vergleicht Picnic fortlaufend die Preise seines 12.000 Artikel umfassenden Sortiments mit denen der Wettbewerber. Mit Erfolg: in Städten wie Dresden, wo Picnic vor kurzem an den Start ging, meldeten sich bereits innerhalb eines kurzen Zeitraums über 25.000 Haushalte an. Der Startschuss in Leipzig folgt. Darüber hinaus investiert Picnic in seine Infrastruktur. Nach dem Aufbau eines neuen Verteilzentrums in Oberhausen, sind jetzt auch vergleichbarer Standorte in Kabelsketal im Saalekreis in Sachsen-Anhalt und in Leipzig eröffnet worden. Damit kann Picnic wöchentlich bis zu 200.000 Lieferungen abwickeln. Deutschland ist der wichtigste Expansionsmarkt für die niederländische Muttergesellschaft.  Unter den Picnic-Investoren befinden sich bekanntlich auch die Edeka, die Gates Foundation sowie weitere Kapitalgeber. Gleichzeitig wird Picnic von Edeka durch die Warenlieferung unterstützt. „Wir möchten auch in Deutschland einen Großteil der Haushalte an der Haustür beliefern können", sagt der niederländische Picnic-Gründer Michiel Muller zum Unternehmensziel.

Rewe hingegen profitiert von seiner Marktpräsenz und dem Marken-Vertrauen. Der Konzern deckt sowohl den Online-Foodverkauf als auch Sofortlieferungen durch Beteiligungen ab – etwa am Schnelllieferdienst Flink, der mit Rewe-Produkten versorgt wird. Gleichzeitig konsolidiert sich der Markt: Von den Liefer-Startups sind außer Knuspr wenige verblieben. Eine Rolle spielt noch Flaschenpost – Teil der Oetker-Gruppe – zunehmend auch mit Food-Produkten.