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Handel Wer ist lieferfähig?

Viele Kunden lassen sich in diesen unsicheren Zeiten gerne beliefern, auch mit Lebensmitteln. Doch nicht alle Anbieter sind darauf vorbereitet, auch nicht im Convenience-Markt. Nun rüsten sie nach.

Wie ein Beschleuniger wirkt Covid 19 derzeit auf die Lieferdienste des Handels. Aus Hygiene- und Abstands-Gründen greifen immer mehr Kunden auf sie zurück. Gefragt sind nicht nur weltweit die bereits Etablierten, Uber oder Deliveroo, sondern in der Krise auch immer häufiger die des nationalen Einzelhandels, von der Rewe bis zum kleinen Dorfladen, der sich bemüht, mitzuhalten. Und die Corona-Krise setzt einiges in Bewegung.

Wegen der Coronavirus-Pandemie baut der US-Konzern Uber sein Lieferdienst-Angebot aus. Der neue Lieferdienst Uber Direct soll Kunden nun Lebensmittel oder andere Produkte des täglichen Bedarfs bringen, wie das Unternehmen mitteilte: „Kunden können nun Bestellungen bei ausgewählten Geschäften aufgeben und bekommen die Ware an die Haustür geliefert – ohne Kontakt.“ Das Angebot, das auf dem Essenslieferdienst Uber Eats aufbaut, startet in unterschiedlichen Städten und Ländern. In New York können Kunden auch Medikamente bestellen. In Portugal arbeitet Uber mit der Post für die Paketausstellung zusammen.

Währenddessen stärkt Amazon seine Position in diesem Markt: Im vergangenen Frühjahr, also schon vor dem unerwarteten Lockdown, hatte Amazon 575 Millionen US-Dollar in Deliveroo investiert. Jetzt haben die britischen Wettbewerbshüter Amazon erlaubt, seine Beteiligung am Lieferdienst Deliveroo umzusetzen. Im Dezember hatte die kartellrechtliche Untersuchung begonnen. Dass diese jetzt vorläufig beendet wird, begründet die Behörden mit dem Corona-Virus: Es sei klar geworden, dass der britische Gesundheitsnotstand erhebliche negative Auswirkungen auf die Einnahmen von Deliveroo habe, vor allem wegen der Schließung einer großen Anzahl von Restaurants.

Avec mit Webshop
Erst in Krisenzeiten, vor dem Hintergrund deutlich zurückgehender Umsätze, reagierte der Convenience-Spezialist Valora in der Schweiz mit einem Lieferdienst für sein Format Avec. Seit Mitte April ist das Angebot des Convenience-Formats des Unternehmens auch online unter www.avecnow.ch bestellbar. Ausgeliefert wird an die Kunden innerhalb eines Tages, teilt das Unternehmen mit. In einem ersten Test werden von Avec Stores im Kanton Obwalden und Zürich Kunden in den umliegenden Gemeinden beliefert. Ein Rollout auf weitere Regionen wurde vorbereitet. Geliefert werden rund 1.000 Artikel wie Backwaren, Getränke, Milch-, Fleisch- und Haushaltsprodukte. Die bestellten Waren werden in den Avec Stores zusammengestellt und von Montag bis Sonntag drei- beziehungsweise zweimal am Tag ausgeliefert. Ab einem Bestellwert von 100 Schweizer Franken sei die Lieferung kostenlos. Mit dem Online-Store Avec now setzt Valora seine Digitalstrategie im Convenience-Bereich fort.

Profitieren können in Deutschland von der Krise viele Online-Händler. Frederic Knaudt, Deutschland-Chef von Picnic, berichtet von einer um „knapp 50 Prozent“ gestiegenen Nachfrage „in allen Gebieten“. Das Tochterunternehmen des niederländischen E-Food-Shops hat deswegen auch Sonntagslieferungen eingeführt und verspricht Ärzten und Pflegekräften, sie an diesem Tag bevorzugt zu beliefern. Doch die derzeitige Situation birgt auch die Gefahr, Kunden zu enttäuschen, weil die Lieferzeiten zu lang sind oder nicht eingehalten werden können. Gleichzeitig haben einige E-Food-Händler die Registrierung für Neukunden eingeschränkt.

Amazon Fresh beispielsweise stoppte vorübergehend die Aufnahme neuer Mitglieder. Einzelbestellungen seien aber möglich. Und auch bei Rewe ist die Lieferflat zurzeit nicht verfügbar. Der Händler plant aber den Abholservice, der ebenfalls neue Kunden gewonnen habe, kurzfristig auszubauen. Bisher gibt es davon 500.

Lokaler Lieferdienst
Um kleineren Läden, auch Lebensmittelhändlern zu helfen, werden auch die Städte aktiv: Beispielsweise Coburg baute die bereits initiierte Lieferhilfe weiter aus. Im Kern geht es um die Abwicklung von Lebensmittelbestellungen und die Belieferung mit warmen Essen. Projektpartner sind neben der Plattform ichkaufinCoburg.de, regionale Logistikunternehmen und die Wirtschaftsförderung der Stadt. Der Kunde bestellt die Lebensmittel bei den an der Lieferhilfe teilnehmenden Nahversorgern oder Gastronomen per Internet, Fax oder E-Mail. Der Anbieter stellt die gewünschte Ware bereit und informiert den Lieferservice über die Auslieferung per Webformular. Die Ware wird am definierten Ort abgeholt und schnellstmöglich zum Besteller gebracht. Über ein Konto der Coburger Wirtschaftsförderung wird der Zahlungsverkehr abgewickelt.