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E-Food Eine wichtige Erfahrung

Der E-Food Handel hat bisher von der Corona-Krise profitiert. Doch nicht alle Anbieter konnten diesteigende Nachfrage bedienen. Food.de stockte die Logistik auf und lieferte, was möglich war.

„Auf einmal hatten wir 25-mal so viele Anmeldungen wie sonst. Innerhalb von drei Tagen hatten wir den Umsatz von zwei Wochen.“ Das berichtet Karsten Schaal, Co-Gründer und Geschäftsführer von Food.de, in einem Interview über den Beginn der Corona-Krise, zur Reaktion der Kunden und die Auswirkungen auf seinen E-Food-Markt. Als es zu Beginn der Corona-Krise zu Engpässen im lokalen Einzelhandel kam, schwenkten viele Konsumenten auf Online-Supermärkte um. Mit Zunahme der Berichterstattung über das Virus und der Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe stiegen auch beim Online-Supermarkt Food.de die Bestellanzahlen deutlich an. Wegen der Bestellflut mussten Anbieter wie Amazon Fresh und Rewe Online neue Kundenanmeldungen zeitweise sogar ablehnen. Food Direkt, das Unternehmen hinter Food.de hingegen, habe Neukunden auch weiterhin beliefert: „Unser Fokus war ausliefern, egal ob wir etwas dran verdienen“, sagt Karsten Schaal.

Sehr volle Warenkörbe
Ebenso veränderte sich, so Schaal, auch der Warenkorb deutlich in Richtung haltbarer Lebensmittel und vergrößerte sich dabei durchschnittlich um etwa ein Drittel. Die Warenkörbe seien so voll gewesen, „als würde morgen der Krieg ausbrechen und jeder müsste zwölf Monate überleben,“ kommentiert der Geschäftsführer im Rückblick. Der durchschnittliche Einkaufswert sei ständig überschritten worden, mit Bestellungen von bis zu 600 Euro.

Dabei entstanden ganz neue Herausforderungen für das Unternehmen, denn die Verfügbarkeit von Lebensmitteln sank rasant. Was in Deutschland lange als undenkbar galt, wurde plötzlich Realität: Es gab leere Regalmeter im Lager, weil der Warenbezug einfach nicht mehr lückenlos möglich war. Karsten Schaal: „Es ist eine unschöne aber wichtige Erfahrung, die wir gerade gemacht haben und wir werden uns künftig vielleicht vermehrt auf solche Situationen einstellen müssen. Es freut uns aber auch, wie wir mit unserem Service in solchen Ausnahmesituationen helfen und unterstützen konnten.”

Dreimal mehr Mitarbeiter
Zeitgleich mit dem Umsatz seien die Kosten gestiegen, so der Gründer im Gespräch mit dem Magazin Gründerszene. Food Direkt sei in Vorleistung gegangen und habe die Logistik sowie das Personal aufgestockt. Vor den Corona-Zeiten konnte der Onlinehändler nach eigenen Angaben mit 20 Fahrzeugen und 35 Fahrern taggleiche Direktlieferungen in 32 deutschen Städte anbieten. Nun beschäftige das Unternehmen dreimal so viele Mitarbeiter wie vorher, berichtet der Firmen-Chef. Food Direkt wusste schnell zu reagieren, da es auf die so genannte Passivkühlung durch spezielle Verpackungen setzt und angemietete Transportfahrzeuge auf diese Weise in die Lieferkette integriert werden konnten. Nach der Pandemie soll der Fuhrpark und die Personalzahl allerdings wieder kleiner werden.

Entscheidend für diese schnelle Reaktion auf die steigende Nachfrage sei eine Software gewesen, die schon vor Jahren von den Gründern entwickelt wurde. Sie simulierte damals digital einen zehnmal größeren Online-Supermarkt und steuerte anschließend bis heute automatisiert die Logistik des Händlers, berichtet Schaal. Das erhöhte Kundenaufkommen konnte Food Direkt durch diese Software bewältigen. Gehe der Trend bis zum Herbst weiter, werde man beweisen können, was an Potenzial im Liefermodell stecke.