Bildquelle: Guido Leifheim

Berlin Hoffi schlägt kurze Wege ein

Der Berliner Getränke-Filialist Hoffmann will seine Innenstadt-Standorte neu justieren. Das Pilot-Objekt im lebendigen Kreuzberg demonstriert Nähe zum Kunden und zu Herstellern.

Getränke Hoffmann schreibt die Kleinflächen nicht ab. Die Menschen werden wieder urbaner, lassen den PKW auch öfter mal stehen und suchen Einkaufsstätten in ihrer Umgebung. „Wenn der Kunde nicht mehr mit dem Auto zu uns kommen kann oder will, dann müssen wir zu ihm gehen“, erläutert Geschäftsführer Mario Benedikt die Strategie. Insofern sprach auch alles für die Neuausrichtung der Kleinflächen. „Wir wollen die Kunden auch mit Getränken wohnortnah versorgen.“

Die Idee nahm in Form des neuen Formates „Mein Hoffi“ Gestalt an. Es ist eine Mischung aus Getränke-Markt und Späti, die Modernes mit Traditionellem verbindet, ohne in die Anonymität abzudriften. Die persönliche Atmosphäre und die Kundenfreundlichkeit sind wesentliche Bestandteile des Geschäftsmodells. So stellt man sich in Sachen Service etwa auf Kunden ohne Auto ein. Sie können sich ein Lastenrad für den Transport von Kisten ausleihen, was laut Benedikt durchaus bis zu acht Mal am Tag vorkommt. Ein weiterer Baustein ist das Angebot der Flaschenschnellkühlung sowie die Bestellung von kalten Getränken per SMS.

Nein, man sehe sich nicht als neuen Berliner Kiezladen, der weit über die regulären Öffnungszeiten, die Bewohner im Stadtteil mit allem Lebensnotwenigen versorgt. „Wir haben nur einige Elemente aus dem Späti übernommen“, sagt der Geschäftsführer. Schließlich gehöre diese Kiez-Institution zu Berlin und die könne und wolle man nicht ersetzen. Der Hoffi selbst liegt Tür an Tür zu einem Späti. „Unsere DNA war und ist der Getränke-Verkauf“, betont er.

Nach drei Monaten lässt es ihn auch kalt, wenn in modernen Netzwerken über den Verlust des Tante-Emma-Flairs lamentiert wird. „Zweistellige Umsatzsteigerungen sagen etwas anderes“, meint Benedikt. Jedenfalls hat der Hoffi an Atmosphäre gewonnen: Automatische Türöffnung und ein minimalistisches Design, wodurch die 200 qm (plus Lagerfläche 240 qm) recht ordentlich und übersichtlich wirken. Helle Ausleuchtung und blaue, weiße sowie anthrazite Farbgebung sorgen für den gleichen Eindruck. Ein Getränke-Markt ohne Euro-Paletten, stattdessen Regale, Präsentationstische und Holzkisten etwa für Wein, Sekt usw.

Mein Hoffi in der Graefestraße im dichtbesiedelten Berlin-Kreuzberg ist übrigens der erste und bisher noch einzige Standort des neuen Formats. Ein Objekt, das Getränke-Hoffmann bereits seit mehr als 30 Jahren im Bestand hat, das aber jetzt der Pilot-Markt ist. Für weitere Standorte werden derzeit noch Gespräche geführt.

Von regional bis zu lokal

Was im ersten Hoffi besonders ins Auge fällt, ist die außergewöhnliche Angebots-Auswahl. Zum Mineralwasser, Alkoholfreiem, Bier und allem Flüssigen, die in einem klassischen Getränke-Markt vorhanden sind, findet man dort auch Coffee-to-go (wer 30 Cent sparen möchte, bringt seinen Becher selbst mit), Snacks, Sandwiches, frische Salate, Grillsaucen, Obst, Joghurt usw. Das meiste davon stammt von regionalen Manufakturen. Sie beliefern den Hoffi täglich mit frischer Ware.
„Wenn man sich erst einmal selber auf die Suche nach weiteren Herstellern macht, dann ist man schon erstaunt, wie viele Manufakturen es in und um Berlin gibt.“ Dazu zählen Berliner Brandstifter Dry Gin & Kornbrand, Our Vodka Berlin, Saucenfritze, AiLaike Handmade IceTea, Proviant Limonaden und Smoothies, Brlo Bier, Heimat Weißbier, Power & Roggen Rol Ale sowie Lemkes Bierspezialitäten.

Die Entscheidung für lokale und regionale Produkte war laut Benedikt eine logische Konsequenz der kurzen Wege zum Kunden und zum Hersteller. Und das quirlige, szenige Kreuzberg der ideale Ort, den Trend zur Regionalität zu verfolgen und zu bedienen. Als Beispiel führt er das Eiscreme-Sortiment an - ein veganes, das an der Spree hergestellt und von der Kundschaft angenommen wird. Interessant. Kein anderer Markenartikler ist in der Truhe vertreten.

Anders bei Bier. Da trifft man auf große Markennamen, aber auch auf Craft-Beer und örtlich bekannte Spezialitäten. An Sortimentsbreite mangelt es nicht: Aus dem Getränke Hoffmann-Programm lässt sich ein standortspezifisches Angebot zusammensetzen. So gibt es im Hoffi beispielsweise ein abgespecktes Tabakwaren-Sortiment. 40 bis 50 Sorten sind in einer verglasten Schublade im Tresen sichtbar, ungefähr ein Drittel dessen, was im Gesamt-Portfolio verfügbar ist.

In puncto Service dürfen die Öffnungszeiten natürlich nicht vergessen werden: Von montags bis samstags ist der Shop ab 7 Uhr bis abends 22 Uhr verkaufsbereit. Und die Preise sind trotzdem noch moderat. Sie bewegen sich zwischen denen eines Supermarktes und eines Spätis.