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Bildquelle: Lekkerland

Lekkerland „Convenience war nie wertvoller als heute“

Wenn der Lekkerland-Chef zur Branche spricht, ist ihm viel Aufmerksamkeit sicher. So auch beim Online-Seminar, mit dem Patrick Steppe seinen Vortrag zur Jahrestagung Handel und Wandel in Tankstellen und
C -Shops nachholte. Er skizzierte dabei, welche Aufgaben vor der Branche und dem eigenen Unternehmen nach dem Rewe/Lekkerland-Merger liegen.

„Unterwegs in die Zukunft“ unter dieses Motto stellte Patrick Steppe, Chef der SE &Co. KG innerhalb der Rewe Group, seinen Vortrag zum aktuellen Stand der Convenience-Branche in Zeiten der Corona-Pandemie. Sein Thema waren vor allem die aktuellen Entwicklungen im Markt und das Kundenverhalten, „die unsere Zukunft bestimmen und bestimmen werden“. Es ging also zunächst um die Rahmenbedingungen für die weiteren Entwicklungen in diesem Markt. Ein zweiter Schwerpunkt war natürlich auch, wie Convenience-Dienstleister Lekkerland als neuer Teil der Rewe Group vor diesem Hintergrund künftig agieren will.

„Technologie, Gesellschaft und Kundenerwartungen verändern das Marktumfeld“, lautete ein Kernsatz in seiner Branchenanalyse. Er erläuterte, welche Themen der Convenience-Markt dabei vor allem im Auge haben sollte. Manche Faktoren sind dabei offensichtlich grundsätzlich positiv für die Branche, andere in ihren Folgen vielleicht noch schwer einzuschätzen, aber auch Anlass für Steppes Feststellung: „Convenience war nie wertvoller als heute“:

Haushalte und Demografie: 2030 werden nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung schon 81 Prozent der Deutschen in Haushalten von nur bis zu zwei Personen leben. Diese vielen kleinen Ein- oder Zwei-Personen-Haushalte, haben dann den größten Anteil am Außer-Haus-Konsum im Vergleich der Haushaltsgrößen.

Konsumverhalten: Die Konsumausgaben für Nahrungsmittel und Getränke privater Haushalte liegen laut Statistischem Bundesamt inzwischen bei fast 40 Prozent. Snacking ersetzt laut Angaben des Marktforschers Innova Market Insights immer mehr die Hauptmahlzeiten, insbesondere bei der Generation der Millenials.

Lieferdienste: Solche Konzepte, die in der Pandemie besondere Relevanz bekamen und von vielen erstmals genutzt wurden, sind als bequeme Alternative in vielen Bereichen auf dem Vormarsch. Der Anspruch sei, fast alle Produkte jederzeit verfügbar zu machen. Covid-19 unterstützt den Vormarsch der Lieferdienste, denn der stationäre Handel muss sich aktuell stark anpassen und weiterhin beispielsweise den Zugang zu den Outlets regulieren.

Click & Collect: Mit diesem Angebot profiliert sich aktuell vor allem der Lebensmittel-Einzelhandel. Auch E-Food-Anbieter nutzen den Ansatz, in Kooperation mit Packstationen. Das System könnte aber bald nicht mehr nur vom Computer von zuhause aus funktionieren. Honda entwickelt derzeit beispielsweise ein “In-Car Shopping System”, bei dem Fahrgäste während der Fahrt Bestellungen aufgeben, diese anschließend direkt bezahlen und Waren dann im Shop abholen.

Kassenlose, unbemannte Convenience-Shops: C-Stores ohne Personal verbreiten sich erfolgreich auf vielen Kontinenten. Die Chance ist groß, dass sich solche Shops mit ihrer Prozess- und Kosteneffizienz weiter durchsetzen, vielleicht auch in Deutschland.

Lebensmittel-Einzelhandel: Der Lebensmittelhandel sieht starke Potenziale in Convenience-Sortimenten und erweitert die entsprechende Angebote. Selbst Discounter investieren bereits in das aufstrebende Segment und verstärken damit den Wettbewerb in Richtung der C-Shops.

E-Mobilität: Die zunehmende Verbreitung von stromgetriebenen Fahrzeugen bedeutet wohl einerseits weniger Kraftstoffabsatz und könnte zu signifikant weniger Frequenz an Tankstellen führen. Die Ladezyklen in elektrogetriebenen Fahrzeugen könnten aber andererseits längere Aufenthalte in Tankstellen bewirken mit zusätzlichem Bedarf an Sitzgelegenheiten und Parkplätzen. Der Trend böte Chancen auf Zusatzumsätze.

Neuorientierung der Tankstellen
Am Beispiel der Tankstellen stellte Steppe dar, wie herausfordernd die notwendige Neuorientierung auf der Grundlage dieser Rahmenbedingungen sein wird. „Um das Geschäftsmodell nachhaltig erfolgreich zu machen, muss der Fokus auf den Konsumenten ausgerichtet werden“, so seine Kernaussage. Kraftstoff, Autowäsche, Services müssten sich in Richtung 2.0 entwickeln und der Flächennutzen optimiert werden. Auf der Tagesordnung stünden auch Last-Mile-, Pre-Order- und Pick-Up-Systeme. Die Branche müsse zudem von erweiterten Mobilitäts-Konzepten wie On-demand und Carsharing profitieren. Entscheidend sei es für die Tankstellen insgesamt, eine höhere Kundenbindung zu erreichen, reibungslose Abläufe als Erfolgsfaktor zu forcieren und den „Ausbau der Kundenbasis durch Erweiterung der Dienstleistungen für nicht tankende Kunden“ hinzubekommen.

Der Differzierungsfaktor
Wohl für alle Arten von C-Stores und vielleicht sogar für die E-Food-Anbieter ist Steppes Feststellung relevant, dass in den kommenden Jahren „der maßgebliche Differenzierungsfaktor das Kundenerlebnis, die ‚Customer Experience‘, sein wird. Grundvoraussetzung und wichtiger denn je sei darüber hinaus, dass sich die Kunden wohl und sicher fühlen. Für ein positives Kundenerlebnis müssten aber vor allem auch wichtige Faktoren wie Atmosphäre, Produktauswahl, Schnelligkeit, freundliches Personal, das Preis-Leistungs-Verhältnis und zusätzliche Services stimmen und zum jeweiligen C-Store passen.

Was Lekkerland mit Rewe daraus machen will
Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang Steppes Äußerungen und Ankündigungen, „wie Lekkerland zusammen mit Rewe auf die sich verändernden Rahmenbedingungen reagieren möchte“. „Gemeinsam wollen wir Tankstellen- und Convenience-Shops attraktiver machen“ formulierte Steppe den eigenen Anspruch. Sein Ankündigung: „Wir bieten Lösungen an, die Konsumenten überzeugen, unseren Kanal gegenüber dem vielfältigen Wettbewerb vorzuziehen“. Er zeigte dabei recht deutlich, wie hoch dieser Anspruch sein wird, ja vielleicht für den neuen Top-Player in diesem Markt auch sein muss. Sicherlich ist die Lekkerland-Übernahme in dieser Konstellation keine leichte Aufgabe, schließlich ist die neue eigene Konzernmutter Rewe ein entscheidender Player in diesem Wettbewerb, von den eigenen Supermärkten, über Rewe-To-go bis zum Online-Geschäft von Rewe.de.

Kein Einzelhändler
Nach Steppes Ausführungen will Lekkerland auch weiterhin seine Funktion als Großhändler und Partner der Branche erfüllen und keine Einzelhändler werden. Ob dieser Vorsatz in diesem großen Einzelhandelskonzern durchzuhalten ist, muss wohl die Zeit zeigen. Derweil betont Steppe aber nach wie vor: „Wir wollen keine eigenen Shops betreiben“. Das Ziel sei es aber weiterhin, funktionierende Konzepte zu entwickeln und diese Betreibern zur Verfügung zu stellen.

Komplexität der Themen
Aus Steppes Sicht sind die Herausforderungen eine Gemeinschaftsaufgabe, die nicht allein zu stemmen sei und schnell angegangen werden müsse. Dabei sieht er gerade die Tatsache, dass die beiden Unternehmen Rewe und Lekkerland als Companies so völlig unterschiedlich aufgestellt waren, als Faktor, der künftig eine noch besseren Unterstützung der Kunden ermöglichen könne. Als Ergebnis dessen, dass jetzt die Rewe Group und Lekkerland gemeinsam ihre jeweiligen Stärken bestmöglich kombinieren könnten, stellte er die Weiterentwicklungen bei Convenience-Formaten, Beratung, Schulungen und Training, innovativen Dienstleistungen sowie modulare Shop-Lösungen, umfassende Sortimente, starke Marken und (Rewe-)Eigenmarken, individuelles Category Management und flexible Logistiklösungen in Aussicht. Was all diese Punkte konkret für die Kundenbeziehungen bedeuten, darüber wollte Steppe in seinem Online-Seminar noch wenig sagen, obwohl das sicherlich der Punkt ist, der die Partner in Industrie und im Convenience-Handel am meisten interessiert. „Die Zukunft wird noch einige Überraschungen mit sich bringen...“, erhöhte er jedenfalls die Spannung in diesem Prozess.

Die neue Normalität
Die Erwartungen in der Branche jedenfalls, das wurde in vielen Gesprächen der CS-Redaktion in den vergangenen Wochen überdeutlich, sind durchaus hoch. Die Partner wollen wissen „whats in for us“. Und so wird Steppe in den kommenden Monaten nach der Pandemie, natürlich, wie er sagte, klar machen müssen:„wie gehen wir mit dem neuen ´Normal´ um?“ Diese Frage bezieht sich aber nicht nur auf die Corona-Folgen, sondern auch auf die neue Positionierung des Convenience-Großhändlers.

Das Pricing interessiert die Kunden besonders
Die Fragen zum Online-Seminar machten deutlich, dass die Partner vor allem natürlich die künftige Strategie beim Thema Pricing interessiert. Schließlich richten sich auch danach die Endverbraucherpreise. „Wir sind in einem Abgleich, wo wir bessere Preise erzielen können“, stellte Steppe hier zumindest in Aussicht. Dennoch solle man das Thema, so der Lekkerland-Chef, aus seiner Sicht nicht überbewerten: „Der Preis ist ein wichtiger Bestandteil der Customer Experience, aber nicht der Einzige“, so Steppe weiter. Neben den mittel- bis langfristigen Strategien und dem Tagesgeschäft will Lekkerland aber auch die Lehren aus der Pandemie für das Geschäft nicht ungenutzt lassen. Steppe: „Wir haben dafür eine Projektgruppe Corona Learnings gegründet“.


Nachtrag zu Handel und Wandel
Ein Mann ein Wort“, als Patrick Steppe, CEO der Lekkerland SE & Co. KG Anfang Februar 2020 seinen Vortrag beim Kongress Handel und Wandel in Tankstellen absagen musste, hatte er spontan versprochen, seinen Beitrag online nachzureichen. Dieses Versprechen hielt er jetzt ein und informierte die Teilnehmer eines Online-Seminars, zu dem sich etwa 200 Personen angemeldet hatten, über die aktuelle Sicht der Dinge des Convenience-Großhändlers. Natürlich hatte er seinen Vortrag der derzeitigen Entwicklung rund um die Pandemie angepasst, denn der Unterschied zur Markt-Lage zwischen Anfang Februar und Anfang Juni, war wohl noch in keinem Jahr so krass wie in diesen Corona-Zeiten. Die Erkenntnisse aus dieser Pandemie-Zeit, aber auch konkretere Informationen über die neuen Lekkerland-Strategien in der Rewe-Welt, wird Steppe wohl mit der Convenience-Community hoffentlich spätestens im kommenden Jahr auf der nächsten Jahrestagung Handel und Wandel in Tankstellen und Convenience-Shops, (25. und 26. Februar 2021 in Berlin) teilen. Dazu haben ihn die Veranstalter wieder eingeladen. Recht gut angekommen ist in den Homeoffice-Zeiten offensichtlich das Angebot und die Durchführungs des Euroforum-Online-Seminars. „Wir fanden es sehr inspirierend“, war dazu im Nachgang von Teilnehmern des Online-Events zu hören.

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