Bildquelle: Pokémon/Nintendo

Kundenbindung Profitieren von Pokemon

Ist das nur Quatsch und nervt nur? Wen die Spieler von Pokémon go in und um seinen Shop nur stören, der sollte sich mal die diesbezüglichen Aktivitäten von C-Stores in aller Welt ansehen. Für diese sind Pokémon-Player immer auch potenzielle neue Kunden.

Hypes, zumal weltweite, lassen sich nicht planen, sie passieren einfach. Wer hätte gedacht, dass Nintendo mit Hilfe einer App rund um seine etwas in die Jahre gekommenen Pokémon-Monster Millionen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen weltweit in Bewegung setzen kann? Und doch ist es derzeit so. Mit der Pokémon go-App, die in Deutschland am 13. Juli startete, verlassen viele Zocker und Stubenhocker erstmals wieder ihr Heim, gehen in der realen Welt auf GPS basierten Pokémon-Fang und tragen Kämpfe aus. Dort wo besonders viele Pokémons zu finden sind, in den Arenen und Poké-Stopps, die von den Machern der Apps vorher festgelegt wurden, sammeln sich zu jeder Tages- und Nachtzeit junge Erwachsene, in Großstädten manchmal sogar hunderte oder tausende. Wer sich nun fragt, was das alles mit dem Shop-Geschäft zu tun hat, der sollte wissen, dass weltweit und besonders in den USA Shop-Betreiber bereits kräftig dran sind, diesen überraschenden Traffic für ihr Geschäft zu nutzen. Statt die unliebsame Menge zu verscheuchen, raten Fachleute dort stattdessen, sie zu Kunden zu machen oder zumindest dafür zu sorgen, dass das Angebot des eigenen Stores erst einmal richtig wahrgenommen wird. Einige Betreiber machen in sozialen Netzwerken bereits Werbung dafür, dass in ihrer Nähe Hotspots des Spiels zu finden sind. Andere loben sogar Preise für diejenigen aus, die ihnen als erste Fotos von Pokémons in oder an ihrem Laden bringen. Weitere bieten den Spieler Möglichkeiten zum Aufladen ihrer Handys an. Wer eine Arena in seiner Nähe findet, der hat besonders viele Möglichkeiten zur Interaktion. Es sind immer Teams, die zeitweilig eine solche Arena beherrschen. Einige Shop-Betreiber machen inzwischen besondere Shop-Angebote für Mitglieder des aktuell siegreichen Teams.

Besonders beachtenswert im Zusammenhang mit diesem Spiel ist aber, dass die Betreiber der Sache nicht nur ausgeliefert sind, sondern selber aktiv dafür sorgen können, dass ihr Laden zu einem Hotspot des Spiels wird. Dafür sorgen so genannte Lockmodule, die für eine bestimmte Zeit besonders viele Pokémons anziehen können. Sie können in der App für vergleichsweise kleines Geld erworben werden. Findige Betreiber in den USA haben ausgerechnet, dass es dort nur knapp einen Dollar pro Stunde kostet, regelmäßig neue Köder auszulegen und damit Spieler anzulocken. Mit vielseitigen Bonusprogrammen werden diese dann dazu gebracht, beispielsweise die Entdeckung seltener Pokémon im eigenen Laden im Internet zu posten. Auch wenn dieser Hype vielleicht nicht von langer Dauer ist: Wer eine positive emotionale Beziehung zu den Spielern und Neukunden aufbaut, könnte davon auch langfristig profitieren.